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Bruxismus: Ein Update

Was ist Bruxismus und wie kann der Zahnarzt betroffene Patienten behandeln? Auf einer Tagung beantworteten internationale Experten Fragen nach Ursachen, Folgen und Therapien.

Imhoff

DGFT

In den vergangenen Jahren haben sich viele - auch internationale - Tagungen mit dem Phänomen des Bruxismus beschäftigt. Auf der letzten Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) in Bad Homburg analysierte man insbesondere, inwieweit Definitionen, mögliche Ursachen sowie die aktuell empfehlenswerten Therapiemaßnahmen über Landesgrenzen hinweg übereinstimmen beziehungsweise differieren. Nationale und internationale Referenten trugen ihre Ergebnisse zusammen.

Die Definition

Bruxismus ist demnach eine sich wiederholende Kaumuskelaktivität, die durch Knirschen oder Pressen auf den Zähnen und/oder durch Verspannen beziehungsweise Pressen der Kiefer aufeinander gekennzeichnet ist. Bruxismus hat zwei verschiedene zirkadiane Manifestationen und kann während des Schlafs (Schlafbruxismus) oder im Wachzustand (Wachbruxismus) auftreten 

Doch auch wenn die Forschung bisher dem Aspekt des Bruxismus im Schlaf die überwiegende Aufmerksamkeit geschenkt hat, sei die Bedeutung parafunktioneller Muskelaktivität im Wachzustand nicht zu unterschätzen, aber auch schwieriger in Forschungsprojekten zu erfassen, sagte Prof. Dr. Frank Lobbezoo aus Amsterdam. Entgegen der unter Zahnärzten weit verbreiteten Meinung konnten okklusale Faktoren aber bisher als Ursache nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, verdeutlichten er und Prof. Dr. Sandro Palla, Zürich.

Die Ursachen

Als ätiologische Ursachen werden verschiedene Risikoindikatoren diskutiert,  die in Verbindung mit auslösenden Faktoren zur parafunktionellen Aktivierung der Kaumuskulatur führen:

  • biologisch (genetische und/oder hormonelle Faktoren, wie auch die Schlafqualität)
  • psychisch (Angst, Depression, Stress)
  • exogen (Medikamente, Alkohol und/oder Drogen)

Die Studienlage zur Prävalenz und Inzidenz des Bruxismus ist heterogen, in Bezug auf die Gesamtbevölkerung konnten Werte um acht Prozent  nachgewiesen werden, wobei die Prävalenz im Alter jenseits des 65. Lebensjahres auf Werte unter drei Prozent sinkt. Bei Patienten mit craniomandibulärer Dysfunktion stellten die Referenten Werte von 40 Prozent  bis 90 Prozent  vor. Die Heterogenität der Daten lässt sich den Forschern zufolge mit unterschiedlichen Einschlusskriterien und uneinheitlichen Definitionen beziehungsweise Erfassungsparametern erklären.

Unter Studienbedingungen stellt die Polisomnografie den Goldstandard zur Verifizierung des Nachtbruxismus dar, im klinischen Alltag stehen standardisierte Fragebögen sowie die Inspektion der Zähne und eine Palpation der Muskulatur im Vordergrund. Darüber hinaus verwies Prof. Dr. Markus Greven aus Bonn auf individuell angepasste Bruxchecker-Folien als klinisch einsetzbare Indikatoren für Bruxismusaktivität.

Die Folgen

Natürlich interessiert besonders die Frage, ob Bruxismus an der Entstehung funktioneller Probleme und/oder Schmerzen im Craniomandibulären System ursächlich beteiligt ist. Prof. Dr. Palla diskutierte dabei, ob Bruxismus und Muskelschmerz in kausalem Zusammenhang stehen. Hierzu erläuterte er die Cinderella Hypothese, nach der die Repetition und die Dauer von Muskelanspannungen eher für eine Schmerzentstehung relevant sind als kurzzeitige hohe Kräfte.

