Anstellung

Wer trägt die Verantwortung bei der Aufbereitung?

In zahnmedizinischen Praxen gelten strenge Hygienerichtlinien. Die Aufbereitung der kontaminierten Instrumente ist seit vielen Jahren in den verschiedenen gesetzlichen, ständig aktualisierten Vorgaben geregelt. Ein Überblick mit Beispielen aus dem Praxisalltag.

iStock – frithyboy

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung Deutschlands und ist dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) direkt unterstellt. Die Aufgaben des Robert Koch-Instituts sind in § 4 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) festgelegt. Ein wichtiger grundsätzlicher Aspekt in der Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ ist die Aussage, dass diese Empfehlung „unabhängig vom Ort der Durchführung der Aufbereitung“ gültig ist.

Was bedeutet das für den niedergelassenen Bereich?

Die Rechtsprechung hat in den vergangenen Jahren eindeutige Urteile gefällt. Vorrangig ging es um die Bewertung des Unterschieds von manueller Reinigung und chemischer Desinfektion versus maschinelle Reinigung und thermische Desinfektion. Für die üb‧lichen Instrumente einer Zahnarztpraxis wie Zahnzange, Knochenzange nach Lüer und chirurgisch eingesetzte Hand- und Winkelstücke, ist in diesen Urteilen die maschinelle Reinigung in einem Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) bindend. Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben, die selbstverständlich eingehalten werden müssen, sollte jeder Praxisbetreiber und Anwender der Instrumente die adäquate Aufbereitung favorisieren. Sachkundige Mitarbeiterinnen und effiziente Prozesse sparen Zeit und Geld. Hier einige Beispiele:

  • Fabrikneue Instrumente werden sterilisiert, die Reinigung und Desinfektion wird ausgelassen. -> Zur Bildung der Passivschicht müssen fabrikneue Instrumente ein- bis dreimal dem gesamten Aufbereitungsprozess zugeführt werden. Fette und Öle von der Herstellung der Instrumente dürfen durch den Sterilisationsprozess nicht festgebrannt werden, sondern müssen vorher grüUnter den Markierungsringen ist weder eine ausreichende Reinigung noch eine Trocknung möglich. Die Instrumente korrodieren und der Rost ist auf andere Instrumente übertragbar. Dies ist aus hygienischer Sicht untragbar, aus wirtschaftlicher Sicht kann großer Schaden durch unbrauchbare Instrumente entstehen.ndlich abgewaschen werden.
  • Farbige Markierungsringe und -bänder an den Instrumenten -> Unter den Markierungsringen ist weder eine ausreichende Reinigung noch eine Trocknung möglich. Die Instrumente korrodieren und der Rost ist auf andere Instrumente übertragbar. Dies ist aus hygienischer Sicht untragbar, aus wirtschaftlicher Sicht kann großer Schaden durch unbrauchbare Instrumente entstehen.
  • Es exisitieren keine Angaben zur Aufbereitung des Instrumentenhersteller, wie in der Norm 17664 gefordert -> Die Mitarbeiter wissen nicht, dass ein Instrument zerlegt werden muss, oder geben sich mit der manuellen Aufbereitungsanleitung eines chirurgischen Instruments zufrieden.
  • Defekte Instrumente oder Leihkits werden direkt nach Gebrauch verschickt -> Die Reparaturstellen oder Implantathersteller bekommen verunreinigtes Instrumentarium auf ihren Schreibtisch oder in ihre Werkstatt.
  • Einmalverpackungen sind nicht bekannt. -> Ein Piktogramm oder "single use" ist die Kennzeichnung für Einmalprodukte. Produkte aus einer Papier-Folien-Verpackung dürfen nicht zum zweiten Mal sterilisiert werden.
  • Inhalt der Verpackung ist nicht ersichtlich -> die Verpackung wird unnötig geöffnet, der Inhalt muss neu verpackt und sterilisiert werden.
  • TRBA 250 ist nicht bekannt -> Die berufsgenossenschaftliche Vorschrift „Technische Regel Biologische Arbeitsstoffe“ hat z. B. unter Punkt 4 „Schutzmaßnahmen“ aufgeführt. Die Händedesinfektion darf nicht mit Ringen, Uhren und langen und/oder künstlichen Fingernägeln erfolgen. Bei Nichteinhalten der Vorgaben der TRBA 250 kommt im Schadenfall nicht die Berufsgenossenschaft für den Mitarbeiter auf, sondern der Praxisbetreiber oder Mitarbeiter selbst.

Belehrungen zum Hygieneplan (inkl. TRBA) müssen jährlich, bei minderjährigen Mitarbeiterinnen halbjährlich, stattfinden und schriftlich erfolgen.

Zum Schluss noch ein Beispiel

So kann die Aufbereitung, z. B. von Füllungsinstrumenten und dem Grundbesteck, die im Flussdiagramm der Deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung (DGSV) zur Einstufung semikritisch A und B gehören, effizient gestaltet werden:

  1. Die Instrumente werden trocken in einer Entsorgungsbox auf die unreine Seite des Aufbereitungsraums gebracht.
  2. Dort erfolgt das Einsortieren in entsprechende Waschsiebe, damit die teilweise filigranen Instrumente keinen Schaden erleiden.
  3. Das Programm wird gestartet und RDG mit angeschlossener EDV läuft.
  4. Nach Prozessende werden die Instrumente auf die reine Seite gelegt, die in der EDV ersichtlichen Parameter ermöglichen die Freigabe der Charge.
  5. Nach „Sichtkontrolle, ggf. Pflege u. Funk‧tionskontrolle“ werden die maschinell gereinigten und thermisch desinfizierten Instrumente in die entsprechenden Schubladen oder Trays eingeräumt und stehen zur Benutzung zur Verfügung.

Umständlich, teuer und überflüssig ist dagegen die Nassentsorgung, manuelle (Vor-) Reinigung und chemische Desinfektion und anschließende „offene Sterilisation“ zur thermischen Desinfektion. Ebenso überflüssig ist die Nassentsorgung, Reinigung und Desinfektion im RDG mit anschließender offener Sterilisation, „weil das sicherer ist“.

Die in der MPBetreibV geforderten validierten Prozesse sind in einer modernen Zahnarztpraxis mit einem RDG und entsprechender EDV, mit den geeigneten Herstellerangaben und ausreichend großem Aufbereitungsraum umsetzbar. Häufige Fehler und Missverständnisse entstehen zum Teil durch Unkenntnis der mit der Aufbereitung betrauten Mitarbeiterinnen. Die Aussagen von Beratern („Benutzen Sie am besten das Prionenprogramm…“) werden unreflektiert übernommen, der Hygieneplan entsprechend häufig und unsinnig geändert. Ohne Sachkenntnisse der Mitarbeiterinnen kann es keinen ausreichenden Schutz für „Patienten, Anwender und Dritte“ geben. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Tages- oder gar Stundenseminare mit oder ohne Häppchen nicht ausreichend sind. Die 40 Unterrichtseinheiten umfassenden Sachkundelehrgänge der DGSV bzw. der Schweizer Gesellschaft für Sterilgutversorgung (SGSV) bieten Mitarbeiterinnen in den Aufbereitungseinheiten im niedergelassenen Bereich entsprechende Möglichkeiten, sich in diesem speziellen Gebiet fortzubilden.

Weitere Informationen: www.dgsv-ev.de
Vorrangiges Ziel in einer modernen Zahnarztpraxis ist die effiziente Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben, gerade für den niedergelassenen Bereich. Ein guter Nebeneffekt ist der Schutz der teuren Instrumente und Geräte. Die Neuanschaffungen müssen wirtschaftlich sinnvoll sein und dürfen weder Ignoranz noch Rost zum Opfer fallen. Gewonnene Zeit kann sinnvoll eingesetzt werden – oder bürsten Sie zu Hause das Geschirr noch von Hand?

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