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Abseits der Praxis (6): Der Zahnarztcoach

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben, sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt. Wir erzählen von Industrieberufen, künstlerischer Selbstfindung, humanitären Einsätzen, Aussteigern, Politikerkarrieren und Jobs in Industrie, Forschung und Verwaltung. Einige unserer Protagonisten haben sich sehr weit vom Ursprungsberuf entfernt, andere haben nur wenig verändert, um ein wenig Abwechslung in ihren Praxisalltag zu bringen. Fest steht so oder so: Auch "Abseits der Praxis" warten viele spannende Aufgaben.

Schmidt

Er war noch nicht lange von seinem Coaching-Einsatz wieder zurück, da piepste sein Handy. Dennis Schmidt erinnert sich nicht mehr an den exakten Wortlaut.

Aber sinngemäß ging die SMS des gecoachten Zahnarztes etwa so: "Da rede ich mir nun seit zwei Jahren den Mund fusselig. Und Sie kommen einmal für vier Stunden, und schon haben wir eine konstruktive Lösung. Wie machen Sie das nur?!"

Wie er das macht, weiß er eigentlich selbst nicht so genau. Der promovierte Zahnmediziner weiß aber, dass er sich schon immer für Kommunikation interessiert hat. Ganz besonders für das, was mitschwingt, wenn Menschen miteinander sprechen. Er habe wohl ein gewisses Talent, zwischen den Zeilen zu lesen und die richtigen Fragen zu stellen. "Coaching heißt ja nicht, dass man jemandem sagt: Tu dies, lass jenes!" erklärt er. Es gehe vielmehr darum, das Gegenüber darin zu unterstützen, die eigene, richtige Lösung für sein persönliches Problem zu finden.

Auch ein Sprechberuf

Das Zwischenmenschliche ist ihm wichtig. So hält er es für eine der größten Herausforderungen für Behandler bei aller Routine und allem Stress, sich auf die Eigenheiten eines jeden Patienten immer wieder neu einzustellen. "Der Beruf des Arztes ist auch ein Sprechberuf." Und weil er sich nach wie vor für Konfliktsituationen interessiert, fährt er auch heute noch selbst gerne in seiner Freizeit hinaus zu befreundeten Praxen, wenn es irgendwo brennt oder es kommunikative Probleme zu lösen gilt.

Er ist aber stets bemüht, niemals besserwisserisch oder mahnend zu erscheinen. "Würde ich als Coach zu kritisch auftreten, würde das nur Widerstände heraufbeschwören", erklärt er. Die Zahnärzte buchen ihn in dem Vertrauen, er stünde auf ihrer Seite - verständlicherweise, schließlich sind sie es, die ihn bezahlen. Als Coach kann er dann nur versuchen, sie für neue Sichtweisen und Optionen zu interessieren. Das braucht sehr viel Fingerspitzengefühl.

Talent zur Beratung

Eine Zeit lang hat Schmidt ausschließlich als Berater und Coach für Zahnärzte gearbeitet. Sein Talent hatte er zuvor mit einer entsprechenden Coaching-Ausbildung vertieft. Das trug ihm unter anderem Bezeichnungen ein wie: "BDVT geprüfter Trainer und Berater" und "Diplom Coach im Unternehmen (EOTE) - BusinessLeaderCoach." Zahnärzte konnten ihn buchen, wenn sie seine Hilfe brauchten  oder Kurse bei ihm belegen, zu Themen wie "Wirkungsvoll vortragen vor Patientinnen und Patienten" oder "Professionelle Beratung über zusätzliche zahnärztliche Leistungen".

Seit zwei Jahren nun arbeitet Schmidt als festangestellter Trainer in der Trainingsakademie bei Straumann, einem großen Unternehmen im Bereich der Implantologie mit Hauptsitz in Basel. Schmidt ist in der Niederlassung in Freiburg tätig. Hier werden unter anderem die deutschen Vertriebsmitarbeiter geschult.

Seiner Weiterbildung zum Trainer und Coach ging ein zahnmedizinisches Studium voraus. Denn neben seinem Interesse für Zwischenmenschliches schätzt Dennis Schmidt auch die Dinge an sich, das Material, kurz: das Handwerk. Das war auch der Grund, warum er sich nach der Banklehre im Jahr 1998 noch für das Studium einschrieb, das er 2006 mit der Promotion abschloss.

