Praxisgründer

Atmosphäre ist Trumpf

Ein angenehmes Ambiente in der Praxis lässt sich durch viele Details erzeugen. Harmonische Raumgestaltung durch Mobiliar, Bilder, Licht, vielleicht sogar durch dezente Musik oder Gerüche sind nur einige davon.

Immer mehr Zahnmediziner und besonders Praxisgründer haben Interesse an einer durchdachten, zielgerichteten Gestaltung ihrer Praxisräume. Denn die Zufriedenheit der Patienten erwächst schon lange nicht mehr allein aus der zugewandten ärztlichen Behandlung. Wie Studien ergeben haben, beeinflussen Atmosphäre, Ausstattung und Gestaltung die Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern (1). So kann auch das Ambiente zu einem Faktor für den Praxiserfolg werden. 

Teure Ausstattung – teure Leistung?

Ein beeindruckendes Interieur vermag bestimmte Patientengruppen anzuziehen und andere abzuschrecken. Denn eine teure Ausstattung lässt teurere Leistungen erwarten. Aber auch hohe Qualität und beste Versorgung. Gerade das bildungsbürgerliche Umfeld im Alter von 30-50 Jahren erwartet von einem guten Heilberufler eine entsprechend hochwertige Gestaltung. Alter Praxismief aus den letzten Jahrzehnten, in denen die Funktionalität im Vordergrund stand, wird zumindest von dieser Zielgruppe nicht mehr gern gesehen. Anders sieht es in Praxen im ländlichen Raum aus oder bei einer starken Patientenklientel im Rentenalter. Hier kann eine moderne Ausstattung sogar eher auf Ablehnung stoßen.

Suche nach dem Praxiskonzept

Auch eine Praxis ist eine Marke, der Kerneigenschaften zugeordnet werden können – Geräusche, Klänge, Design. Dieses Bewusstsein ist besonders für Neugründer wichtig. Deshalb sollten in der Planungsphase einige richtungsweisende Fragen beantwortet werden, die für die Ausgestaltung der neuen Praxis entscheidend sind: Welche Patientenklientel soll angesprochen werden? Handelt es sich um ländliches oder städtisches Umfeld, um eine junge oder ältere Zielgruppe? In welcher Weise möchte ich mich von anderen Praxen abheben? Welches Arbeitsumfeld entspricht meinem Stil? Aus der Beantwortung dieser Fragen kristallisiert sich das passende Praxiskonzept heraus.

Atmosphäre ist vielschichtig

Das Mobiliar ist dabei längst nicht alles. Atmosphäre bedeutet auch: Gerüche, Geräusche, Beleuchtung, Pflanzen, Arbeitskleidung, Wand- und Bodengestaltung. Jeder einzelne Sinneseindruck hat einen Einfluss auf Stimmung und Gefühle. Alle zusammen tragen sie zum Wohlbefinden bei und bilden in der Summe die Atmosphäre, die von den Patienten als angenehm, modern, kalt oder gemütlich wahrgenommen wird.

Keine Angst vor Düften

Gerüche wirken schneller als jeder andere Sinnesreiz. Die olfaktorischen Reize wandern ungefiltert ins Gehirn und rufen dort Emotionen hervor. Sanfte harmonische Düfte können deshalb maßgeblich zu einer guten Atmosphäre beitragen und Stress abbauen. Prof. Dr. Stephan Doering aus der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik in Münster beobachtet schon lange, dass die Kombination aus kalter, steriler Gestaltung und dem typischen medizinischen Praxisgeruch einer der Hauptgründe für Anspannung von Angstpatienten ist. Diese Erkenntnis machen sich immer mehr Ärzte zunutze, um gegen ein Unwohlsein der Patienten vorzugehen.

Mit Musik geht's leichter

Durch sanfte Musik können innere Spannungen abgebaut werden. Für die Mehrzahl der Patienten hat eine solche musikalische Untermalung eine beruhigende Wirkung. Voraussetzung ist allerdings ein dezentes Abspielen. Ein bewährter Ruhepuls-Rhythmus von 60 Taktschlägen pro Minute ist dabei empfehlenswert. In einer Untersuchung zur Wahrnehmung von Entspannungsmusik mit 200 Patienten kam heraus, dass kein einziger Patient die Musik als unangenehm empfunden hat, außerdem verkürzte sich die subjektiv empfundene Wartezeit. Ruhige Instrumentalmusik senkt messbar den Adrenalinspiegel (2).

Eine weitere Maßnahme zur Entspannung ist es, die Tür zum Wartezimmer geschlossen zu halten. So werden Patienten von unangenehmen Geräuschen abgeschirmt. Ebenso wichtig ist natürlich auch der Schallschutz: Vertrauliche Gespräche zwischen Arzt und Patient dürfen nicht nach draußen dringen. Telefon und Türklingel sollten einen angenehmen Ton haben und Unstimmigkeiten im Team sollten nie vor Patienten ausgetragen werden.

Welches Outfit?

