Längsschnittstudie aus Österreich

Vier Charakterstärken sorgen für Zufriedenheit im Arztberuf

Forscher aus Innsbruck haben Medizinstudenten und Jungärzte über einen langen Zeitraum begleitet. Sie wollten wissen: Welche Voraussetzungen müssen für ein erfülltes Arztleben gegeben sein?

Autonomie, Wertschätzung und eine offene Kommunikationskultur sind jungen Ärzten in ihrem Arbeitsumfeld wichtig. Kurhan

Wie können Medizinstudenten ihre Motivation durch das Studium aufrechterhalten und wie lässt sich für die heranwachsende Ärztegeneration ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem sie trotz aller Anforderungen gesund bleibt und sich wohlfühlt?

Hoher Arbeitsdruck, enorme Verantwortung und viel Bürokratie gefährden die Gesundheit von Ärzten. Untersuchungen belegen, dass Mediziner häufiger von Burn-out und Depressionen betroffen sind als andere Berufsgruppen. Und dennoch ist der Berufswunsch Arzt ungebrochen attraktiv: Mehr als 12.000 Frauen und Männer haben sich im Sommersemester allein in Österreich für 1.680 Studienplätze in Medizin beworben.

Ein Team um Stefan Höfer von der Medizinischen Universität Innsbruck hat diese Fragen erstmals in einer Längsschnittstudie mehr als 400 Medizinstudenten über vier Jahre sowie 275 Jungärzte über eineinhalb Jahre begleitet.

Diese vier Charakterstärken sorgen für Zufriedenheit im Arztberuf

In Interviews, Befragungen und Beobachtungen im Spital haben die Forscher abgefragt, welche individuellen und organisatorischen Voraussetzungen für ein erfülltes Arztleben gegeben sein müssen. Vier Charakterstärken wurden von ihnen identifiziert, die laut Selbsteinschätzung der Befragten positive Effekte auf ihr Berufsleben haben: 1. Freundlichkeit, 2. Authentizität, 3. Urteilsvermögen und 4. Beziehungsfähigkeit.

Ob man seine Stärken anwenden kann, hängt auch vom Umfeld ab

"Entgegen der Annahme, dass vorhandene Charakterstärken konstant angewendet werden, hat sich bei den Medizinstudenten, die wir über Jahre begleitet haben, gezeigt, dass es zu großen Schwankungen kommt", berichtet Höfer erste Ergebnisse des Projekts, dessen Endbericht Ende 2018 vorliegen wird.

Das bedeutet, die Studierenden durchleben unterschiedliche Phasen im Studium, die es erfordern, in unterschiedlichem Ausmaß ihre persönlichen Stärken einzubringen. "Während die Stärken konstant bleiben, ist deren Anwendung also situationsbedingt", erklärt Höfer. Ob und wie vorhandene Stärken eingesetzt werden können, hängt jedoch stark vom persönlichen und institutionellen Umfeld ab.

Wer sich wohlfühlt, kann seine Stärken am besten abrufen

"Die gängige Meinung, dass das Wohlbefinden gesteigert wird, wenn bestimmte Stärken hoch ausgeprägt sind, scheint so nicht zu stimmen. Wir haben festgestellt, dass Stärken erst dann angewendet werden können, wenn es den Personen gut geht und sie sich wohlfühlen", erklärt der Projektleiter.

Über den gesamten Beobachtungszeitraum von vier Jahren waren die Studierenden in einer stabil guten Verfassung. "Das ist überraschend, da es in der Literatur Hinweise darauf gibt, dass bis zu 30 Prozent der Studierenden depressive Symptome entwickeln", berichtet Höfer.

Darum sind Wertschätzung, Kommunikation und Fehlerkultur so wichtig

Wer sich in einer bestimmten Umgebung wohlfühlt und gute Beziehungen aufbauen kann, der kann sich und seine Stärken entfalten. Im Fokus der Organisation sollten daher Aspekte wie Wertschätzung von Vorgesetzten und Kollegen, transparente Kommunikation, Fehlerkultur und Entwicklungsmöglichkeiten stehen.

Eben diese Faktoren wurden in dem Forschungsprojekt von den Befragten als wünschenswert genannt. "Wenn ein gutes sozio-moralisches Klima im Arbeitsumfeld herrscht, bildet sich das auch in der Kommunikation ab und wirkt sich positiv auf Leistung und Zufriedenheit aus", sagt Höfer. Auch flexible, ihren Bedürfnissen entgegenkommende Arbeitszeiten, werden von den heranwachsenden Ärzten als wichtig eingestuft.

Das Arbeitsklima darf nicht von einer einzelnen Person abhängen!

"Das kann gerade in einem Krankenhaus eine Herausforderung sein, aber es ist wichtig den Fördergedanken und das Wohlwollen des Personals institutionell zu verankern", betont Höfer. Es dürfe nicht von einzelnen Personen abhängen, wie sich Arbeitsklima und Wohlbefinden gestalten.

Die empirischen Befunde der vorliegenden Studie sollen eine wichtige Grundlage für die Entwicklung von praxistauglichen Instrumenten sowohl zur Studien- und Berufsberatung liefern als auch zu einem gesundheitsförderlichen Arbeitsklima im Krankenhaus beitragen. Auf persönlicher Ebene geht es  darum, für den Beruf wichtige Charakterstärken zu aktivieren.

Stefan Höfer ist Gesundheitspsychologe. Er lehrt und forscht am Department für Medizinische Psychologie der Medizinischen Universität Innsbruck.

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