Praxisgründer

Von der Vision zum Businessplan

Viele Ideen für die eigene Praxis - aber welche sind tragfähig? Wie entwickelt sich aus den ersten Existenzgründerträumen Schritt für Schrittt ein solides Unternehmen? So vereinen Sie den Visionär mit dem Analysten in sich.

Zahnarzt, Unternehmer, Visionär - das schließt sich nicht aus. Der erfolgreiche Praxisgründer vereint alle drei Rollen. peshkova - Fotolia

Nach dem glücklich bestandenen Staatsexamen beginnt der frischgebackene Zahnarzt (hoffentlich) hochmotiviert seine Assistenzzeit. Mit etwas Glück ist er in einer Praxis gelandet, in der der Praxisinhaber seinen beruflichen Lebenstraum verwirklicht - schlimmstenfalls hat er eine Praxis erwischt, die "irgendwie läuft".

Wenn der Praxisinhaber seine eigenen Vorstellungen umsetzt und ein klares Konzept hat, legt er - verständlicherweise - oft großen Wert auf die Einhaltung seiner Regeln und die Umsetzung seines Konzeptes. Für die eigenen Vorstellungen des Assistenten ist dann häufig wenig Raum. Kritische Anfragen des Assistenten an das Konzept werden vom Praxisinhaber häufig nur kurz beantwortet und nicht ausführlich diskutiert. In Praxen, in denen es "irgendwie läuft", erfolgen auf Fragen sogar oft nur Rechtfertigungen, warum es so und nicht anders geht.

Eigene Ideen sammeln

So entstehen beim Assistenzzahnarzt häufig viele Ideen, was er konkret alles anders und besser machen würde. Dabei ergeben sich fast immer Lösungen für Teilaspekte. Diese liefern jedoch kein umfassendes und konkretes Bild von einem Gesamtentwurf einer Praxis. Auch führt das Durchdenken von dem, was man anders machen könnte, sehr häufig direkt zu innerlichen Einwänden, die dann ein weiteres Durchdenken behindern. Dieses Phänomen ist aus der Kreativitätsforschung hinreichend bekannt.

Um einen Gesamtentwurf für eine Praxis zu entwickeln, muss man quasi "sein Gehirn überlisten", damit es erst einmal ein vollständiges Bild liefert und nicht sofort alle aufkommenden Ideen detailliert hinterfragt. Das ist eine grundlegende Voraussetzung für eine Entscheidung zur Gründung oder Übernahme eines Unternehmens.

Den Polarstern finden

 

Ein Zahnarzt oder Arzt, der sich niederlässt, ist von diesem Moment an hauptberuflich Unternehmer - mit allen Rechten, vor allem aber auch allen Pflichten eines Unternehmers! Nicht jeder Praxisgründer hält sich das vorab so deutlich vor Augen. Natürlich bleibt er dabei immer auch Zahnarzt oder Arzt - er hat allerdings ab jetzt zwei berufliche Identitäten.

Die Gründung (und auch die Übernahme) eines Unternehmens ist wie das Segeln über einen Ozean. Es ist sinnvoll, bei der Abfahrt sein Ziel vor Augen zu haben. Und es ist wichtig, den Polarstern am Himmel zu sehen, an dem man sich immer wieder orientieren kann. Bei der Überfahrt wird es dann Zeiten mit Rückenwind geben, in denen man richtig schnell voran kommt. Aber es wird auch einmal eine Flaute geben, und es könnte durchaus ein Sturm aufkommen. Meist werden allerdings gemäßigte Winde aus unterschiedlichen Richtungen vorherrschen, bei denen die Geschwindigkeit des Vorankommens von den Fähigkeiten des Seglers abhängig ist. Für alle derartigen Situationen sollte man gerüstet sein.

Um die Chancen, aber auch die Risiken dieses Schrittes besser abwägen zu können, hilft ein systematisches Vorgehen:

  • die Entwicklung einer Unternehmensvision - sozusagen die Konstruktion des eigenen Polarsterns.
  • die Konkretisierung dieser Vision in einem klaren Projektrahmen.
  • die Beurteilung der strategischen und wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projektrahmens.
  • das Treffen einer begründeten Entscheidung.