Spezialisierung

Ich bin Spezialist für Zahnerhaltung

Michael Wicht gehörte 2002 zu den ersten drei Zahnärzten, die eine Zusatzqualifikation in der Zahnerhaltung absolviert haben. Im Interview spricht er über Inhalte der Fortbildung - und für wen sie sich eignet.

Die Kariestherapie ist als konservierende Therapie Teil der Zahnerhaltung. Dmitriy Shironosov/Panther Media

Herr Dr. Michael Wicht, Sie haben die dreijährige Vollzeit-Weiterbildung zum Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) durchlaufen. Was fasziniert Sie an der Zahnerhaltung?

PD Dr. med. dent. Michael Wicht| Copyright: Universität zu Köln

Dr. Michael Wicht: Mich faszinieren in erster Linie Menschen, und der Beruf des Zahnarztes ermöglicht es mir, mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu treten. Nach dem Abitur war ich unentschlossen, was die medizinische Ausrichtung anging, und so ist es fast schon Schicksal, dass ein damaliger Freund von mir sagte, dass Zahnmedizin das „bessere Medizinstudium“ sei.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass die Zahnmedizin genauso faszinierend ist, wie wahrscheinlich die meisten anderen medizinischen Disziplinen. Natürlich ist der handwerkliche Aspekt ein Schwerpunkt unseres Berufs, aber ich persönlich halte die Analyse der Bedürfnisse eines jeden einzelnen und eine daraus resultierende patientenzentrierte Therapieentscheidung für mindestens genauso spannend.

Im Rahmen ästhetischer Rehabilitation freut es mich jedes Mal, wenn ein Patient überglücklich das Behandlungszimmer verlässt oder bei jedem weiteren Recall-Termin seine Freude darüber zum Ausdruck bringt.

Konnten Sie die Spezialisierung im Rahmen Ihrer Assistenzzeit an der Uniklinik Köln machen oder werden die drei Jahre Ausbildungszeit extra gerechnet?

Die drei Jahre Ausbildungszeit können meines Wissens auch in der Assistenzzeit, frühestens jedoch nach sechsmonatiger Berufstätigkeit, absolviert werden. In meinem speziellen Fall war das nicht relevant, da ich zum Zeitpunkt der Spezialisierung bereits acht Jahre berufstätig war, sieben davon in der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, der Abteilung, in der ich heute immer noch gerne arbeite.

Was waren zentrale Inhalte der Ausbildung?

Die Ausbildung umfasst neben der restaurativen auch die präventive Zahnerhaltung. In beiden Bereichen werden überdurchschnittliche praktische Fertigkeiten sowie wissenschaftliches Fachwissen gefordert. Das Kompetenzprofil geht dabei deutlich über das eines Allrounders hinaus.

So werden zum Beispiel Kenntnisse aus dem Bereich Oral und Dental Public Health sowie der Community Dentistry gefragt. Im praktischen Bereich werden unter anderem 200 direkte und 30 indirekte Restaurationen unterschiedlicher Art sowie eine detaillierte Falldokumentation von zwölf Patienten gefordert, die sowohl präventive als auch restaurative Aspekte aufweisen.

Des Weiteren müssen mindestens drei Publikationen aus dem erweiterten Gebiet der Zahnerhaltung vorgelegt werden, eine davon in einem englischsprachigen Peer-Review-Journal. Die Detektion und Diagnostik insbesondere von Zahnhartsubstanzdefekten sowie eine spezifische Risikoanalyse haben ebenfalls einen hohen Stellenwert in der Ausbildung. 

Ihre Approbation zum Zahnarzt erhielten Sie 1993, Ihre Spezialisierung in der Zahnerhaltung erfolgte erst zehn Jahre später. Was war der Grund? 

Der Grund, warum ich mich erst zehn Jahre nach meiner Approbation spezialisiert habe, ist schlicht und ergreifend die Tatsache, dass sie erst 1999 ins Leben gerufen wurde. Ich war 2002 zusammen mit zwei Kollegen der erste Zahnarzt in Deutschland, dem diese Zusatzqualifikation verliehen wurde.

Was sind die häufigsten Behandlungen, die Sie als Spezialist für Zahnerhaltung durchführen?

Die häufigsten therapeutischen Maßnahmen sind zu gleichen Teilen präventive Betreuungskonzepte für nahezu alle meine Patienten zu entwickeln und im restaurativen Bereich direkte Restaurationen aus Komposit im Front- und Seitenzahnbereich.

Indirekte Restaurationen sind mittlerweile in meiner Behandlung nahezu bedeutungslos. Während ich zu Beginn meiner Berufslaufbahn noch eine stattliche Anzahl an Inlays und Teilkronen aus Gold und Keramik angefertigt habe, ist der Anteil heutzutage verschwindend gering.

Dies ist primär der rasanten Entwicklung und hohen Belastbarkeit moderner Kompositwerkstoffe und insbesondere den Haftvermittlungssystemen geschuldet. Patienten favorisieren aber eine einzeitige, direkte und kostengünstigere Lösung, wenn sie nicht die Langlebigkeit einer Restauration kompromittiert.

Neben den direkten Restaurationen sind Behandlungen des Wurzelkanals ein weiterer Behandlungsschwerpunkt, der sich im Laufe der Jahre zu einer persönlichen Leidenschaft entwickelt hat.

Was war Ihr kompliziertester Fall?

Das ist eine schwierige Frage - und abhängig davon, wie ich „kompliziert“ definiere. Schwierig war eine Patientin, die zu jeder Behandlung eine handgeschriebene, teils mehrseitige Liste mit dem Auftreten von Beschwerden und fachlichen Fragen mitbrachte. Nach mittlerweile 15 Jahren Zusammenarbeit und der konsequenten Verfolgung eines partizipativen Entscheidungsmodells antwortete diese Patientin auf die Frage, warum sie keine Listen mehr mitbringt „weil ich sie nicht mehr benötige“.

Handwerklich schwierig war ein Fall einer endodontischen Revisionsbehandlung, wo ein Stift direkt in die Furkation eines unteren Molaren zementiert wurde und der Zahn koronal tief frakturierte. Umso diffiziler, da es sich um einen Kollegen handelte.

Eine diagnostische Herausforderung war ein Patient, der bukkal an den oberen zweiten Molaren wiederholt kariöse Läsionen entwickelte und die Restaurationen Mal um Mal versagten, obwohl der Patient angab, dort besonders sorgfältig zu putzen. Nach einer längeren Zeit stellte sich heraus, dass er aufgrund einer Lungenwegerkrankung zum Einschlafen zuckerhaltige Hustenpastillen dort deponierte und diese über Nacht einwirken ließ.

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