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Als Zahnarzt richtig versichert

Berufshaftpflicht-, Praxisinventar- und am besten noch eine Betriebsunterbrechungspolice? Die Zahl an Versicherungen ist groß und Zahnärzte sind bei Vertretern beliebte Kunden. Was lohnt sich?

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Zunächst einmal: Der Grad der Absicherung ist immer auch eine Typfrage. Zahnärzte, die Wert auf die totale Absicherung legen, werden vermutlich umfangreichere Versicherungspakete abschließen als solche, die nach dem risikoreichen Motto "das wird schon schiefgehen" leben.

Zweitens: Welche Versicherung für einen Zahnarzt infrage kommt, hängt auch von seinem Beschäftigungsverhältnis ab - Praxisinhaber und Angestellter unterscheiden sich teilweise erheblich in ihren Anforderungen.

Unverzichtbar: die Haftpflicht

Die Berufshaftpflichtversicherung ist für jeden Zahnarzt - egal ob angestellt oder in eigener Praxis niedergelassen - ein Muss. Denn nach der Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer ist jeder Zahnarzt verpflichtet, sich hinreichend gegen Haftpflichtansprüche zu versichern.

Schadenersatzansprüche können sich zum Beispiel ergeben, wenn einem Patient durch eine Fehlbehandlung oder Fehldiagnose Schaden zugefügt wird. In diesem Fall spricht man von einem "Personenschaden". Um einen "Sachschaden" handelt es sich, wenn zum Beispiel die Kleidung des Patienten bei der Behandlung verschmutzt wird. Von einem "Vermögensschaden" spricht man, wenn etwa ein Patient in der Praxis eingeschlossen wird und einen wichtigen Termin verpasst.

Als angestellter Zahnarzt ist man in der Regel über den Arbeitgeber gegen solche Schadenersatzansprüche abgesichert. Allerdings sollte man genau prüfen, wie weit der Versicherungsschutz tatsächlich reicht. So ist der Angestellte zum Beispiel nur durch seinen Arbeitgeber abgesichert, wenn der Behandlungsvertrag auch zwischen dem Patienten und dem Praxisinhaber geschlossen wurde. Wurde ein Behandlungsvertrag mit dem angestellten Zahnarzt direkt geschlossen, muss er auch selbstständig haften.

Aus diesem Grund sollten angestellte Zahnärzte genau nachprüfen, ob und wie umfassend sie über die Berufshaftpflichtversicherung des Arbeitgebers versichert sind - und gegebenenfalls auf eigenen Namen eine eigene ergänzende Versicherung abschließen.

Eine zweite Versicherung für die eigene Person ist die private Haftpflichtversicherung, die Ansprüche Dritter im privaten Bereich abdeckt. Damit sind Kosten versichert, die man im Straßenverkehr, im Urlaub oder beim Sport verursacht. Nicht nur Zahnärzten - jedem Bürger legen Experten den Abschluss einer privaten Haftpflicht ans Herz.

Krankenversicherung: Gesetzlich oder privat?

Der Blick in die Statistik zeigt: Der angestellte Zahnarzt ist in der Regel eher gesetzlich versichert, der niedergelassene Zahnarzt eher privat. Allerdings kann sich natürlich auch der Angestellte privat versichern - ebenso wie es möglich ist, sich als Praxisinhaber Mitglied der GKV zu werden.

Was Zahnärzte jedoch bei ihren Überlegungen nicht vergessen sollten, ist die Sicherung ihres Einkommens für die Dauer der Krankheit über das sogenannte Krankentagegeld. Als Angestellter ist man im Krankheitsfall für die ersten sechs Wochen nach Krankheitsbeginn durch die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers weitgehend safe. Erst danach benötigt man eine Absicherung gegen das Verdienstausfallrisiko in Form des Krankentagegeldes. Niedergelassene sind dagegen bereits mit dem ersten Tag eines krankheitsbedingten Arbeitsausfalls auf eine Absicherung angewiesen.

Hier wird die GKV den Bedürfnissen der Niedergelassenen nicht unbedingt gerecht: So gewähren die gesetzlichen Krankenkassen das Krankengeld in der Regel erst ab dem 43. Krankheitstag - und dann auch maximal für 78 Wochen. Zudem ist die Leistungshöhe auf maximal 70 Prozent des täglichen Arbeitseinkommens begrenzt. Mit einer privaten Krankenkasse kann das Krankengeld im Rahmen der Tarifgestaltung dagegen frei vereinbart werden.

Oft unterschätzt: Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Zahnarzt langfristig bei Berufsunfähigkeit geschützt. Vor allem dem niedergelassenen Zahnarzt raten Experten dringend zum Abschluss einer Police. Denn anders als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung der Versorgungswerke, die nach dem "Alles-oder-Nichts-Prinzip" funktioniert, kann der Zahnarzt auch nach Inanspruchnahme einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung noch eingeschränkt arbeiten oder sogar nach einiger Zeit wieder in den Beruf einsteigen. Nimmt man die Berufsunfähigkeitsversicherung der Versorgungswerke jedoch einmal in Anspruch, darf man nicht mehr als Zahnarzt tätig sein.

