Praxisgründer: Businessplan erstellen

So prüfen Banken die Kreditwürdigkeit

Bei der Kreditvergabe schauen Banken genau hin. Bevor es ans Verhandeln geht, sollten sich Existenzgründer daher gut informieren und vorbereiten.

Kein Kredit ohne Zuverlässigkeit. © SBH - Fotolia

Die verschärften Kreditvergaberichtlinien („Basel III“) als Folge der regulierenden Maßnahmen der Finanz-Aufsichtsbehörden werden dazu führen, dass Banken vor einer Kreditzusage bei Existenzgründern noch genauer hinsehen als in der Vergangenheit - und hohe Ansprüche sowohl an die Kreditwürdigkeit oder Bonität, als auch an den Umfang und die Qualität der zur Verfügung stehenden Kreditsicherheiten stellen. Um bei bevorstehenden Kreditverhandlungen mit Bankmitarbeitern auf der sprichwörtlichen „gleichen Augenhöhe“ verhandeln zu können, sollten zukünftige Praxisinhaber ihre vorhandenen Kenntnisse kritisch überprüfen und gegebenenfalls ergänzen. Dazu ist zunächst zu berücksichtigen, dass Kreditinstitute bei Bonitätsprüfungen grundsätzlich nach dem gleichen Schema vorgehen: Es werden bei Kreditwünschen die persönlichen Voraussetzungen des Zahnarztes als Antragsteller ebenso geprüft wie die materiellen Erfordernisse.

Zuverlässigkeit des Kreditnehmers

Zunächst zu den persönlichen Voraussetzungen: Hier geht es um die finanzielle Zuverlässigkeit des Kreditnehmers und sein bisheriges (und natürlich zukünftig erwartetes) Zahlungsverhalten, das vor allem durch Informationen in Auskünften belegt werden muss. Neben der obligatorischen Schufa-Auskunft orientieren sich Banken an Auskünften privater Auskunfteien sowie an Selbstauskünften des jeweiligen Kreditnehmers. Durch einen bankinternen Abgleich der jeweiligen Informationen in diesen Auskünften fallen dem Kreditgeber unterschiedliche Angaben wie beispielsweise der vom Zahnarzt nicht angeführte Verbraucherkredit bei einer Teilzahlungsbank oder bei anderen Kreditgebern meist schnell auf. Es ist dem Kreditnehmer daher dringend zu empfehlen, vor einer Kreditanfrage mögliche Kritikpunkte selbst aufzugreifen und rechtzeitig zu klären. Erkennt die Bank dagegen ein derartiges oder ähnlich wesentliches Problem und unterstellt sie ihrem Kunden keine vertretbare Nachlässigkeit, sondern Absicht, kann der Kreditwunsch bereits in diesem frühen Stadium scheitern.

Wichtige Einnahme-Ausgabe-Situation

Geht es bei der persönlichen Bonitätsprüfung wie erwähnt vor allem um die Frage der finanziellen Zuverlässigkeit des Kreditnehmers, spielt bei der Prüfung der materiellen Kreditwürdigkeit die langfristige oder im Bankenjargon „nachhaltige“ Kapitaldienstfähigkeit als Maßstab seiner Zahlungsfähigkeit die wesentliche Rolle. Hierzu sollte mit Hilfe des Steuerberaters ermittelt werden, wie sich die Einnahme-Ausgabe-Situation des Zahnarztes in den kommenden zwei, drei Jahren voraussichtlich entwickeln wird. Vorsicht bitte: Auch hier ist mit nachvollziehbar ermittelten Zahlen zu argumentieren. Zu gering angesetzte Privatentnahmen oder zu optimistisch ermittelte Zinszahlungen schaden in der Regel nicht nur dem Kreditnehmer früher oder später selbst, sondern können auch seinen Ruf beim jeweiligen Bankinstitut beschädigen. Bei der geplanten Übernahme einer Praxis können hier natürlich die bisherigen Fallzahlen sehr hilfreich sein. Da die während der Bonitätsprüfung auf diesem Weg ermittelten Daten ihren Niederschlag im Rating oder Scoring, der banktypischen Beurteilungssysteme finden, sind auch hierzu wichtige Detailkenntnisse erforderlich. Vor jedem Kreditgespräch sollten diese Beurteilungsverfahren mit dem Zahnarzt als Kunden daher bankseitig erörtert und transparent dargelegt werden.

Details des Darlehensvertrags

Derartige Rating- bzw. Scoringverfahren können auch die Vertragstreue des Zahnarztes berücksichtigen. Dies ist ein Punkt, der immer wieder unterschätzt wird. Verpflichtet sich dieser im Darlehensvertrag beispielsweise dazu, eine festgelegte Quote der zukünftigen Praxisumsätze über das Geschäftskonto der kreditgebenden Bank zu leiten, ist dies verbindlich und sollte strikt eingehalten werden. Das Gleiche gilt für die Verlässlichkeit beim Überziehungskredit: Zahnärzte, die sich regelmäßig außerhalb des Kreditrahmens bewegen, sollten besser über eine angemessene Anpassung dieses Limits nachdenken, statt in Kauf zu nehmen, dass wieder einmal die eine oder andere Lastschrift mit dem Vermerk „Rückgabe mangels Kontodeckung“ nicht eingelöst wird. Wichtig ist darüber hinaus die kundenseitige Transparenz bei der Offenlegung der wirtschaftlichen Zahlen, die sich vor allem aus dem §18 des Kreditwesengesetzes ergibt. Pünktlichkeit bei der Übermittlung an die Bank ist hier ebenso wichtig wie Vollständigkeit der mit dem Zahnarzt als Kreditnehmer abgestimmten betriebswirtschaftlichen Unterlagen.

