Anstellung

Abseits der Praxis (17): Der Kunsthallen-Direktor

Studium, Assistenzzeit, eigene Praxis. Sein Weg schien vorgezeichnet. Doch 2009 wechselte Dr. Jörg-Uwe Neumann in ein 10-Quadratmeter-Büro. Und wurde einer der erfolgreichsten Kunsthallenleiter seit der Wende.

Herr Neumann, Sie sind jetzt seit sieben Jahren Direktor der Rostocker Kunsthalle, vermissen Sie noch manchmal die Arbeit als Zahnarzt?
Dr. Jörg-Uwe Neumann: Ja, tue ich. Einer der ganz großen Vorteile der Zahnmedizin ist aus meiner Sicht diese unglaubliche Direktheit der Arbeit. Es ist ganz klar, dass die eigenen Einschätzungen und Handlungen essenziell für die Qualität der Arbeit sind. Hier in der Kunsthalle arbeite ich in einem viel größeren Team als Dienstleister für die Künstler - zumindest sehe ich mich als solcher - und weiß manchmal abends gar nicht mehr, was ich den ganzen Tag gemacht habe. Das ist in der Zahnmedizin ganz anders, egal, ob man Menschen Schmerzen genommen oder eine tolle Frontzahnbrücke eingesetzt hat. Die damit verbundene unmittelbarere Rückmeldung zur eigenen Arbeit vermisse ich schon. Aber die Arbeit hier ist für mich so spannend und vielschichtig, dass ich die eigentliche zahnärztliche Tätigkeit nicht vermisse.

Verfolgen Sie weiterhin die Entwicklungen der Zahnmedizin?

Ich versuche schon, immer noch auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Eine Zeit lang habe ich auch Weiterbildungen mitgemacht, im Moment komme ich aber zeitlich nicht mehr dazu. Ich versuche auch, regelmäßig Fachtexte zu lesen, damit ich nicht komplett den Anschluss verliere. Ich bin ja schließlich immer noch Zahnarzt. Und wenn ich zu irgendetwas gefragt werde, möchte ich wenigstens eine Haltung dazu haben - und zwar eine fundierte.

"Behandeln müsste ich wieder üben!"

Wie ist es mit der handwerklichen Praxis, verlernt man das?

Absolut. Ich könnte heute nicht mehr behandeln. Das müsste ich wieder üben. Aber dafür gibt es im Moment keinen Grund.

Ein Jahr vor Ihrer Entscheidung 2007, die Praxis abzugeben, ist ihr älterer Bruder gestorben. War dieser Vorfall mit ein Auslöser für die Entscheidung?

Nein. Ich habe ihn damals begleitet und das Erlebnis war für mich einfach die deutliche Erinnerung daran, was uns allen ja grundsätzlich klar ist, wir aber nicht immer vor Augen haben - nämlich, dass unser Leben sehr begrenzt ist. Da ist mir wieder bewusst geworden, dass man Entscheidungen nicht endlos vor sich herschieben darf. So hat sich meine grundsätzliche Fragestellung „mache noch einmal etwas anderes“ durch die Zäsur mit meinem Bruder noch einmal verschärft. Die Praxis abzugeben habe ich aber lange überlegt, das war keine spontane Entscheidung.

Wie hat es sich angefühlt, die eigene Praxis - für viele ein Lebenswerk - schon mit Ende 40 abzugeben?

Das war gut. Die Praxis aufzugeben, war ja sehr gewollt. Ich habe 15 Jahre meine eigene Praxis gehabt, die auch sehr gut gelaufen ist. Ich habe sie gut entwickelt, zuletzt waren noch eine Kieferorthopädin und eine Zahnärztin mit in der Praxis, wir haben auch Vorbereitungsassistenten ausgebildet. Es war alles gut, aber ich habe irgendwann festgestellt, dass es für mich beruflich ausgereizt ist. Mir hat die Arbeit Spaß gemacht, aber es war keine neue Herausforderung mehr für mich da, die wirklich spannend gewesen wäre.

Zum Geldverdienen wäre es natürlich gut gewesen, das weiter zu machen, aber das war eben nicht mein Antrieb. Darum habe ich gedacht, dann lieber jetzt verkaufen als in ein paar Jahren. Ich wollte nicht in meinem heutigen Alter, mit 55 - was vielleicht ein üblicheres Abgabealter ist - den völligen beruflichen Neustart wagen, weil man dann vielleicht nicht mehr kann, auch nicht mehr nachgefragt wird. Deswegen war das Alter für mich perfekt, auch wenn ich damals noch nicht die Idee im Kopf hatte, Museumsdirektor zu werden. Mein Ziel war nur: Ich will die Praxis abgeben und mir Zeit nehmen, um eine neue berufliche Perspektive für mich zu entwickeln.

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben – sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt.

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