Praxisgründer

Das ideale Wartezimmer

Dieses Zimmer kann mehr als nur ein Raum zum Überbrücken der Zeit sein. Die zwölf wichtigsten Aspekte zur Planung des idealen Wartezimmers.

1. Entspannte Patienten

Das vordergründige Ziel ist es, das Wartezimmer so zu gestalten, dass sich die oft angespannten oder ängstlichen Patienten vor der Behandlung möglichst gut entspannen können. Der Trend zur Wohlfühlatmosphäre in der Praxisgestaltung zeigt sich nirgendwo deutlicher als in den Wartezimmern. Weniger offensichtlich, aber mindestens ebenso wichtig ist das Praxismarketing: Durch eine gehobene Ausstattung, eine ansprechende Gestaltung und einen sehr gepflegten Eindruck wird den Patienten signalisiert, dass hier qualitativ hochwertige Arbeiten erstellt werden.

2. Zielgruppe mitdenken

Bei der Planung sollte man seine zukünftigen Patienten vor Augen haben. An ihren Bedürfnissen muss sich die Gestaltung und Ausstattung orientieren. Das bedeutet: Es gibt nicht das eine perfekte Wartezimmer. Vielmehr geht es darum, in einer Symbiose aus der vorhandenen Architektur und dem eigenen Praxiskonzept eine optimale Wartezimmer-Lösung für seine Patienten zu entwickeln.

3. Größe - wie viel ist nötig?

Platz ist gerade in Großstadtpraxen knapp. Gespart wird gerne beim Wartezimmer. Das ist bei gut organisierten Terminpraxen auch problemlos möglich, hier reichen vier bis fünf Plätze pro Behandler aus. Das Ergebnis darf aber weder dunkel noch beklemmend wirken. Glaswände oder -türen lassen kleine Wartezimmer größer wirken und schaffen zusätzlich Transparenz zum Empfang. Bei Kieferorthopäden und Kinderzahnärzten oder bei Praxen, in denen auch operative Eingriffe vorgenommen werden, wird im Wartezimmer mehr Platz benötigt, da in der Regel Begleitpersonen mit in die Praxis kommen.

4. Barrierefreiheit - Zugänglichkeit für alle

Ein Praxisneubau muss nach DIN 18040 barrierefrei geplant werden. Das bedeutet für die Gestaltung des Wartezimmers unter anderem, dass auch körperlich beeinträchtigte Menschen den Raum selbstbestimmt betreten und verlassen können. Für Patienten im Rollstuhl sollte dabei zusätzlicher Platz eingeplant werden. Gesetzliche Grundlagen und Vorschriften sind in der Bau0 der jeweiligen Bundesländer für den öffentlichen Bereich und in der DIN 18040 beschrieben.

5. Schallschutz - angenehme Geräuschkulisse

Offene Wartebereiche sind nicht grundsätzlich verboten, aber der Datenschutz an der Anmeldung muss gewährleistet werden. Gerade in engen Eingangsbereichen, bei hohem Patientenaufkommen oder wenn kein Backoffice möglich ist, sollte der räumlichen Trennung – etwa durch Glastüren – den Vorzug gegeben werden. Dezente Lounge-Musik kann zusätzlich Geräusche überlagern und zugleich eine entspannte Atmosphäre zaubern, darf aber keinesfalls laut sein. Bohrgeräusche im Wartezimmer sind ein No-Go, hier sollten aber bereits die Türen der Behandlungszimmer für die nötige Abschirmung sorgen.

6. Fußboden, Decken, Wände - Wirkung von Farbe und Material

Die verschiedenen Ebenen sollte auch im Wartezimmer ein schlüssiges Konzept bilden. Wichtig ist die Auswahl der Farben: Stressfarben wie Rot oder Orange sollten möglichst vermieden werden. Farbtöne aus dem blau-grünen Spektrum haben dagegen eine nachgewiesene entspannende bzw. blutdrucksenkende Wirkung.

 

Trend zur Natur

Im Trend liegen moderne Interpretationen natürlicher Materialien, wie Holzpaneelen an der Wand. Beim Boden gibt es im Wartebereich unter Hygiene-Gesichtspunkten weniger zu beachten als in den Behandlungsräumen, auch hier sollte aber praktischen und langlebigen Materialien der Vorzug gegeben werden. Eine einheitliche Fußbodengestaltung für die gesamte Praxis bietet sich in der Regel an. Wichtig ist eine rutschhemmende Qualität, denn im Wartezimmer wie auch im Eingangsbereich wird das Material schnell glatt, wenn die Patienten viel Nässe hereintragen.

7. Beleuchtung - wohnliche Atmosphäre schaffen

Angenehmes, blendfreies Licht ist nicht nur in den Behandlungszimmern wichtig, sondern auch im Wartezimmer. Ideal ist eine Kombination verschiedener indirekter und direkter Lichtquellen, die eine wohnliche Atmosphäre schafft. Downlights mit moderner LED-Technik ermöglichen eine angenehme Beleuchtung und ersetzen das Tageslicht, wenn es früher dunkel wird. Mit hellen, warmen Farben an den Wänden kann man das Lichtkonzept zusätzlich unterstützen.

8. Sitzgelegenheiten - Lounge-Sessel oder Sitzsack?

Idealerweise bietet man den Patienten eine Kombination unterschiedlicher Sitzmöbel an – höhere Stühle mit Armlehnen für Ältere, Sitzsäcke für Jugendliche. Im Trend liegen besonders Lounge-Möbel und hochwertige Einzelsessel. Dabei ist es wichtig für das Wohlbefinden der Patienten, dass die Sitzgelegenheiten ausreichend Abstand haben. Ideal ist ein abgetrennter Kinderwartebereich mit passenden Sitzgelegenheiten – das ist sowohl für die Eltern, als auch für die anderen Patienten angenehm.

9. Zerstreuung und Ablenkung - Unterwasserwelt zur Entspannung

Gerade für Angstpatienten ist es wichtig, dass sie sich im Wartezimmer entspannen können. Aber auch der durchschnittliche Patient ist angespannt, bevor er in das Behandlungszimmer kommt und sollte deshalb unterschiedliche Angebote zur Zerstreuung finden. Zum Standard gehören aktuelle und zielgruppengerechte Zeitschriften. Auch der Bildschirm kann dafür sehr gut eingesetzt werden. Eine positive Stimmung wird erzeugt, wenn das Bewegtbild zur Jahreszeit passt – mit Kaminfeuer im Winter, Zugvögeln im Herbst oder Unterwasserwelten im Sommer.

10. Service - Kinder und Erwachsene ansprechen

Schon während der Wartezeit sollten den Patienten Wertschätzung und Interesse signalisiert werden. Dazu gehört es, ihnen Getränke wie ein Glas Wasser oder einen Kaffee anzubieten. Auch der Hinweis auf den Zugang zum kostenlosen W-Lan – das natürlich vom Praxisnetzwerk komplett getrennt sein muss – wird nicht nur von jugendlichen Patienten sehr positiv aufgenommen. Besondere Spielangebote für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen sorgen dafür, dass die jungen Patienten den Praxisbesuch mit positiven Erinnerungen verbinden.

11. Patienteninformation - Zeit fürs Marketing

Das Wartezimmer sollte auch für das direkte Praxismarketing genutzt werden. Neben Broschüren und Plakaten mit Informationen über das Praxisprofil und besondere Behandlungsmethoden ist der Bildschirm ein effektives Medium, um die Patienten über einzelne Leistungen der Praxis zu informieren. Eine Vorstellung des Praxisteams mit Bild gehört ebenfalls in das Wartezimmer.

12. Gutes Raumklima fürs Wohlbefinden

Vor allem bei innenliegenden Wartebereichen ist eine automatische Lüftung wichtig. Auch in Wartezimmern mit Fenstern kann eine solche Belüftung sinnvoll sein, um ein gutes Raumklima zu schaffen. Angenehme Düfte wirken entspannend und können – dezent eingesetzt – das subjektive Wohlbefinden positiv beeinflussen. Andererseits ist ein Geruch nach Desinfektionsmittel zu vermeiden, da er eher negativ belegt ist und schnell unangenehme Erinnerungen der Patienten weckt.