Praxisgründer

"Wie gehe ich mit Zweifeln um?"

Die Gründung einer Praxis will gut überlegt sein. Wer sein Studium und seine Assistenzzeit erfolgreich beendet hat, erhält zahlreiche Angebote. Praxen werben um Übernahme, große Teams und MVZs suchen langfristig zahnärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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Häufig erscheint eine Variante wirklich vielversprechend und oft raten auch Berater zu einer entsprechenden Entscheidung. Gerade wenn vorab schon verschiedene Rahmenbedingungen festliegen (z.B. eine Niederlassung in der Heimatregion oder auf jeden Fall ein Leben im Angestelltenverhältnis) kehrt nach einer solchen Entscheidung auch Ruhe ein. Wenn jedoch die Wahlmöglichkeiten größer sind, kommt es oft zu Situationen in denen sich bald nach der anfänglichen Entscheidung doch wieder Zweifel melden. "War die Entscheidung richtig?" "Gibt es nicht doch noch eine bessere Möglichkeit?"

In diesem Fall ist es sinnvoll, sich mit der systematischen Entscheidungsfindung zu beschäftigen. Entscheidungen beinhalten immer zwei verschiedene Sichtweisen: Einerseits den kognitiven, andererseits aber auch den intuitiv-emotionalen Aspekt. Eine gute Entscheidung, die hinterher erlaubt, sich von auftretenden Zweifeln nicht verunsichern zu lassen, beinhaltet beide Anteile. Die Frage ist natürlich, wieso tauchen nach einer Entscheidung überhaupt Zweifel auf? Eine Entscheidung ist einerseits die Wahl einer Möglichkeit, andererseits aber eben auch die (endgültige) Entscheidung gegen sämtliche anderen Möglichkeiten. Wer beispielsweise einen Partner heiratet, entscheidet sich gleichzeitig gegen etwa 1-2 Milliarden andere Möglichkeiten...  Im Falle akuter Verliebtheit scheiden die anderen Möglichkeiten nahezu selbstverständlich aus. Bei einer beruflichen Entscheidung ist das jedoch in aller Regel nicht der Fall.

Tipp: Den Umgang mit dem Ruhenetzwerk üben

"Schuld" an diesen Zweifeln ist unter anderem eines der größten neuronalen Netzwerke in unserem Gehirn, das sogenannte Ruhe-Netzwerk (Default Network). Es dient unter anderem dazu, in Momenten in denen wir in einer sicheren Atmosphäre zur Ruhe kommen die noch nicht abgeschlossenen Aufgaben erneut zur Bearbeitung anzubieten. Wenn also noch nicht absolute Entschiedenheit herrscht, wird dieses Netzwerk die entsprechende Entscheidung immer wieder anbieten - und wir zweifeln.

Die Aktivität des Ruhenetzwerks ist jedem der meditiert gut bekannt. Probieren Sie einfach einmal, zwei Minuten "an nichts" zu denken - danach haben Sie vermutlich die Aktivität Ihres Ruhenetzwerks kennengelernt. Sobald man versucht, ruhig zu sein und "an nichts" zu denken, wird es aktiv. Eine wichtige Möglichkeit, hier "Ruhe zu schaffen", besteht darin, die Gedanken zu beobachten und ihnen nicht zu folgen.