Die Arbeitskleidung ist als Teil der gemeinsamen Unternehmenskultur nicht zu unterschätzen. Das geht so weit, dass Kleidung Gefühle von Sympathie oder Antipathie beeinflussen kann. Ein gepflegtes Outfit hat aber auch eine besondere Wirkung auf den Träger. Gut angezogen zu sein vermittelt Sicherheit. Und einheitliche Kleidung fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team. Dabei sollte es immer etwas Spielraum für den individuellen Ausdruck geben.

Im richtigen Licht

Der Einfluss von Licht auf physische Vorgänge ist bekannt. Dennoch wird das Thema Beleuchtung in Arztpraxen häufig nicht optimal umgesetzt. Natürlich muss die Beleuchtung in den Praxisräumen funktional sein und den Normen entsprechen. Professor Heinrich Kramer vom Büro Lichtdesign Köln rät dennoch dazu, Licht nicht nur auf Sehleistung auszurichten, sondern auch auf Wohlbefinden, Gefühle und Gesundheit (3). Insbesondere am Empfang und im Wartezimmer ist freundliches Licht entscheidend, denn es nimmt Beklommenheit und schafft Vertrauen. Die Kombination aus Allgemeinbeleuchtung und akzentuiertem Licht erzielt eine empfehlenswerte Lichtatmosphäre. Und bei allem künstlichen Licht sollte immer versucht werden, soviel Tageslicht wie möglich in die Räume zu lassen.

Mobiliar- zwischen bequem und funktional

Schon bei der Planung sollte auch mit längeren Wartezeiten kalkuliert werden, deshalb dürfen die Stühle ruhig bequem sein. Auch ein Ledersofa kann empfehlenswert sein: Es bietet Sitzkomfort, ist abwaschbar und strapazierfähig. Stattdessen sind Praxismöbel jedoch häufig unbequem und noch dazu eintönig und nüchtern. Dabei reichen schon ausgewählte Einzelstücke aus, um ein großzügiges Ambiente zu erzeugen und einen Kontrast zur funktionalen Ausstattung zu bilden. Doch Vorsicht: Buntes Durcheinander sollte vermieden werden, sonst wird es zu unruhig.

Der Boden als Basis

Der Boden ist die Basis der Raumgestaltung. Auch wenn die Funktionalität hier immer noch an erster Stelle steht, sollte die Raumwirkung des Bodens beachtet werden. Große Räume lassen sich mit unterschiedlichen Bodenbelägen in verschiedene Bereiche unterteilen, beispielsweise in Empfang und offenen Wartezimmerbereich. Bei der Materialwahl ist die Auswahl vielfältig: Epoxitharz kann sehr modern wirken, große Flächen lassen sich fugenlos in jede gewünschte Farbnuance einfärben. Allerdings können Lösungsmittel enthalten sein. Robuste Hölzer wie Eiche oder Buche wirken ursprünglich, schaffen ein gesundes Raumklima und können mit Naturharzen, -ölen oder Lacken zum Schutz gegen Wasserflecken versiegelt werden. Hierbei ist die Trittschalldämmung wichtig. Linoleum oder Kautschuk sind als Bodenbeläge auf ökologischer Basis nach wie vor sehr interessant, nicht zuletzt aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften bei Gehkomfort und Trittschall. Vorsicht bei großformatigen Fliesen mit breiten Fugen. Röntgenscanner und andere sensible Geräte können selbst bei feinen Erschütterungen Probleme machen.

Blickfänger Wandgestaltung

Bei der Gestaltung gehört das Farb- und Wandkonzept zu den wichtigsten Aufgaben. Patienten über Farben und Bilder emotional anzusprechen, ist gleichzeitig eine der effektivsten und kostengünstigsten Möglichkeiten. Bilder erzeugen Erlebniswelten, mit denen Ärzte ihre Patienten sehr subtil in eine bestimmte Stimmung versetzen können.

Bilder können verschiedene Bereiche einer Praxis strukturieren und so beispielsweise Behandlungsräume von Empfang und Wartebereich optisch unterscheiden. Auch wenn dies nicht immer bewusst wahrgenommen wird, erzeugt die Gestaltung mit passenden Bildern eine unterschwellige Stimmigkeit.

Sind diese Bausteine der Atmosphäre alle berücksichtigt und optimal eingesetzt, entsteht ein angenehmes Praxisambiente, das Patientenbindung und Weiterempfehlungsrate steigern wird. Ein zufriedener Patient gibt seinen Eindruck an 4 bis 5 Personen weiter, heißt es in einer Publikation zur Patientenzufriedenheit in der allgemeinen Arztpraxis (1). Auf hundert Patienten ergibt sich daraus ein Werbeeffekt von 400-500 potenziellen Neupatienten. Darauf sollte kein Neugründer verzichten.

Literaturverzeichnis

  • 1: Patientenzufriedenheit in der Arztpraxis, K.-D. Thill, Deutscher Ärzteverlag 2008
  • 2: Verlag für Therapeutische Medien, www.vtm-stein.de/entspannung-in-arztpraxis.php
  • 3: Licht: Bauen mit Licht, Heinrich Kramer, Rudof Müller Verlag 2001