Bei der Auswahl der Berufsunfähigkeitsversicherung gilt es jedoch qualitative Unterschiede zu beachten: Private Versicherungen treten bereits ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit ein, sofern der Zahnarzt voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, in seinem zuletzt ausgeübten Beruf zu arbeiten. Jedoch muss man auch hier auf Fallstricke achten, wie die „abstrakte Verweisung“. Sie besagt, dass zum Beispiel ein MKG-Chirurg, der aufgrund eines Unfalls seine Hand nicht mehr zum Operieren benutzen kann, nicht als berufsunfähig gilt, weil er immer noch als Gutachter für eine Krankenkasse tätig sein könnte. 

Weitere Versicherungen – für Niedergelassene durchaus sinnvoll

Ob man als Zahnarzt unbedingt weitere Versicherungen abschließen sollte, hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab. Führt man eine eigene Praxis, raten Experten zu einer Praxisinventarversicherung. Analog zu einer Hausratversicherung im privaten Bereich bietet sie bei Feuer, Einbruch und Vandalismus sowie Sturm- oder Wasserschäden in der Praxis entsprechenden Schutz.

Die Festlegung der „passenden“ Versicherungssumme gestaltet sich indes mitunter schwierig - eine Unterversicherung gilt es auf jeden Fall zu vermeiden!  Bei der Ermittlung der Versicherungssumme berücksichtigt man immer den Neuwert, also den Wert, den man aufwenden muss, um den Einrichtungsgegenstand im Schadensfall neu zu beschaffen. Bei der Ausgestaltung des Vertrags ist daher wichtig darauf zu achten, dass die Versicherungssumme das gesamte Inventar zum Neuwert widerspiegelt, die Leistungsausschlüsse genannt sind und Doppelversicherungen, etwa mit der Wohngebäudeversicherung des Hausbesitzers, vermieden werden.

In Kombination mit der Praxisiventarversicherung ist eine Betriebsunterbrechungsversicherung für Praxisinhaber durchaus sinnvoll. Sie greift, wenn die Praxis nach einem Schaden geschlossen werden muss. Entschädigung wird dann geleistet für den entgangenen Betriebsgewinn, der infolge des Versicherungsfalls während der Unterbrechung nicht erwirtschaftet werden kann sowie für fortlaufende Kosten bis zur Wiederherstellung des normalen Praxisbetriebs. Die Haftzeit beträgt in der Regel maximal zwölf Monate - Zeit, die in aller Regel zur Wiederherstellung eines ordnungsgemäßen Praxisbetriebs ausreicht. Um zu ermitteln, welche Gewinne dem Praxisinhaber entgehen und welche Kosten weiterlaufen, werden Gewinn und Praxiskosten für einen bestimmten zurückliegenden Zeitraum betrachtet. Dieser Zeitraum beträgt in der Regel ebenfalls zwölf Monate.

Zudem kann eine Elektronikversicherung für Praxen mit hohem medizintechnischem Standard durchaus sinnvoll sein. Sie sichert neben den „Standardgefahren“ durch Feuer, Wasser, Sturm und Einbruchdiebstahl nämlich auch Schäden ab, die durch Fahrlässigkeit, unsachgemäße Handhabung, Bedienungsfehler oder einen Kurzschluss verursacht werden.

In der Regel wird die Elektronikversicherung im Rahmen einer Pauschalversicherung angeboten, so dass die gesamte technische Ausstattung der Praxis - von der Telefonanlage über die EDV, die Behandlungsstühle bis hin zum Röntgengerät - versichert wird.

Als Letztes raten Experten zum Abschluss einer Praxisrechtsschutzversicherung. Für niedergelassene Zahnärzte haben Versicherer sogar spezielle Leistungsangebote entwickelt. Dazu zählen Rechtsstreitigkeiten über nicht eingehaltene Lieferverträge, arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit Angestellten, Honorarkürzungen durch die Kassenzahnärztliche Vereinigung oder Zahlungsprobleme mit Privatpatienten.

Fachleute raten dazu, dass Praxisgründer bereits vor der Niederlassung den Versicherungsschutz haben - denn erfahrungsgemäß kann es gerade im Rahmen der Existenzgründung vermehrt zu Schwierigkeiten kommen.

Die Expertentipps stammen von der Verbraucherzentrale NRW. Die Berater bieten dort regelmäßige Gespräche an, um zu erläutern, welche Versicherungen tatsächlich unverzichtbar sind und welche Verträge man sich sparen kann.

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