Sportzahnmedizin bei Hannover 96

Fußballern in den Mund geschaut

Zahnmedizinisch ist das Nachwuchsleistungszentrum von Fußball-Erstligist Hannover 96 gut aufgestellt: Neben der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Prävention und Rehabilitation im Spitzensport kümmert sich der pensionierte Zahnarzt Dr. Klaus-Henning Schwetje als zahnmedizinischer Koordinator um die Mundhygiene der Fußballer.

Dr. Klaus-Henning Schwetje, zahnmedizinischer Koordinator von Hannover 96, beim DGzPRsport-Sportlerscreening in der sportzahnmedizinischen Abteilung des Bundesligisten Sami Hofstra

„Sportzahnmedizin führt im deutschen Spitzensport häufig noch ein Nischendasein“, sagt Dr. Holger Claas, Präsident der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Prävention und Rehabilitation im Spitzensport e.V. (DGzPR Sport). Claas ist bei Hannover 96 als Repräsentant der DGzPRsport in die sportzahnmedizinische Arbeit involviert und treibt zusammen mit anderen Akteuren das Thema voran. „Hierzu wurde eigens von 14 Hochschullehrern aus Deutschland und der Schweiz in Zusammenarbeit mit Verbänden und Vereinen des Spitzensports das Konzept des Zahnmedizinischen Koordinators entwickelt“, erläutert Claas.

Ein weltweit einzigartiges Konzept

Bei diesem weltweit einzigartigen Konzept regelt und organisiert der Zahnmedizinische Koordinator alle zahnärztlichen Maßnahmen innerhalb seines Aufgabenbereichs im Verein. Der Koordinator organisiert das sportzahnärztliche Screening (siehe Kasten) als eine Säule des Konzepts sowie die sportzahnärztliche Befundung als die zweite Säule. Zudem kanalisiert er im Bedarfsfall an die weiterbehandelnden Zahnärzte und an medizinische Spezialisten. Auch ist er zuständig für den Bereich Aus- und Fortbildung in seinem Aufgabenbereich. Als Voraussetzung für diese Position muss der zahnmedizinische Koordinator durch die DGzPRsport – als anerkannte Fachgesellschaft der International Association of Sports Dentistry (IASD) – zertifiziert werden. 

Das sportzahnärztliche Screening

Beim sportzahnärztlichen Screening geht es um das schnelle und sichere Erfassen von Krankheitswahrscheinlichkeiten, sagt Dr. Holger Claas, Präsident der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Prävention und Rehabilitation im Spitzensport e.V. (DGzPR Sport). Neben einer speziellen Anamnese, die beispielsweise auch die Ernährungsgewohnheiten erfasst, wird dabei ein gingivaler/parodontaler Entzündungstest durchgeführt. Daran schließt sich ein CMD-Screening (CMD-Check nach Ahlers & Jakstat) an.

Claas: „Die Screeningdaten werden in einer App erfasst und im Ampelprinzip bewertet. Rot bedeutet eine hohe Wahrscheinlichkeit des Vorliegens der getesteten Erkrankung.“ In der Regel werden die Sportler bei entsprechender Anamnese und Krankheitswahrscheinlichkeit dann in die sportzahnärztliche Befundung, also die zweite Säule des Konzepts der DGzPRsport, überführt. 

Das Screening soll gemäß Konzept halbjährlich, die sportzahnärztliche Befundung mindestens jährlich von einem Zahnarzt durchgeführt werden. Der zahnmedizinische Koordinator und das medizinische Team stehen dabei in engem Kontakt und Austausch.

Claas: „Hannover 96 war der erste Verein, der diesem fortschrittlichen Konzept folgt. Mittlerweile werden auch Borussia Dortmund, RB Leipzig und der SC Freiburg über einen geprüften Koordinator der DGzPRsport betreut. Weitere Vereine wollen folgen und das nicht nur im Fußball. Zurzeit gibt es international nur 12 zahnmedizinische Koordinatoren im Spitzensport.“

 

Nur zu Besuch, nicht zum Screening: Altbundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Behandlungsstuhl | localpic

Während in der Regel das Screening in der Sportstätte, der Befund aber in einer Zahnarztpraxis durchgeführt wird, können die Verantwortlichen und die Nachwuchskicker in Hannover auf eine weitere Besonderheit zurückgreifen: Screening und Befundung können an einem Ort – in der Sportstätte – geschehen. Möglich wurde dies durch die Unterstützung von Pluradent. Das Dentalunternehmen überließ Hannover 96 die Behandlungseinheit und die Einrichtungsmöbel für den zahnmedizinischen Behandlungsraum. Dort werden die Fußballer nun in speziellen, mit dem Trainingsplan abgestimmten Sprechstunden behandelt.

Der zahnmedizinische Koordinator

Dr. Klaus-Henning Schwetje ist der zahnärztliche Koordinator in Hannover. Seit dem Sommer betreut er den Nachwuchs des Fußballvereins zahnmedizinisch. 40 Jahre führte Schwetje seine Praxis in Sehnde bei Hannover, dann gab er sie an seinen Sohn ab. Weil er noch nicht ganz aufhören wollte mit der Zahnmedizin, engagiert er sich nun im Bereich der Sportzahnmedizin. Er möchte seinen Anteil dazu beitragen, die Rolle der Zahnmedizin bei Hannover 96 zu festigen. „Erwiesen ist doch, dass Entzündungen oder Bakterien der Mundhöhle den gesamten Körper schädigen können“, unterstreicht er die Wichtigkeit der Sportzahnmedizin. Das Screening betreffe heranwachsende Jugendliche von 11 Jahren bis zu 23-jährigen Männern, so Schwetje. Bei den Kleineren achte er mehr auf Milchzahnretentionen oder Kariesbefall der Zähne. Bei den Älteren stünden mehr der allgemeine Zahnzustand und der Entzündungstest im Vordergrund. Das Ergebnis sei im Allgemeinen recht erfreulich, so Schwetje: „Es ist überraschend, wie wenig Spieler derartige Entzündungsherde aufweisen.“

Auch der Altbundeskanzler saß schon auf dem Stuhl

Erst kürzlich besuchte Altbundeskanzler Gerhard Schröder – Mitglied im Aufsichtsrat des Vereins – die Nachwuchsakademie. Schröder ist selbst Fußballfan, spielte in seiner Jugend als Mittelstürmer beim TUS Talle. Bei einem Rundgang im Nachwuchszentrum seines Vereins nahm „Acker“, so Schröders Spitzname aus dieser Zeit, gleich auf dem neuen Behandlungsstuhl im zahnmedizinischen Untersuchungsbereich Platz. Zur Probe, nicht zur Durchsicht.

 

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