Praxisgründer

Die Bewertung von Zahnarztpraxen – Teil 3

Wie errechnet sich der Wert einer Praxis? Diese dreiteilige Reihe geht auf die unterschiedlichen Verfahren ein und liefert Fachwissen zu einem komplexen Thema.

Bewertungsergebnisse prüfen - hier ist Fachwissen gefragt. Gina Sanders - fotolia

Diese Beitragsreihe bringt Licht ins Dickicht der Bewertungsverfahren. Sie stellt die unterschiedlichen Verfahren vor und zeigt anhand von Beispielen, wo deren Stärken und Schwächen liegen.

Ermittlung des materiellen Praxiswertes

Psychotherapeuten benötigen für ihre Berufsausübung eine Liege oder eine Sitzgarnitur, einige Bücher und einen Laptop. Der „materielle Praxiswert“ ist daher gering, manchmal sogar vernachlässigbar (wenn die Sitzgarnitur abgewetzt, die Bücher veraltet und der Laptop sechs Jahre alt sind). Anders sieht das zum Beispiel bei einer vor drei Jahren neu eingerichteten Zahnarztpraxis aus, deren Eigentümer mittlerweile voll ausgelastet ist und einen Studienkollegen als Partner an der Praxis beteiligen will. Anders gesagt: Je teurer das Praxisinventar ist, desto wichtiger ist eine korrekte Bewertung der Substanz.

In vielen Gutachten wird leider nicht klar definiert, welcher Wertbegriff der Bewertung zu Grunde liegt. Eine „Auswahl“ der wichtigsten Wertbegriffe soll dieses Problem verdeutlichen: 

Anschaffungswert

Der Anschaffungswert umfasst die Kosten, die zur Zeit der Anschaffung aufgewendet werden mussten, um den Einrichtungsgegenstand zu beschaffen.

Zeitwert

Der Zeitwert ist der Wert eines Einrichtungsgegenstandes unter Berücksichtigung seines Alters und seines Betriebszustandes, insbesondere der Abnutzung und Instandhaltung, der Verwendung und Nutzung sowie der durchschnittlichen technischen Nutzungs- und Lebensdauer. 

Fortführungszeitwert

Der Fortführungszeitwert ist der (voraussichtliche) Zeitwert eines Einrichtungsgegenstandes zu einem bestimmten Stichtag, zum Beispiel am Beginn oder am Ende des Zeitraumes der Goodwill-Reichweite. Es wird unterstellt, dass die betriebliche Nutzung in der gleichen Weise erfolgt, wie es in der Vergangenheit der Fall  gewesen ist (sog. „Fortführungsprämisse“).

Wiederbeschaffungswert

Der Wiederbeschaffungswert umfasst die Kosten, die aufgewendet werden müssen, um am Bewertungsstichtag eine gleichartige und gleichwertige Maschine wiederbeschaffen zu können.

Liquidationswert

Auch der Begriff „Liquidationswert“ (oder: Zerschlagungswert) entstammt der betriebswirtschaftlichen Literatur. Der Liquidationswert ist definiert als der Barwert der Nettoerlöse, die sich aus der Veräußerung der Einrichtungsgegenstände abzüglich der Liquidationskosten ergeben. 

Vorgehensweise bei der Ermittlung des materiellen Praxiswertes 

In der bereits zitierten Stellungnahme der VSA ist zur Ermittlung des materiellen Praxiswertes unter anderem folgendes ausgeführt:

„Für die Substanzwertermittlung wesentlich sind zum einen der Bewertungsauftrag und zum anderen die Frage, ob ein Gegenstand zum betriebsnotwendigen Vermögen gehört. In der Regel sind die Gegenstände des materiellen Praxisvermögens auf Basis eines aktuellen und vollständigen Inventarverzeichnisses im Rahmen eines vorzunehmenden Ortstermins in den Praxisräumen zu erfassen.

Wird der gesamte Praxiswert ermittelt, ist das betriebsnotwendige Vermögen mit dem Fortführungszeitwert, der am Ende des Kapitalisierungszeitraumes vorhanden ist, anzusetzen und auf den Bewertungsstichtag abzuzinsen. Sofern nicht betriebsnotwendiges Vermögen zu bewerten ist, ist es mit dem Liquidationswert am Bewertungsstichtag anzusetzen.

Da ein zur Wertbestimmung notwendiger Markt bei der Mehrheit der betriebsnotwendigen, in den Praxen genutzten Vermögensgegenstände nicht existiert, ist deren Wert als Zeitwert auf Basis der Wiederbeschaffungskosten zu ermitteln.

(Fortführungs)zeitwert: Die historischen Anschaffungskosten können mittels geeigneter Indizes des Statistischen Bundesamtes zunächst auf den Bewertungsstichtag hochgerechnet werden, um die Wiederbeschaffungskosten zu schätzen. Der (Fortführungs)zeitwert am Ende des Kapitalisierungszeitraumes ist in einem zweiten Berechnungsschritt unter Angabe der unterstellten Gesamtnutzungs- und Restnutzungsdauer zu ermitteln. Abhängig von der Art des Einrichtungsgegenstandes können ein arithmetisch-degressiver oder ein linearer Wertverlauf unterstellt werden.

Liquidationswerte sind ggf. zu schätzen. Bei Vermögensgegenständen, die die erwartete wirtschaftliche Nutzungsdauer überschritten haben, ist als Fortführungszeitwert ein Restwert anzusetzen …“