Assistenz

"Das soll es jetzt gewesen sein?"

„Aus Fehlern lernen“ – unser Leitthema beschreibt ein hehres Ziel, das oft nicht ganz leicht umzusetzen ist. Wer zu spät feststellt, dass die endlich angetretene Assistenzstelle nicht den Vorstellungen entspricht, dem hilft die reine Erkenntnis nicht weiter. Mut ist gefragt.

Shutterstock – lingdamphotothailand

In unserem Netzwerk erleben wir häufig, dass junge Zahnärzte und Zahnärztinnen mit ihrer Assistenzstelle nicht glücklich sind. Während dann die einen die Zähne zusammenbeißen und nur noch durchhalten, gibt es andere, die diese Zeit nicht als vertan abschreiben möchten und deshalb handeln. Dr. Anna Gramm (Name geändert) wollte nicht zwei Jahre lang mit der Unzufriedenheit leben und hat sich nach gut der Hälfte der Zeit dazu durchgerungen, ihre Assistenzstelle zu wechseln. Mittlerweile hat sie ihre Assistenzzeit erfolgreich absolviert. Warum Anna damals diese Entscheidung getroffen hat, ob sie es wieder tun würde und was sie daraus gelernt hat, erfahrt ihr in unserem Interview.

Was hast du von der Assistenzzeit erwartet, bevor du sie angetreten hast?
Durch meine Erfahrungen aus der Ausbildung als zahnmedizinische Fachangestellte hatte ich schon recht genaue Vorstellungen von den Bedingungen, unter denen ich meine Assi-Zeit verbringen wollte. Vorgestellt habe ich mir eine fachlich gut aufgestellte Praxis mit einem Fokus auf Zahnerhaltung. Auch eine eigene Terminspalte für mich und ein fairer Umgang mit dem Praxisteam waren mir wichtig. Vor allem aber wollte ich eine fachliche Herausforderung. Was das Gehalt angeht, so hatte ich mich umgehört und im Internet recherchiert. Eine Umsatzbeteiligung in der Anfangszeit wäre, auch wenn es nie Thema war, für mich nicht infrage gekommen — schlicht aus dem Grund, damit zu Beginn kein wirtschaftlicher Druck meine fachlichen Entscheidungen beeinflusst. Ich denke, da muss man erst Erfahrungen sammeln, bevor man sich in dieses Konfliktfeld begibt.

Insgesamt habe ich sieben Vorstellungsgespräche geführt und auch in einigen Praxen hospitiert, bevor ich mich für eine Stelle entschieden habe. Auch trotz des nachträglichen Wechsels würde ich dieses Vorgehen jedem ans Herz legen. Erzählen kann jeder viel, die Hospitation von ein bis zwei Tagen in der Praxis gewährt aber zumindest einen ersten Blick in das Praxisgeschehen und hilft, manches ins rechte Licht zu rücken. Von meinen zukünftigen Chefs hatte ich erwartet, dass sie mir zum einen ein fachliches Feedback geben, das mir bei meiner Entwicklung als Zahnmedizinerin hilft, mir auf der anderen Seite aber auch so weit vertrauen, dass ich selbstverantwortlich arbeiten kann.

Kurz umrissen, wie sah dein Praxisalltag im ersten Jahr aus?
Ich musste mir weitestgehend einen eigenen Patientenstamm aufbauen. Die laufenden Fälle blieben fast ausschließlich in den Händen des Seniors und seines Sohns. Es war ab und an tatsächlich ein „Kampf um Patienten“. Alles, was mit Patientenführung und Kommunikation zu tun hatte, musste ich mir abschauen und selbst beibringen. Ein Feedback oder Tipps habe ich nie bekommen. Menschlich war die Praxis allerdings super herzlich. Was die Abrechnung angeht, so habe ich die Leistungserfassung selbst erledigt und auch viel durch das Feedback der Abrechnungshelferin mitgenommen.

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