Anstellung

Wenn der Ring den Zahn zerstört

Piercings im Mund nehmen zu. Anhand von klinischen Fällen stellt die Autorin hier iatrogene Schäden durch Piercings der orofazialen Region dar und beschreibt die Problematik.

Jonathan Smith - Fotolia.com

Abbildung 1a illustriert den durch ein Zungenpiercing iatrogen ausgelösten parodontalen Schaden der Unterkieferfront. Britta Hansmeier
Abbildung 1b zeigt Hartgewebsverlust an den Inzisiven, entstanden durch habituelle Einlagerung des Piercings zwischen die Zahnreihen. Britta Hansmeier
Auf Abbildung 1c sieht man den Stützgewebsverlust an 12 und 13, ausgelöst durch ein Labretpiercing. Britta Hansmeier
Das Ausmaß des parodontalen Stützgewebeverlustes und der Folge des extremen Niveauunterschieds zur kontralateralen Seite wird in Abbildung 1d deutlich. Britta Hansmeier
In Abbildung 2 sieht man die Verletzung, die bei dem Versuch, das Piercing zu entfernen, am Zungengrund entstand. Britta Hansmeier
Das Fotos zeigt eine Patientin mit zwei Labretpiercings und einem Lippenbändchenpiercing. Britta Hansmeier
Die Abbildung 3b zeigt das zunächst unauffällige, beschwerdefreie Lippenbändchenpiercing. Britta Hansmeier
Auf der Abbildung 3c ist nach Anheben des Ringes die eindeutige Impression zu erkennen, die durch Einlagerung in das Gewebe entstanden ist. Britta Hansmeier

Unter Piercing versteht man das dauerhafte Durchbohren von Gewebe, das traditionell in vielen Kulturen aus religiösen oder ästhetischen Gründen praktiziert wurde [Garve, 2008; Peters, 2000]. In der westlichen Welt galt es zunächst als Provokation und Abgrenzung, aber auch als Symbol einer Gruppenzugehörigkeit, bis es sich als Ausdrucksform von Ästhetik und Körperkunst weiterentwickelt hat [Chimenos-Küstner et. al., 2003; Theisen 2009].

Piercings werden in Deutschland meist in der orofazialen Region und in der seitlichen wie auch medianen Ober- und Unterlippe sowie an Zunge, Wange, Lippen- und Zungenbändchen angebracht [Gutsche et. al., 2008; Inchingolo et. al., 2011].

Stäbe, Ringe oder Barbells

Die am häufigsten verwendeten Piercingformen sind Stäbe, Ringe oder hantelförmige Barbells. Bei den Materialien handelt es sich hauptsächlich um Kunststoffe wie zum Beispiel PTFE und Metalle, meistens Edelstahl, Gold, Niob, Titan oder andere Legierungen [Kapferer, 2010; Meltzer, 2005].

Mit Zunahme der Piercingträger steigt auch die Anzahl verschiedenster, durch Piercings verursachter Traumata [Glendor, 2009]. Sie umfassen direkte Komplikationen wie Nervläsionen, Blutungen, Schmerzen und Schwellungen bis zu Langzeitfolgen wie Allergien, lokalen und systemischen Infektionen, Geschmacksveränderungen, Verletzungen der umliegenden Weich- und Hartgewebe, Narbenbildung und Schäden an Parodont und Zahnhartgewebe [Chimenos-Küstner et. al., 2003; Inchingolo et. al., 2011].

Infektionen, sowohl bakteriell als auch viral, können unmittelbar nach dem Stechen eines Piercings aufgrund unzureichender hygienischer Bedingungen entstehen, aber auch nach dem Abheilen durch Besiedelung der Piercingoberfläche und dessen mangelnde Reinigung [Peters, 2000; Yu et. al., 2010].

Abrasionen, Schmelz- und Zahnfrakturen

Aus zahnärztlicher Sicht stehen Zahnhartsubstanzdefekte und parodontale Läsionen im Fokus. Durch den stetigen Kontakt des Piercings mit den Zähnen, aber auch durch habituelle Verhaltensweisen, wie zum Beispiel  die Einlagerung eines Zungenpiercings zwischen die obere und die untere Dentition, entstehen Abrasionen, Schmelz- und Zahnfrakturen [Glendor, 2009; Pires et. al., 2010; Vilchez-Perez et. al., 2009; Ziebolz et. al., 2012].

Negative Folgen auf das Parodont zeigen sich hauptsächlich in Gingivitiden und Rezessionen. Ursächlich hierfür sind zumeist Lippenpiercings, die Defekte an den Vestibularflächen der Inzisiven bis zu den Prämolaren verursachen und  Zungenpiercings, die häufig an den Lingualflächen der unteren Inzisiven Spuren hinterlassen [Glendor, 2009; Pires et. al., 2010]. Die entstandenen Schäden können auf das umliegende Weichgewebe beschränkt bleiben, sich aber auch bis hin zu irreversiblen Knochendefekten ausweiten [Reichert et. al., 2008].

Patientenbeispiel 1

Die 23-jährige Patientin stellt sich mit progressiven Zahnfleischbeschwerden in der Unterkieferfront vor. Bei der Untersuchung konnte man das Zungenpiercing als Ursache für den parodontalen Schaden ausmachen. Außerdem wurde ein Zahnhartsubstanzschaden an sowohl den oberen als auch an den unteren Inzisiven festgestellt. Durch habituelles Vorschieben und Einlagerung des Piercings in die Zahnreihe kam es besonders an den Zähnen 21 und 41 zu Abrasionen des Zahnschmelzes beider Inzisalkanten (Abbildung 1b).

Bei der Kontrolle des extraoral sichtbaren lateralen Oberlippenpiercings fielen intraoral Rezessionen in regio 13 und 12 auf (Abbildung 1c). Der Niveauunterschied des Gingivaverlaufs zur kontralateralen Seite ist unverkennbar (Abbildung 1d).

Patientenbeispiel 2

In diesem Fallbeispiel wollte sich ein Patient vor der Anfertigung eines Orthopantomogramms das Zungenpiercing entfernen, wobei es zum Einriss des Zungengrundes kam (Abbildung 2).

Patientenbeispiel 3

Es stellte sich eine 21-jährige Patientin zur Routinekontrolle vor. Dabei fielen mehrere von der Patientin als symptomlos beschriebene Piercings in der orofazialen Region ins Auge (Abbildung 3a). Ein Lippenbändchenpiercing und zwei nebeneinander liegende laterale Labret-Piercings. Bei Anheben des ersteren Piercings erkennt man deutlich die Einlagerung des Ringes in die Gingiva mit Fibrosierung des umliegenden Gewebes (Abbildungen 3b, 3c).

11450231142196114219711421981145024 1145025 1142201
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen