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Abseits der Praxis (2): Der Kontrabassist

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben, sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt. Wir erzählen von Industrieberufen, künstlerischer Selbstfindung, humanitären Einsätzen, Aussteigern, Politikerkarrieren und Jobs in Industrie, Forschung und Verwaltung. Einige unserer Protagonisten haben sich sehr weit vom Ursprungsberuf entfernt, andere haben nur wenig verändert, um ein wenig Abwechslung in ihren Praxisalltag zu bringen. Fest steht so oder so: Auch "Abseits der Praxis" warten viele spannende Aufgaben.

Uwe Arens

Nhassim Gazale wäre sicherlich ein wunderbarer Zahnarzt geworden. Er ist umsichtig und klug. Er hat Sinn für die Bedürfnisse anderer Menschen. Und vor allem: Er hat sehr geschickte Hände.

Seine herausragende Feinmotorik stellt er heute allerdings lieber am Kontrabass unter Beweis als an der Kürette oder am Bohrer. Seit zwei Jahren ist er festes Mitglied des Konzerthausorchesters Berlin. Seinen ursprünglichen Berufswunsch - Zahnarzt - hat er inzwischen aufgegeben. Er hat ein größeres Glück gefunden.

Alles sah nach einem guten Leben aus

Doch liegt das Studium der Zahnmedizin noch nicht so lange zurück, als dass er sich nicht noch sehr gut erinnern könnte. "Zähne ziehen ist einfach, man braucht nur die richtige Technik dafür!", sagt er zum Beispiel und führt eine schwungvolle Bewegung mit dem rechten Arm aus. Gazale hat im Studium nicht nur Zähne gezogen, sondern auch gebohrt, Füllungen angerührt und modelliert. Er war ein guter Student. Die praktischen Arbeiten gingen ihm leicht von der Hand, er war geschickt und präzise.

Zahnarzt wollte Gazale werden, weil auch sein Onkel Zahnarzt war. Den hat er als Kind oft in seiner Praxis besucht, war fasziniert von den spiegelglatten, sauberen Fußböden und den vielen Geräten. Der Beruf des Onkels schien spielerisch, kreativ und fantasievoll. Seine Eltern waren über diesen Berufswunsch sehr erfreut. Sie kamen aus bescheidenen Verhältnissen. Der Sohn ein Zahnarzt - das sah nach einem guten Leben aus.

Dann kam die Leidenschaft fürs Kontrabass

Und so wäre es wohl auch gekommen, wäre da nicht das Jugendorchesterprojekt in sein kleines chilenisches Dorf getragen worden, mit dem Anliegen, auch weniger betuchte Kinder an die Musik heranzuführen. Wie alle seine Freunde fing auch der kleine Nhassim an, ein Instrument zu lernen. Und wie alle seine Freunde wollte er unbedingt das Cello spielen. Zugleich hoffte er, einen Platz im Orchester zu bekommen. Doch leider war nur noch ein einziger Platz am Cello frei. Und ein Freund von ihm begehrte den ebenfalls.

Da nahm der Lehrer die Hände der beiden Jungen und schaute sie sich lange an. Schließlich zeigte er auf Nhassim. "Deine sind größer, du gehst an den Kontrabass." Damals war Nhassim sehr traurig, als man ihn zu diesem großen, hässlichen Kasten schickte. Heute ist er sein größtes Glück. "Ich liebe alles an ihm - vom ersten Moment an, wenn ich den Bass aus der Hülle nehme, wenn ich dann den Harz auf den Bogen streiche, stundenlang übe, bis hin zu dem Moment, an dem ich das Instrument wieder in seine Hülle zurück lege - das ist alles toll", sagt der junge Chilene. Er strahlt.

Gazale hat allen Grund dazu. Er hat großes Glück gehabt. Wenn in einem Orchester wie seinem eine Stelle frei wird, bewerben sich üblicherweise Hunderte Musiker und reisen von überall her an zum Probespiel. Sie würden so einiges geben, genommen zu werden. Gazale hat sie alle ausgestochen mit seinem Spiel. Dabei war es sein erstes Vorspiel gewesen und er hat nie eine richtige Musikhochschule besucht.

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben – sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt.

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