Praxisgründer: Entscheidung treffen

Was zeichnet Freiberuflichkeit aus?

Freiheit und Verantwortung als Beruf und Berufung. Freie Berufe sind anspruchsvoll – und sie haben Zukunft.

Selbst verantwortlich sein, mit allen Höhen und Tiefen. © crazymedia - Fotolia

Die Freien Berufe heißen so, weil sie mit Freiheit zu tun haben: Freiberufler sind unabhängig, oft selbstständig, jedenfalls allein für ihr Tun verantwortlich. Auch wenn sie als Angestellte tätig sind, stehen sie als Berufsträger mit ihrem Namen für die Qualität ihrer Arbeit ein. Ihr Verhältnis zum Patienten, Mandanten, Klienten und Kunden ist stets ein persönlich geprägtes.

Freiberufler sind Dienstleister mit Besonderheiten. Sie übernehmen Verantwortung und dienen dem Gemeinwohl. Wer einen Freien Beruf ergreift, sollte nicht nur talentiert sein, sondern sich auch dazu berufen fühlen. Schließlich verrichtet man keinen Dienst nach Vorschrift. Jeder Freiberufler übernimmt Verantwortung für seine Patienten, Mandanten, Klienten oder Kunden, aber eben auch für die Allgemeinheit. Die freien Heilberufe sind für die Patienten da, in jedem Winkel der Republik und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die freien rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufe verhelfen den Bürgern zu ihrem Recht – auch gegenüber dem Staat sowie dem Finanzstaat – und bieten kompetenten Rat. Das bringt Rechtsfrieden. Für Sicherheit sorgen insbesondere die freien technisch-naturwissenschaftlichen Berufe. Einige von ihnen machen zudem gemeinsam mit den freien Kulturberufen den Kulturstandort Deutschland aus.

Daraus erwächst eine Verantwortung, die Einsatz sowie Leistungsbereitschaft fordert und der man gewachsen sein muss, weil Fehlleistungen einem anderen Menschen persönlich oder auch der Allgemeinheit einen "öffentlichen“ Schaden zufügen können.

Für die Chefrolle bin ich, glaube ich, gerade noch ein bisschen zu nett.

Dorothee Schwarz

Praxisgründerin

Der Freiberufler ist also in dem Sinne frei, dass er frei von äußeren Zwängen dem bestmöglichen Ergebnis verpflichtet ist. Und damit er über diese Freiheit verfügen kann, gibt es – so paradox es anmutet – feste Regeln für den Berufszugang und die Berufsausübung:

Die Freien Berufe unterwerfen sich aus freien Stücken den mit ihrer Berufswahl einhergehenden Regeln. Dazu gehört, das anspruchsvolle Niveau ihrer wissensbasierten Dienstleistungen zu sichern: durch hohe Anforderungen an die Zulassung und die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Bestens begründete Ansprüche also, die zu erfüllen für jeden, also auch die Berufsträger in spe, selbstverständlich ist.

Von Angesicht zu Angesicht

Zu den erforderlichen beruflichen Qualifikationen und der Bereitschaft, sich stets weiterzubilden, kommen noch eine Reihe „Soft-Skills“ hinzu, die jeder angehende Freiberufler mitbringen sollte: Eine Persönlichkeit zu sein, das ist unerlässlich. Denn um seine Patienten, Mandanten, Klienten oder Kunden an sich zu binden, ist es für jeden Freiberufler wichtig, nicht nur durch sein Wissen, sondern auch sein Wesen seiner Kanzlei, seinem Büro, seiner Praxis oder auch seiner Apotheke seine ganz persönliche Note zu geben.
Freie Berufe leisten von Angesicht zu Angesicht. Das Verhältnis zu ihren Patienten, Mandanten, Klienten und Kunden ist ein höchstpersönliches. Niemand läuft als anonyme Rechnungsnummer durch. Etwas, das die Freiberufler fremdkapitalfinanzierten Ketten und börsennotierten Konzernen voraushaben. Nur in der freiberuflichen Atmosphäre kann Vertrauen, das wichtigste Arbeitsmittel, entstehen. Es ist unverzichtbar: Patienten müssen darauf vertrauen können, dass sie sich beispielsweise ihrem Zahnarzt rückhaltlos anvertrauen können, um die beste Diagnose und Therapie zu erhalten. Dem Vertrauen der Menschen muss man gerecht werden.

