Assistenz

Praxisübernahme: Wege in die Niederlassung

Auch in Zeiten multipler Karrieren und wechselhafter Erwerbsbiografien ist die Frage, ob und wie man sich als Zahnarzt oder Zahnärztin niederlässt, eine der wichtigsten im Erwerbsleben. Eine Reihe von Punkten gibt es bei der Praxisübernahme zu beachten.

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Für die im Text aufgeworfenen Fragen gibt es die Checklisten Gründercheck und Übernahme auf Wunsch per E-Mail, christian.guizetti@guizetti.de Foto: Friedbverg/fotolia
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Christian Guizetti, Steuerberater & Wirtschaftsprüfer mit dem Schwerpunkt Zahnärzte und Ärzte bei Guizetti & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB. Kontakt: christian.guizetti@guizetti.de Foto: Privat

Als erstes ist die Frage zu beantworten, ob die persönlichen Voraussetzungen für eine selbstständige Berufsausübung gegeben sind. Will ich auf eigene Rechnung mit allen Chancen und Risiken arbeiten? Bin ich bereit, sehr viel Zeit und Schweiß zu investieren? Traue ich mir die Organisation einer Praxis und das Führen von Mitarbeitern zu? Dies sind zunächst die wichtigsten Fragen zur Entscheidung „selbstständig oder angestellt“. Bis 2007 war die Vorlage einer KZV-Zulassung entscheidend, inzwischen gibt es jedoch für Zahnärzte keine Zulassungsbeschränkung mehr.

Als nächstes stellt sich die Frage, ob man allein oder gemeinsam mit anderen der zahnärztlichen Tätigkeit nachgehen möchte. Allein ist man unabhängiger, kann sich allein verwirklichen, muss nicht auf andere Rücksicht nehmen. Bei gemeinsamer Berufsausübung sind Beruf und Freizeit besser zu vereinbaren, die Kostenstruktur ist besser, eine interne Spezialisierung ist möglich, es können längere Öffnungszeiten angeboten werden und ein direkter kollegialer Austausch ist möglich.

Aus der Beantwortung dieser Fragen folgt die Form der Berufsausübung. Wer lieber allein arbeiten möchte, wird eine Einzelpraxis übernehmen oder gründen. Alle anderen müssen sich entscheiden zwischen Praxisgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis (BAG) oder – der Vollständigkeit halber, da seit letztem Jahr auch für Zahnärzte möglich – einem MVZ.

Eine Einzelpraxis verspricht hohe wirtschaftliche und organisatorische Eigenständigkeit. Alles wird vom Inhaber entschieden. Dieser muss jedoch auch alle Kosten für Personal, Ausstattung und Miete tragen.

Der Zwischenschritt zwischen einer Einzelpraxis und einer Gemeinschaftspraxis ist eine Praxisgemeinschaft. Konkret handelt es sich um eine Kostengemeinschaft als Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Jeder arbeitet auf eigene Abrechnung (eigener KZV-Stempel) und hat seinen eigenen Patientenstamm. Die Kosten für Räume, Personal und Technik tragen beide nach vorher vereinbartem Verteilungsschlüssel. Diese Form der Zusammenarbeit erfordert keine Genehmigung des Zulassungsausschusses.

Eine Gemeinschaftspraxis/Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) ist eine Gesellschaft, in der sich mehrere – mindestens zwei – Zahnärzte zusammenschließen. Die Gesellschaft ist selbstständiges Rechtssubjekt, vertreten durch die jeweiligen Zahnärzte als Gesellschafter. Die BAG rechnet gemeinsam ab (KZV-Nummer), der Patientenstamm gehört ihr, die Kosten für Räume, Technik und Personal trägt die Gesellschaft. Die Gründung einer BAG muss vom Zulassungsausschuss genehmigt werden.

Rat und Hilfe in der Planungsphase

Die Planungsphase zur eigenen Praxis in einer der oben beschriebenen Formen erfordert zunächst ein eigenes Stärken- und Schwächenprofil (welche Art von Zahnmedizin will ich ausüben?). Die Standortfrage entscheidet, ob auf dem Land oder in einer Stadt praktiziert werden soll. Dies ist insofern entscheidend, weil sich daran die Fragen nach beruflichen Möglichkeiten des Partners, nach Freizeit- und Sportmöglichkeiten sowie nach Kinderbetreuung und Schulen anschließen. Wer sich einmal für einen Praxisstandort entschieden hat, bleibt in der Regel für viele Jahre an dem Ort.

Soll eine Praxis gekauft werden, ist eine Neugründung oder der Einstieg in eine Gemeinschaftspraxis das Ziel? Wie finde ich überhaupt eine geeignete Praxis? Traten in der Vergangenheit die Praxisvermittler und Bankberater als geeignete Ansprechpartner auf, so sind heutzutage Praxisbörsen im Internet ein geeignetes Medium, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Der professionelle Blick von außen: Bewerter und Berater

Eine Praxis oder ein Gemeinschaftspraxisanteil ist gefunden. Wie viel ist sie bzw. er wert? Was bin ich bereit zu bezahlen? Grundsätzlich kann man sagen, dass der Anteil an einer Gemeinschaftspraxis wertbeständiger ist, weil ein Teil der Organisation weiterlebt. Beim Erwerb einer Einzelpraxis ohne weitere Mitarbeit des Abgebenden kann es je nach Charakteristika der beiden Zahnärzte zu Patientenschwund kommen.