Wichtige Kreditsicherheiten

Neben der Bonitätsprüfung nehmen die Qualität und der Umfang der zur Verfügung stehenden Kreditsicherheiten einen an Bedeutung zunehmenden Raum ein.
Dieses Thema wird von einer Vielzahl der Zahnärzte jedoch nach wie vor eher am Rande behandelt. Weder erfolgen dort regelmäßige Bestandsaufnahmen der zur Verfügung gestellten Sicherheiten, noch finden kontinuierliche Gespräche mit der Bank über deren Bewertung statt. Dabei kann von der Qualität jeder einzelnen Sicherheit abhängen (die bei Existenzgründern meist in ohnehin eher geringem Maße vorhanden sind), ob der Kreditwunsch überhaupt genehmigt wird. Außerdem orientiert sich die Höhe des Kreditzinssatzes ebenfalls an den jeweiligen Sicherheiten. Zahnärzte sollten sich daher vor einer Kreditverhandlung im Klaren sein, welche Sicherheiten in welchem Umfang überhaupt angeboten werden können. Dabei kann durchaus über einen Sicherheitentausch, beispielsweise durch die Bereitstellung eines werthaltigen Grundpfandrechtes statt der meist üblichen Sicherungsübereignung des Praxis- oder Privat-Pkw, der Verpfändung der zukünftigen Praxisausstattung an die Bank nachgedacht werden. Damit verbessert sich in aller Regel der Verhandlungsspielraum des Kreditnehmers beim Kreditzinssatz.

Kreditalternativen für Existenzgründer

Da die Hausbanken sich auch bei Freiberuflern bei Kreditvergaben mittlerweile immer wieder schwer tun, lohnt für Existenzgründer der sprichwörtliche Blick über den (finanziellen) Tellerrand hinaus. Dazu gehören öffentliche Förderprogramme mit, je nach Qualität der Bonität des Zahnarztes, meist günstigen Konditionen. Dabei bieten die Hausbanken, die regelmäßig in die Beantragung dieser Kreditmittel („Hausbankprinzip“) einzubinden sind, bei der Beratung ein nicht immer einheitliches Bild. Es hängt in der Tat vom jeweiligen Kreditinstitut ab, ob und in welchem Umfang eine aktive Unterstützung bei der für Existenzgründer geeigneten Auswahl öffentlicher Mittel angeboten wird. Als einer der großen Kreditgeber bei öffentlichen Finanzierungen gilt die KfW-Mittelstandsbank, die durch ihre Produktvielfalt nahezu jede wirtschaftlich vertretbare Investitionsmaßnahme von Zahnärzten in unterschiedlicher finanzieller Größenordnung begleiten kann.

Der Weg zu öffentlichen Förderprogrammen

Im ersten Schritt sollten sich Existenzgründer beispielsweise im Internet über einzelne öffentliche Förderprogramme für den jeweiligen Investitionszweck (hier also Praxisgründung) informieren.

Danach sollte bei der Hausbank oder bei einem anderen Bankinstitut der dort zuständige Mitarbeiter für öffentliche Finanzierungen gebeten werden, bei der geplanten Maßnahme zu unterstützen.

Gemeinsam mit Bank und Steuerberater sollte abgestimmt werden, wie der Finanzierungsplan einschließlich der öffentlichen Gelder konkret aussehen soll und welche Unterlagen sowie Kreditsicherheiten im Hinblick auf die Bonitätsbeurteilung des Zahnarztes innerhalb welchen Zeitraums zusammengestellt werden müssen.

Finanzplanung zur Unterstützung

Eine sorgfältig aufbereitete Finanzplanung gilt als wesentliche Voraussetzung zur Beantragung öffentlicher Förderkredite. Dazu sollte zunächst mit Hilfe der Investitionsplanung geklärt werden, welcher Gesamtbetrag zur Finanzierung erforderlich ist und für welche Vorhaben innerhalb des Investitionsplans die jeweiligen Mittel verwendet werden sollen.

Ebenfalls erforderlich ist ein Liquiditäts- und Rentabilitätsplan. Während der Liquiditätsplan möglichst konkrete Hinweise über die jetzige und zukünftige Zahlungsfähigkeit (zunächst bis zu etwa drei Jahren) der Praxis bzw. des Zahnarztes geben soll, dient der Rentabilitätsplan vor allem dem Ziel, angemessene Gewinne bzw. Einnahmen zu erzielen und möglichst Rücklagen zu bilden. Auch hierzu ist die Hilfe eines in der Branche erfahrenen Steuerberaters zu empfehlen.

Der „risikogerechte“ Zins

Banken einschließlich öffentlicher Kreditgeber gehen zunehmend dazu über, bei Krediten einen so genannten „risikogerechten“ Zinssatz festzulegen, der dem individuellen Bonitätsprofil des Zahnarztes möglichst weitgehend entspricht. Dazu werden sowohl die wirtschaftlichen Verhältnisse des Zahnarztes (Bonität), als auch die zur Verfügung stehenden Kreditsicherheiten (Werthaltigkeit der Besicherung) berücksichtigt. Grundsätzlich gilt: Je besser die Bonität und je werthaltiger die Kreditsicherheiten, umso niedriger ist der Zinssatz.