Dinge begreifen können

So sehr ihn die Wirtschaft reizte - noch wirklich mit den Händen arbeiten, die Dinge "begreifen" zu können, das war ihm schon immer ein Anliegen. So sind die Fußböden in seiner Wohnung von Hand verlegt, die Armaturen im Bad selbst installiert. Umso kleinteiliger eine Arbeit wird, desto mehr reizt es Schmidt, selbst zu schrauben und zu feilen. Den Beruf des Goldschmieds hätte er sich vielleicht noch vorstellen können. "Aber in der Zahnmedizin kommt etwas Zweites hinzu, die anspruchsvolle Wissenschaft nämlich, das medizinische Konzept," sagt er. Diese Kombination fessele ihn an diesem Beruf am meisten.

Die Liebe zum Detail, die Präzision und das genaue Wissen ist es auch, was er seinen Trainees bei Straumann vermittelt. Denn wenn sie zu den Kunden in die Praxen fahren, sollen sie ganz genau wissen, wovon sie sprechen. Schmidt ist dafür zuständig, ihnen die Grundlagen der Zahnmedizin und insbesondere der Implantologie und Parodontologie zu vermitteln, und zwar in intensiven Kursen, die zwei Monate dauern und in kleinen Klassen stattfinden.

"Dass wir es bei Straumann so ernst nehmen mit der Ausbildung, ist wohl eine Besonderheit des Unternehmens", sagt er. Von dem Konzept ist er überzeugt. "Unsere Mitarbeiter sollen dem Zahnarzt ein kompetenter Ansprechpartner sein." Und nach dem Kurs bei Schmidt und seinen Kollegen sind sie es wohl auch.

... andere sind fachlich weniger vorbelastet

Die besondere Herausforderung besteht darin, die Mitarbeiter an ihren mitunter ganz unterschiedlichen Wissensständen abzuholen. Viele kämen selbst aus medizinischen oder technischen Berufen, andere seien "fachlich weniger vorbelastet", wie er das nennt. "Was den einen unterfordert, ist für den anderen eine völlig neue Welt, da müssen sie ständig bremsen auf der einen und motivieren auf der anderen Seite."

Dazu muss Schmidt auch didaktisch sein Handwerk beherrschen. Zum Beispiel muss er sich fragen, inwiefern er seinen Schülern das Wissen nicht nur erfolgreich vermittelt hat, sondern die das auch später in der Praxis abrufen können. "Wirklich zufrieden bin ich erst, wenn sie die kompliziertesten Sachverhalte auf Nachfrage detailliert aber auch kurz und pointiert darstellen können." Ein Klavierlehrer würde dann wohl von Geläufigkeit sprechen.

Frei sprechen lernen

Bei seinem jetzigen Job kommen Schmidt auch seine früheren Coaching- und Trainererfahrungen zu Gute. Viele Straumann-Mitarbeiter müssen zum Beispiel regelmäßig frei sprechen und gut präsentieren können. Und das, davon ist er überzeugt, könne man selbst dann noch lernen, wenn man kein absolutes Naturtalent ist in diesen Dingen. Er selbst bekommt heute viel Lob für seine Unterrichtsperformance. "Da habe ich mir aber auch noch sehr viel nachträglich erarbeitet", versichert er dann seinen Schülern. "Ich war früher selbst ein eher schlechter Redner."

Was ihn an seiner jetzigen Aufgabe besonders reize, sei der ständige Kontakt mit Menschen. "Ich bekomme so viel Input", sagt er. Denn seine Schüler nehmen nicht nur von ihm etwas mit, sie tragen auch umgekehrt viel neues Wissen zu ihm hinein. Die Implantologie findet er ohnehin spannend, hält sein Wissen schon aus Neugier immer auf dem aktuellen Stand.

Die Tätigkeit in einer Zahnarztpraxis, so reizvoll der Job für andere auch sein möge, die Welt der Wirtschaft findet er spannender. Die internationale Ausrichtung, die Größe seines Arbeitgebers und die Möglichkeit zum Austausch unter Fachleuten findet er besonders attraktiv. Finanzielle Gründe hat seine Berufsentscheidung nicht.

Coaching zur Selbstreflexion

Allen Kollegen, die ähnliche Interessen haben wie er, kann er nur raten, sich im Bereich Kommunikation und Coaching weiterbilden zu lassen. Bei vielen dieser Kurse ginge es zunächst darum, sich selbst besser zu reflektieren, seine Optionen kennen zu lernen, unterschiedliche Muster an sich zu beobachten.

"Das auszuprobieren und sich da weiterzuentwickeln, das ist doch unglaublich spannend!", sagt Schmidt. Dafür müsse man ja seinen Zahnarztberuf auch gar nicht sofort an den Nagel hängen wollen. "Aber das hilft enorm, sich zu verbessern, auch in der täglichen Praxis."

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben – sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt.

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