Praxisgründer

Schöner warten

Früher musste es vor allem zweckdienlich sein, heute erwarten die Patienten mehr als ein kleines Zimmer rundherum Stühlen an der Wand. Experte Herwig Vötterl im Gespräch über die Wartekultur in Zahnarztpraxen.

Früher saßen die Patienten meist stocksteif auf unbequemen Stühlen an der Wand. Das ist heute zum Glück anders. astragal-Fotolia

Was muss ein gutes Wartezimmer leisten?

Herwig Vötterl: Ganz grundsätzlich ist es die wichtigste Aufgabe eines Wartezimmers, dass die Patienten hier eine entspannte und angstfreie Wartezeit verbringen können. Es muss also ein angenehmes Ambiente bieten. Die Basis dafür ist ausreichend Licht und ein sehr sauberer, aufgeräumter Eindruck. Selbstverständlichkeiten sind in meinen Augen heutzutage ein Beschäftigungsangebot für Kinder und Getränke.

Aber ein Wartezimmer kann noch wesentlich mehr leisten. Gute Wartezimmer sind in das Praxiskonzept integriert. Als Bestandteil des Gesamtauftrittes unterstützt das Wartezimmer das Praxismarketing und die Patientenkommunikation. Eine stimmige Einrichtung von bester Qualität vermittelt den Patienten, dass hier hochwertige Leistungen erbracht werden

Was sind häufige Herausforderungen bei der Einrichtung?

Eine Herausforderung ist fast immer der Schallschutz, nicht nur aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zum Datenschutz, sondern auch, um das Wartezimmer gegen Bohrgeräusche abzuschirmen. Deshalb ist es wichtig, den Schallschutz im Wartezimmer – und häufig auch das Lichtkonzept – bereits in einer frühen Phase der Planung zu berücksichtigen.

Eine weitere Herausforderung ist der Platz. Gerade in Großstädten mit enormen Mieten ist es nicht einfach, die Grundfläche für einen großzügigen Wartebereich zu finanzieren.

Gibt es bestimmte Wartezimmer-Trends?

Ein Trend, den ich seit einigen Jahren beobachte, sind wertige, bequeme Stühle. Mit besonderen Stühlen oder Sesseln – die sich die Patienten vielleicht auch im Wohnbereich vorstellen können – kann man wirklich Eindruck machen. Dann braucht man auch kaum noch andere Gestaltungselemente im Wartezimmer. 

Inwiefern unterscheiden sich heutige Wartezimmer von früheren?

Grundsätzlich sind moderne Wartezimmer wesentlich freundlicher und einladender als früher. Denn die Patienten erwarten mehr als den damals üblichen kleinen Raum mit rundherum Stühlen an der Wand.

Eine weitere Entwicklung ist sicher, dass Wartezimmer immer weniger Sitzmöglichkeiten bieten, da die Ärzte wesentlich termintreuer sind als früher. Je nach Praxiskonzept reichen schon vier Sitzgelegenheiten. Maximum sind fünf oder sechs Stühle pro parallel arbeitendem Zahnarzt. Zudem findet ein Teil der Wartezeit heute auf dem Prophylaxe-Stuhl statt. Ich kenne eine hochspezialisierte Privatpraxis, die gar kein richtiges Wartezimmer mehr hat. Hier konnten in sehr guter Lage Mietkosten gespart werden, indem die Wartezeiten quasi auf Null herunter gefahren wurden.

Haben sich die Prioritäten bei der Gestaltung geändert?

Der Fokus bei der Planung und dem Design eines Wartezimmers muss heute auf den Wünschen und Anforderungen der Zielgruppen liegen. Werden viele Privatleistungen angeboten, dann kann der Patient auch eine sehr hochwertige Ausstattung erwarten. In Praxen mit einem Schwerpunkt Kinderzahnheilkunde geht es um positive Erlebnisse für die Kleinen, eine aufwendigere Gestaltung der Spielecke unterstützt die Kundenbindung. In der Alterszahnheilkunde dagegen ist die Einrichtung eher unaufgeregt, hier liegt der Fokus stärker auf der zielgruppengerechten Behandlung und umfassenden Betreuung der Patienten.