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Abseits der Praxis (8): Die Wellenreiterin

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben, sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt. Wir erzählen von Industrieberufen, künstlerischer Selbstfindung, humanitären Einsätzen, Aussteigern, Politikerkarrieren und Jobs in Industrie, Forschung und Verwaltung. Einige unserer Protagonisten haben sich sehr weit vom Ursprungsberuf entfernt, andere haben nur wenig verändert, um ein wenig Abwechslung in ihren Praxisalltag zu bringen. Fest steht so oder so: Auch "Abseits der Praxis" warten viele spannende Aufgaben.

privat

Die Patienten von Rebecca Ort genießen ein ganz besonderes Privileg: Sie werden von einer Weltmeisterin behandelt.

In der Stomatologie gibt es zwar keine solche Auszeichnung. Sehr wohl aber im Wakesurfen. Und in dieser Disziplin hat es die junge Schweizerin bis an die absolute Spitze geschafft. Zwei Mal schon hat sie die Weltmeisterschaften für sich entscheiden können. 

Trifft man Rebecca Ort in der Praxis an, lernt man eine hochkonzentrierte, sehr gründlich arbeitende Zahnmedizinerin kennen, die einen Faible hat für neue Technologien, zum Beispiel für die Laserbehandlung. "Ich wollte schon immer etwas mit Medizin machen", erzählt sie. Früh durfte sie dann bei ihrem Onkel im Zahntechnik-Labor arbeiten und das habe sie wohl auf den Berufswunsch Zahnärztin gebracht. "Da ich auch sehr gut in Kunst war, war es für mich die perfekte medizinische Richtung." Eine gute Füllung betrachtet sie als Kunstwerk. "Und eine gute Zahnärztin zu sein heißt für mich: Nerven behalten und auch Angstpatienten die Angst nehmen, durch Einfühlsamkeit und vorsichtiges Vorgehen."

Eine Mischung aus Spitzensport und Party

Die blonde, junge Zahnärztin mag akribisch und sorgfältig sein in ihrem Beruf - bürgerlich, spießig oder gar langweilig ist sie garantiert nicht. Ganz im Gegenteil. So eine Wakesurf-Meisterschaft hat man sich eher vorzustellen wie eine Mischung aus einem Spitzensport-Event und einer riesengroßen Party. Da verwandelt sich die Uferpromenade des Zürichsee schon mal in einen einzigen, fröhlich feiernden Beachclub. Lässige Musik dröhnt über den See.

Junge Leute schlurfen im Surferstyle über die Tribünen. "Die Stimmung ist meistens sehr relaxed", beschreibt Ort die Atmosphäre. Was sie daran besonders liebt? "Es ist immer wieder schön, die anderen Rider zu treffen mit ihnen zu chillen und sich auszutauschen."  

Eine coole Zahnärztin

Schweizer haben bekanntlich kein Meer. Deshalb musste Rebecca Ort früher viel reisen, um regelmäßig surfen zu können. Heute verbringt sie die Urlaube lieber auf ihrem See direkt vor der Haustür. Der große Vorteil am Wakesurfen: Man braucht dafür kein Meer, und kann trotzdem eine mächtig dicke Welle reiten. 

Die Welle wird beim Wakesurfen nämlich von einem speziellen Sportboot erzeugt, dass mit einem extra beschwerten Heck durchs Wasser pflügt. In dieser Heckwelle lassen sich dann - in Fahrt gehalten allein von dem Vortrieb der Welle - allerhand Tricks und Kunststücke vollführen. Fast wie beim Wellenreiten am Strand von Kalifornien. 

Oder von Barbados! Von dieser Karibikinsel hat Rebecca Ort in den Fluren und Zimmern ihrer Praxis jede Menge Bildern aufgehängt. "Das entspannt die Patienten, wenn sie zu mir zur Behandlung kommen", ist sie überzeugt. Sie werde fast täglich darauf angesprochen. "Die Patienten freuen sich, eine so coole Zahnärztin zu haben!"

Im Sommer täglich auf dem Wasser

Insofern gehen lockeres Surferleben und erfolgreiche Zahnmedizin bei ihr perfekt zusammen, so unterschiedlich die Disziplinen auf den ersten Blick auch scheinen mögen. "Wakesurfen ist der Ausgleich zum täglichen positiven Stress, da kann man alles vergessen und einfach nur surfen. Eine Stunde auf dem Wasser ist wie Ferien." 

Die meisten Kollegen, sagt Ort, lebten in ihrer kleinen Welt ohne Ausgleich. "Das ist einfach zu schade!", findet sie. "Beruf ist toll, aber Freizeit, was auch immer es genau sein mag, ist eben auch wichtig."

Im Sommer nehmen die Trainings und Wettkämpfe jedoch viel Zeit ein. Da ist sie fast jeden Tag nach der Arbeit auf dem See und trainiert, bis zu vier Stunden. An den Wochenenden sind dann oft Wettkämpfe. Im Sommer arbeitet sie von halb acht bis halb drei durchgehend in der Praxis. Manchmal ist es dann schon dunkel, wenn sie vom See nach Hause kommt. Im Winter verbringt sie etwas mehr Zeit in der Praxis.

Zahnarztberuf aufgeben? Niemals!

Auch wenn sie gute Sponsoren hat, sich in der Nachwuchsförderung engagiert und für ihren Partner Airbaze bereits Wakesurf-Boards entwickelt hat - niemals würde sie den Zahnarztberuf ganz für den Sport aufgeben, sie denkt nicht mal drüber nach. Beides ist ihr gleich wichtig, sagt sie entschieden. Eine erfolgreiche Übung auf der Welle mache sie genauso glücklich wie eine gelungene Behandlung. 

Beruflich sieht sie die größte Herausforderung darin, immer auf dem besten und neuesten Stand zu sein. Ihre Praxis ist etabliert und wurde vor kurzem sogar ausgebaut. Das schuf Platz für zwei weitere Zahnärzte, die jetzt für sie arbeiten. 

In sportlicher Hinsicht reizt es sie am meisten, noch jede Menge neuer Tricks zu lernen. "Um bei den Contests noch neben den Youngsters auf dem Treppchen zu stehen." Ihre Patienten werden der sympathischen Zahnärztin dabei sicherlich kräftig die Daumen drücken - schließlich kann nicht jeder von sich behaupten, dass er von einer Weltmeisterin behandelt wird.

In "Abseits der Praxis" erzählen wir von Zahnärzten, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben – sei es direkt nach dem Studium oder erst nach Jahren als niedergelassener Zahnarzt.

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