Anstellung

Versorgung einer Hundebissverletzung

Schnabel et al.

Abbildung 1: Klinisches Bild der Weichteilverletzungen im Bereich der rechten Wange, des rechten Mundwinkels und der Unterlippe Schnabel et al.
Abbildung 2: Klinisches Bild der Weichteilverletzungen im Bereich der rechten Wange, des rechten Mundwinkels und der Unterlippe Schnabel et al.
Abbildung 3: Klinisches Bild nach vollständiger Abheilung der Weichteilverletzungen in der Seitenansicht. Schnabel et al.
Klinisches Bild nach vollständiger Abteilung der Weichteilverletzungen frontal. Schnabel et al.

Fazit

Die Versorgung einer Hundebissverletzung ab Stadium II nach Lackmann sollte aufgrund der  Komplexität der Gesichtsstrukturen und der hohen Wahrscheinlichkeit von funktionellen und/oder ästhetischen Spätfolgen frühzeitig an eine Fachabteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beziehungsweise eine spezialisierte Abteilung für Plastische Chirurgie überwiesen werden [Meiß et al. 2010].

Aus der lokalen Krafteinwirkung bei Hundebissen von 50 bis 100 kg/cm2 resultiert eine lokale Gewebequetschung, die zu ausgedehnten Hautnekrosen führt [Gawenda, 1996]. Diese enormen Kräfte können weitreichende Verletzungen, wie in diesem beschriebenen Fall, verursachen.

Pasteurella multocida, Staphylococcus aureus, Staphylococcus intermedius, Streptokokken, Capnocytophaga canimorsus und Mischinfektionen mit Anaerobiern (Bacteroides, Clostridien und andere) sind die häufigsten Erreger, die bei Tierbissen vorliegen. Eine hochdosierte Antibiose zur Infektionsprophylaxe ist daher dringend erforderlich. Ebenfalls sollte das Wundgebiet zur Reduktion der  Keimzahl mit steriler Kochsalzlösung ausgiebig gespült werden [Kuntz et al., 1996].  

Die Abtragung von nekrotischem Gewebe und die Entfernung von Fremdkörpern sollte sehr sorgfältig unter dem Aspekt des Wundverschlusses, der kosmetischen Wirkung und der Infektionsgefahr erfolgen, um eine Heilung mit möglichst geringen Defekten zu erzielen [Kuntz et al., 1996]. Die Wundversorgung nach einer Bissverletzung sollte zeitnah erfolgen [Kuntz et al., 1996].

Des Weiteren muss der Tetanusimpfschutz des Patienten und der Tollwutimpfschutz des verursachenden Hundes überprüft werden. Sollte kein ausreichender Tetanusschutz des Patienten bestehen, muss dieser dringend erfolgen. Ist kein oder ein unklarer Tollwutimpfschutz des Hundes vorhanden, muss mit einem Kinderarzt beziehungsweise Arzt für Innere Medizin Rücksprache gehalten werden, ob eine Impfung des Patienten indiziert ist.

Silikonfolien haben sich zur Prävention von Narben bewährt. Deckt man eine Narbe mit einer Silikonfolie ab, entsteht darunter eine feuchte Kammer, die für Gas, aber nicht für Wasser, durchlässig ist. Durch die erhöhte Feuchtigkeit bildet sich um die verletze Stelle weniger Kollagen (Narbengewebe) und das Risiko zur Bildung hypertropher Narben oder sogar von Keloiden sinkt. Silikonfolien bieten demzufolge eine gute Alternativtherapie zur Behandlung von Körperregionen, wie etwa. das Gesicht, in denen ein Druckverband anatomisch schwierig anzulegen oder zum Halten zu bringen ist [Patscheider, 2011].

Als Leitfaden zum genauen therapeutischen Vorgehen dient die Stadieneinteilung der Hundebissverletzungen nach Lackmann (Tabelle 2).

Tabelle 2:  Therapie der Hundebissverletzung nach Stadieneinteilung [Lackmann et al., 1990; Meiß et al. 2010]
Stadium         Therapie
I                       Säuberung, Desinfektion
II                      chirurgische Wundversorgung, Drainage, Antibiotikatherapie
III                     plastisch-ästhetische Gesichtschirurgische Rekonstruktion, Antibiotikatherapie
IVa                  mikrochirurgische Rekonstruktion, Antibiotikatherapie
IVb                  gegebenenfalls Replantation, Verschiebelappen, Hauttransplantation, Antibiotikatherapie

Susanne Schnabel, Dr. Simone Bojer, Dr. Dr. Herbert Rodemer, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Saarbrücken gGmbh, Winterberg 1, 66119 Saarbrücken, sbojer@klinikum-saarbruecken.de

1.Kuntz P., Pieringer-Müller E, Hof H: Infektionsgefährdung durch Bissverletzungen. Dt  Ärztebl; 93: A-969–972 [Heft 15], 1996
2. Gawenda M.: Therapeutische Sofortmaßnahmen und Behandlungsstrategien bei Bissverletzungen. Dt Ärztebl; 93: A-2776–2780 [Heft 43], 1996.
3. Lackmann GM, Isselstein G, Töllner U, Draf W: Gesichtsverletzungen durch Hundebisse im Kindesalter. Monatsschrift der Kinderheilkunde 138: 742–748, 1990
4.  Meiß A, Lütkemeyer-Meiß IM: „Der will nur spielen...!“ Hundebissverletzungen des Gesichtes. Face: 20-25, 2010
5. Patscheider R: Prävention und Behandlung von Narben (Teil 1). Medicos 4: 25-28, 2011

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