Zur Vorbereitung sollten Zahlen mindestens der vorangegangenen drei Jahre analysiert werden. Aus diesen Werten lässt sich der Goodwill berechnen. Das übergehende Praxisinventar kann durch ein Depot bewertet werden. Es gibt auch professionelle Praxisbewerter, die gegen eine Gebühr im einstelligen Tausenderbereich den Praxiswert berechnen. Angesichts einer Investition von mehreren Hunderttausend Euro kann dies Unsicherheiten reduzieren. Ebenfalls wichtig ist die genaue Durchsicht der Personalverträge, etwaiger Leasingverträge und vor allem des Mietvertrags. Ist der Einstieg eines Nachfolgers geregelt, oder hat der Vermieter ein einseitiges Kündigungsrecht?

Die meisten angehenden Praxisinhaber werden zum Erwerb einen Kredit benötigen. Verlassen Sie sich nie nur auf einen Finanzberater oder Versicherungsmakler und den Bankberater! Nicht selten werden diese ein für sich vorteilhaftes Angebot vorschlagen, das nicht immer im Sinne des Kreditnehmers sein muss. Ein endfälliges Darlehen mit Depotsparplänen einer Bank generiert mehr Zinsen und Vermittlungsgebühren als ein Annuitätendarlehen, bei dem kontinuierlich getilgt wird. Ein guter Steuerberater hat keinerlei finanzielle Interessen am Abschluss eines bestimmten Kreditvertrags, sondern wird das für den Kunden Optimale empfehlen. Die Erfahrung zeigt, dass Bankberater in Gegenwart eines Steuerberaters auch andere Kredite vorschlagen können als ohne Involvierung des Beraters. Wichtig ist im Vorfeld eine genaue Finanzplanung unter Berücksichtigung des Zeitverzugs der KZV-Zahlungen, notwendiger Investitionen und der nötigen Privatentnahmen. Lieber großzügig planen und einen Kredit über eine höhere Summe abschließen. Nachverhandeln zu müssen ist eine schlechte Ausgangsbasis für gute Kreditkonditionen.

Für den Abschluss des Kaufvertrags sind juristische und steuerliche Aspekte wichtig. Angesichts der in der Regel hohen Investitionssumme sollte der Käufer einen eigenen Rechtsanwalt mit der Vertretung seiner Interessen beauftragen. Der Steuerberater stellt sicher, dass der Kaufvertrag für seinen Mandanten die Steuerbelastung minimiert. Ein Beispiel: Der Goodwill einer Einzelpraxis kann über drei bis fünf Jahre, der einer BAG über sechs bis zehn Jahre abgeschrieben werden. Das Inventar ist oft langlebiger, d. h. hat eine längere Abschreibungsdauer. Wenn der Gesamtkaufpreis auf diese beiden Bereiche aufgeteilt ist, entfällt später Diskussionsbedarf mit dem Finanzamt.

Ein besonderer Fall: die Gemeinschaftspraxis

Speziell beleuchten möchte ich an dieser Stelle den Einstieg in eine Gemeinschaftspraxis. Der Kauf eines bereits existierenden BAG-Anteils von einem Altgesellschafter bedeutet einfach, den Anteil für Geld zu erwerben. Interessanter ist der Einstieg in eine neu zu gründende oder bereits bestehende BAG. Soll der Kaufpreis auf einmal bezahlt werden? Kann der Einstieg ohne hohe Kreditbelastung erfolgen? Die Antwort lautet ja, und zwar durch ein Gewinnvorabmodell für die Altgesellschafter bzw. ein Gewinnverzichtsmodell für den eintretenden. Für eine festgelegte Zahl von Jahren erhält Letzterer weniger Gewinn, als seinem Gesellschaftsanteil entspräche.

Von einer Nullbeteiligung am Anfang und Gewinn nach Umsatzprozenten ist abzuraten. Erstens fehlt es aus steuerlicher Sicht an den Faktoren Mitunternehmerinitiative und -risiko, so dass aus einer eigentlich gewünschten Gesellschafterstellung ein Angestelltenverhältnis wird. Das führt zu Nachzahlungen von Sozialabgaben in nicht unwesentlicher Höhe. Noch viel schlimmer ist jedoch, dass die Gesellschaft, die gegenüber der KZV abgerechnet hat, faktisch nicht existent war. Das führt zur Rückzahlung aller Honorare. Die Fälle, die bisher daran gescheitert sind, führten oft zur Privatinsolvenz. Das braucht kein Mensch, insbesondere nicht am Anfang des Berufslebens!

Der Sonderfall der Übertragung zwischen nahen Angehörigen und die Verschonungsregel bei der Erbschaftssteuer seien nur am Rande erwähnt. Wer davon betroffen ist, hat dies bereits geregelt oder regelt es gerade, da die jetzige Gesetzesfassung nur bis Mitte dieses Jahres gültig ist. Was danach kommt, hat der Gesetzgeber noch nicht entschieden.

Vorsicht Steuerfalle!

Der sich aus Überschuss der Einnahmen über die Betriebsausgaben ergebende Gewinn ist zu versteuern. In den ersten Jahren wird er deutlich durch die Abschreibungen des Goodwills geschmälert. Anschließend steigen der Gewinn und die Steuerbelastung signifikant. Zu warnen ist insbesondere vor der Steuerfalle am Anfang der eigenen Praxistätigkeit. Was ist damit gemeint?

Bei Aufnahme der Tätigkeit im Jahr x fällt noch keine Steuer an. Meistens zu Ende des Jahres x+1 wird die Steuererklärung für das Jahr x abgegeben. Noch immer passiert nichts. Aber im Jahr x+2 erhält der Zahnarzt den Einkommensteuerbescheid für das Jahr x mit der zu zahlenden Einkommensteuer für Jahr x. Und den Vorauszahlungsbescheid für das ganze Jahr x+1! Und die anteiligen Vorauszahlungen für das Jahr x+2! Wer da nicht auf Hinweis seines Steuerberaters die entsprechenden Finanzmittel gebunkert hat, hat keinen Spaß!

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