„Da die Bruxismusaktivitäten in der Nacht aber auf wenige Sekunden bis Minuten pro Stunde beschränkt sind, tragen sie wahrscheinlich nur in Einzelfällen mit besonderen Konstellationen der Risikofaktoren zu einem Muskelschmerz bei“, lautete die Aussage der Hauptreferenten. Demgegenüber dauern parafunktionelle Aktivitäten im Wachzustand eher minutenlang an, wodurch ihr schädigender Effekt höher einzustufen ist.

Die Therapien

Die Therapie beruht auf drei Säulen: Beratung, Schienentherapie und in wenigen medizinisch begründeten Fällen Medikamente. Unter Beratung und Aufklärung versteht man die Steigerung der Achtsamkeit des Patienten gegenüber sich selbst und seinem parafunktionellen Verhalten im Alltag. Hinweise zur Schlafhygiene, Anleitung zur Muskelentspannung sowie eine Analyse der Arbeitshaltung sollten die zahnärztlichen Massnahmen unterstützen.

Ein psychologisches Screening sowie die aufmerksame Beobachtung des Patienten im Diagnosegespräch liefern demnach Hinweise auf maladaptive Stressverarbeitungsstrategien, Depression und Angst. Je nach Intensitätsgrad sollten diesen Patienten eine fachärztliche Abklärung beim Psychologen empfohlen werden.

Zur Evaluation der Gesamtsituation habe sich ebenfalls der Einsatz standardisierter Fragebögen als Untersuchungsinstrumente auch in der Zahnmedizin bewährt. Auf der Basis der derzeit verfügbaren kontrollierten Studien kann den Fachleuten zufolge keine Empfehlung für okklusale Interventionen zur Therapie des Bruxismus ausgesprochen werden, auch wenn hierzu eine Vielzahl von Einzelfallbeschreibungen und Fallserien beschrieben sei.

Einen Ausblick auf pharmakologische Möglichkeiten zur Reduktion von Überfunktionen der Muskulatur stellte der Berliner Professor Bodo Hoffmann nach seinen Untersuchungen in Bezug auf Botulinumtoxin Typ A als adjuvante Therapie bei Bruxismus vor. Derzeit lägen keine gesicherten Studien vor, die ersten Ergebnisse seien aber vielversprechend.

Die prothetische Versorgung von Bruxismus-Patienten stellt besonders hohe Anforderungen an den Zahnarzt. Laut Prof. Dr. Marc Schmitter aus Heidelberg gibt es Hinweise darauf, dass moderne Hochleistungskeramiken, wie  zum Beispiel monolithisches Lithiumdisilikat, hier Vorteile zu haben scheinen.

Für die Wiener Arbeitsgruppe wiesen Prof. Dr. Gsellmann und Prof. Dr. Knaus darauf hin, dass im Rahmen der prothetischen Rekonstruktion bei  Bruxismus Patienten in besonderem Maße auf die Vermeidung von dynamischen Kontakten im Seitenzahnbereich geachtet werden soll.

Mehr unter www.dgfdt/Stellungnahmen

Literatur:

  • Lobbezoo F, Ahlberg J, Glaros AG, Kato T, Koyano K, Lavigne GJ, et al., Bruxism defined and graded: an international consensus. J Oral Rehabil. 2013;40:2-4.
  • Lavigne GJ, Khoury S, Abe S, Yamaguchi T, Raphael K,. Bruxism physiology and pathology: an overview for clinicians. J Oral Rehabil. 2008;35: 476-494.
  • Ohayon MM1, Li KK, Guilleminault C,. Risk factors for sleep bruxism in the general population Chest. 2001 Jan;119(1):53-61.
  • Imhoff B., Bruxismus - Ursachen und Therapie. CMF 2014 (2) (im Druck).
  • Hägg GM. Human muscle fibre abnormalities related to occupational load. Eur J Appl Physiol. 2000 Oct;83(2-3):159-65.
  • Manfredini D, Lobbezoo F., Relationship between bruxism and temporomandibular disorders: a systematic review of literature from 1998 to 2008. Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol Endod. 2010 Jun;109(6).
  • Bernhardt O, Imhoff B, Lange M, Ottl P., Bruxismus - Ursachen und Therapie. Wissenschaftliche Stellungnahme der DGFDT (2013). www.dgfdt/Stellungnahmen.

 












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