Die Menschen müssen sich darauf verlassen, dass die Qualität der freiberuflichen Dienstleistung stimmt. Vertrauen kann den Freien Berufen aber auch deshalb geschenkt werden, weil sie sich nicht von Dritten instrumentalisieren lassen. Freie Berufe sind fachlich und von den Interessen Dritter unabhängige Dienstleister, die ihren Beruf in Eigenverantwortung ausüben. Sie sind unabhängig in der Bildung ihres Urteils und erbringen individualisierte Leistungen. Dabei tragen sie die volle Verantwortung für ihr Handeln.

Aus welchem Holz geschnitzt?

Leistungswille, Bereitschaft zur Übernahme persönlichen Risikos, Integrität, Verschwiegenheit – das freiberufliche Anforderungsprofil ist vielschichtig. Dies sollte beherzigen, wer einen Freien Beruf ergreift. Wer sich als Freiberufler selbstständig machen will, sollte sich zudem sorgfältig abklopfen, ob er aus dem Holz geschnitzt ist, das Selbstständigkeit ausmacht. Die Freiheit, sein eigener Herr zu sein, darf nicht belasten, sondern sollte Ansporn sein.

Ohne zeitliche Flexibilität beispielsweise geht es nicht. „Zeitliche Flexibilität“ ist aber nicht als Euphemismus dafür gemeint, sich vom Beruf auffressen zu lassen. Es geht vielmehr um Spielraum, der den Reiz hat, Familie und Berufe unter einen Hut bringen zu können. Darüber hinaus sollte jeder selbstständige Freiberufler seine Marktchancen, aber auch seine Akquisefähigkeit ehrlich und realistisch einschätzen und bereit sein, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.

Gut abgesichert?

Wer sich in den Freien Berufen selbstständig machen will, sollte dies gründlich vorbereiten. Dabei gibt es schließlich viel zu beachten: Wer sein eigener Arbeitgeber ist, muss sich auch um seine eigene soziale Absicherung kümmern. So sind etwa die Krankenversicherung, aber auch die Altersvorsorge zentrale Fragen. Genau informieren sollte sich der Gründer auch über das Thema Haftung. Hier sollte er vermessen, wie wichtig ihm eine Absicherung ist. Wie essentiell dieser Punkt ist, zeigt sich daran, dass in manchen Berufen die Zulassung an den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung gekoppelt ist. Je nach persönlicher Risikoabwägung sollte auch der Abschluss einer Betriebs- beziehungsweise Praxisausfallversicherung in Erwägung gezogen werden.

Angehenden Freiberuflern eröffnet sich ein attraktiver Berufs- und Lebensweg, nah am Menschen und für den Menschen. Und: Freiberuflichkeit hat Zukunft. Die Nachfrage nach freiberuflichen Dienstleistungen wird weiter anziehen. Entsprechend werden sich die Marktchancen vergrößern, im Gesundheitssektor allemal. Die Freien Berufe werden volkswirtschaftlich immer wichtiger. Wie kaum eine andere Berufsgruppe sind sie prädestiniert dafür, den Weg zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft zu gestalten. Für Zukunftstrends entwickeln sie hochqualifizierte Lösungen und begleiten die Menschen nicht nur durch den demografischen Wandel, sondern auch in der sich rasant wandelnden Lebens- und Arbeitswelt. Eine attraktive, eine spannende, eine abwechslungsreiche und eine verantwortungsvolle Aufgabe.