Praxisgründer

Die Bewertung von Zahnarztpraxen – Teil 2

Wie errechnet sich der Wert einer Praxis? Diese dreiteilige Reihe geht auf die unterschiedlichen Verfahren ein und liefert Fachwissen zu einem komplexen Thema.

Bei der Berechnung des Praxiswerts werden viele Aspekte auf die Waage gelegt. vichie81 - Fotolia

Diese Beitragsreihe bringt Licht ins Dickicht der Bewertungsverfahren. Sie stellt die unterschiedlichen Verfahren vor und zeigt anhand von Beispielen, wo deren Stärken und Schwächen liegen.

 

Praxisbewertung Teil 2

Zukunftsorientierte Verfahren:

 

  • Neue Ärztekammermethode
  • Modifiziertes Ertragswertverfahren

 

Teil 3

 

  • Ermittlung des materiellen Praxiswerts
  • Plausibilität eines Bewertungsergebnisses
  • Ausblick

 

 

 

Zukunftsorientierte Verfahren

 

Im Rahmen von zukunftsorientierten Bewertungsverfahren wird regelmäßig eine Prognoserechnung erstellt, mit deren Hilfe die zu erwartenden Praxiserträge ermittelt werden sollen. Um die Auswirkungen der Bewertungssystematik und den korrekten Ansatz der beeinflussenden Faktoren deutlich zu machen, werden bei den dargestellten Bewertungsverfahren die Beispielrechnungen jeweils auf die gleichen Ausgangsdaten bezogen (statistischer Durchschnitt von Umsatz, Kosten und Gewinn einer Zahnarztpraxis, pro Praxisinhaber, Gesamt-Deutschland, ungewichtet): 

 

2011

2012

2013

ungewichteter

Durchschnitt

Umsatz

407.392

422.363

446.800

425.518

Kosten

276.981

283.762

297.900

286.214

Gewinn

130.411

138.601

148.900

139.304

Praxiseinrichtung am

Bewertungsstichtag

 

45.000

 

50.000

 

47.000

 

 

Neue Ärztekammermethode  

 

Im Jahr 1987 wurde seitens der Bundesärztekammer (nicht der Zahnärztekammer) erstmals eine „Richtlinie zur Bewertung von Arztpraxen“ veröffentlicht, aber nie offiziell verabschiedet. Diese Richtlinie wurde aus wirtschaftstheoretischen Gründen heftig kritisiert, weil sie 

 

  • rein vergangenheitsorientiert ausgerichtet war,
  • ohne Berücksichtigung von Kosten und Gewinn einseitig auf den Praxisumsatz abstellte, indem sie
  • den Durchschnittsumsatz der drei Jahre vor dem Bewertungsstichtag um ein Oberarztgehalt kürzte und das Ergebnis durch drei teilte. Fertig war die Bewertung, sie passte auf eine halbe Schreibmaschinenseite.

 

Im Jahr 2008 - also „schon“ 21 Jahre nach der gerechtfertigten Kritik an der Vorgehensweise - reagierte die Bundesärztekammer und veröffentlichte „Hinweise zur Bewertung von Arztpraxen“, die im Sprachgebrauch der mit Bewertungsfragen befassten Fachöffentlichkeit als „Neue Ärztekammermethode“ bezeichnet wird.  

 

Bewertungssystematik 

Im Einzelnen sehen die „Hinweise“ folgende Vorgehensweise vor: Zunächst werden übertragbarer Umsatz sowie übertragbare Kosten der Praxis ermittelt.

Der durchschnittliche übertragbare Umsatz wird aus dem Mittel der Umsätze der letzten drei Jahre vor dem Bewertungszeitpunkt gebildet. Es werden folgende Korrekturen („nicht übertragbare Umsatzanteile“) vorgenommen: Individuelle, nur dem Praxisinhaber zurechenbare Umsätze werden gekürzt (z.B. Gutachtertätigkeit, personengebundene Abrechnungsgenehmigungen, Belegarzttätigkeit, Miet- und Zinserträge usw.). Vorhersehbare künftige Änderungen (z.B. geänderte Abrechnungsbestimmungen) werden berücksichtigt.

Die durchschnittlich übertragbaren Kosten werden aus dem Mittel der Kosten der letzten drei Jahre vor dem Bewertungszeitpunkt gebildet; es werden folgende Korrekturen vorgenommen: Mit nicht übertragbaren Umsatzanteilen zusammenhängende Kosten werden eliminiert. Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten (wie zum Beispiel Ansparabschreibungen), Finanzierungskosten, zu hohe oder zu niedrige Gehaltszahlungen usw. werden berücksichtigt. Zukünftig entstehende veränderte Kosten wie z.B. Mietzahlungen für Praxisräume, die im Eigentum des Praxisabgebers stehen, werden erfasst (kalkulatorische Kosten).

Gehalt und Prognosefaktor

 

Dann wird ein Arztgehalt unterstellt: Der Ausgangswert für 2008 belief sich unter Berücksichtigung von Facharztgehältern im Krankenhaus, bei Verbänden und in der Pharmaindustrie auf 76.000  €. Heute wird man den derzeit gezahlten Betrag für angestellte Oberärzte unterstellen. Bei einem übertragbaren Umsatz von unter 40.000 € erfolgt kein Abzug; darüber erfolgt eine prozentuale Abstaffelung, so dass ab einem übertragbaren Umsatz von 240.000 € das „volle“ alternative Arztgehalt abgesetzt wird.

Schließlich wird ein sogenannter „Prognosefaktor“ berücksichtigt: Die Höhe dieses Multiplikators hängt von der Zahl der Jahre ab, in der von einer Patientenbindung an den alten Praxisinhaber ausgegangen werden kann (Goodwill-Reichweite). Für eine Einzelpraxis wurden pauschal zwei Jahre veranschlagt. Der mit dem Prognosemultiplikator errechnete immaterielle Wert kann sich nun u. U. bis zu plus / minus 20% aufgrund der nachfolgend genannten Faktoren verändern: 

 

  • Ortslage der Praxis
  • Praxisstruktur
  • Arztdichte
  • Qualitätsmanagement
  • Dauer der Berufsausübung, u.v.m. 

 

Zu dem so ermittelten immateriellen Wert wird der Betrag hinzugerechnet, mit dem der materielle Praxiswert in Ansatz gebracht wird. Die Summe der beiden Teilbeträge ergibt den Praxiswert.