Praxisgründer: Entscheidung treffen

Wirtschaftliche Aspekte der Praxisgründung

Die Niederlassung in eigener Praxis ist und bleibt wirtschaftlich attraktiv. Sie muss nur optimal vorbereitet werden.

Gewusst wie - die Selbstständigkeit kann Freiräume schaffen. Johanna Goodyear - Fotolia

Wer darüber nachdenkt, sich selbstständig zu machen, muss viele Aspekte berücksichtigen - von der Entwicklung des Gesundheitsmarktes im Allgemeinen über das finanzielle Risiko einer Existenzgründung bis hin zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der potenziellen Wirtschaftskraft der Praxis.

Der Gesundheitsmarkt - Markt mit Zukunft

Der Gesundheitsmarkt ist und bleibt ein Wachstumsmarkt. Treiber sind der demografische Wandel, der medizinisch-technische Fortschritt und die steigende Morbidität der Versicherten. Aber auch ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein führt dazu, dass Patienten mehr Leistungen in Anspruch nehmen. Schon heute investieren sie verstärkt in Leistungen des sekundären Gesundheitsmarktes. In der Zahnbehandlung sind Selbstzahlerleistungen in großen Teilen der Bevölkerung vollkommen akzeptiert: So übersteigen im Westen Deutschlands die Einnahmen der Zahnärzte aus Privatliquidation bereits die Einnahmen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung - und die Nachfrage nach Selbstzahlerleistungen wird weiter zunehmen. Zudem werden Mundgesundheit und Prävention immer wichtiger und verstärkt auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen. Dies spiegelt sich unter anderem in den neuesten gesetzlichen Vorhaben wider: So wird etwa die zahnmedizinische Versorgung von Menschen in Pflegeheimen ausgebaut und gestärkt.

Die Selbstständigkeit - Vorbehalte bremsen Existenzgründer

Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen macht der Trend zur Anstellung auch vor der Zahnärzteschaft nicht halt: Gab es 2009 schon 4.087 Zahnärzte, die in Zahnarztpraxen angestellt waren, waren es im Jahr 2013 bereits 7.733  Zahnärzte. Das bedeutet ein Plus von 89 Prozent. Doch woher rührt dieser Trend? Warum gehen immer weniger junge Zahnärzte in die Selbstständigkeit? Antworten auf diese Fragen gibt die Studie "Chance Niederlassung", die die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) 2014 unter mehr als 400 angestellten und selbstständigen Zahnärzten, Ärzten,Tierärzten und Apothekern durchgeführt hat. Demnach sehen viele angestellte Heilberufler sehr wohl Vorteile in der Selbstständigkeit - jedoch komme diese für die Befragten nur unter veränderten Voraussetzungen in Betracht. Hierzu zählen unter anderem ein geringeres finanzielles Risiko (77 Prozent) und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (56 Prozent). Doch sind diese Hürden tatsächlich so hoch, wie  weitläufig angenommen?

Finanzielles Risiko - echtes Hindernis oder grundloser Vorbehalt?

Wer eine Praxis übernimmt oder neu gründet, sieht sich zunächst mit hohen Investitionen konfrontiert. In der Regel müssen für den Traum von der eigenen Praxis je nach Praxisform zwischen 245.000 und 365.000 Euro in die Hand genommen werden. Doch hohe Investitionen sind nicht gleichbedeutend mit einem hohen Risiko. Entscheidend für den Erfolg der eigenen Praxis sind vielmehr eine gute Vorbereitung und Planung.

Entsprechend führt die apoBank bei jeder Existenzgründung eine umfassende Investitions- und Kostenberatung (INKO) durch. Hierbei wird geklärt: Was ist möglich und was ist nötig, um den Erfordernissen einer Selbstständigkeit Rechnungzu tragen? Zu Beginn werden dabei alle geplanten Investitionen und Kosten - von Personal- und Materialkosten bis hin zu Raummieten und privaten Ausgaben - aufgeschlüsselt. Auf dieser Basis ermitteln Zahnarzt und Berater schließlich gemeinsam, welcher Mindestumsatz dauerhaft erzielt werden muss, damit die eigene Praxis rentabel ist. Möglicherweise muss in dieser Phase an der einen oder anderen Stellschraube gedreht oder eine Investition zurückgestellt werden, damit das Vorhaben wirtschaftlich auf gesunden Füßen steht. Wenn der Plan aber erstellt und betriebswirtschaftlich fundiert ist, ist das wirtschaftliche Risiko überschaubar.

Dass die Finanzierung eine weniger große Herausforderung ist als zunächst angenommen, bestätigen auch die Studienergebnisse der apo-Bank. So haben 31 Prozent der heute selbstständigen Heilberufler die Finanzierung der Praxis im Vorfeld der Existenzgründung als große Hürde gesehen; im Nachhinein waren es deutlich weniger als die Hälfte.

Kooperation - gut für Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Ergebnisse der Studie "Chance Niederlassung“ zeigen zudem, dass auch softe Faktoren wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Arbeitszeitgestaltung in den Augen der Angestellten gegen die Selbstständigkeit sprechen. Und das obwohl sich Beruf und Familie auch in der Niederlassung miteinander vereinbaren lassen. Der Schlüssel kann eine Kooperation, eine Teilzulassung oder Jobsharing sein. Problematisch ist jedoch, dass jeder vierte Heilberufler diese Optionen der Berufsausübung nicht im Detail kennt und sie damit auch bei der Entscheidung nicht berücksichtigt. Wer aber über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenkt, sollte gemeinsam mit Experten diskutieren, welche Kooperationsmodelle bestehen und welches davon am besten geeignet ist, um die persönlichen Wünsche und Ziele zu realisieren.

Schließlich kann die Selbstständigkeit Freiräume und Unabhängigkeit schaffen, die sich ein eigener Chef nach seinen Bedürfnissen formt. Neben der Chance, in einer Kooperation frei zu arbeiten, ist diese Form der Berufsausübung auch wirtschaftlich sinnvoll.

Die wirtschaftliche Situation - Positiv in die Zukunft

Trotz vielfacher Diskussion über schlechte Honoraraussichten ist die wirtschaftliche Situation der Niedergelassenen insgesamt solide und deutlich attraktiver als die der Angestellten. Aktuelle Prognosen gehen von einer positiven Entwicklung der Honorare aus, eine jährliche Steigerungsrate von 2 Prozent scheint realistisch.

Hinzu kommt, dass Zahnärzte ihre Einkommenssituation aktiv gestalten können. Schon die Niederlassungsform entscheidet mit über spätere Verdienstmöglichkeiten. So bieten beispielsweise Kooperationen einen interessanten Hebel, um Kosten zu senken und den Überschussanteil der Praxis zu steigern. Das zeigt sich, wenn man den Überschussanteil einer Einzelpraxis mit dem einer 2-er Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) vergleicht: Hier wird schnell ersichtlich, dass der Überschuss je Inhaber in einer Einzelpraxis und einer 2-er  BAG annähernd gleich ausfällt. Schaut man sich die Zahlen jedoch genauer an, erkennt man, dass in der BAG zwar die Praxiseinnahmen geringer ausfallen - was auf eine geringere Arbeitszeit der einzelnen Zahnärzte schließen lässt - dies wird jedoch durch höhere sonstige Einnahmen und eine geringere Kostenstruktur aufgefangen.

Die Planung - mit Konzept zum Erfolg

Die Fakten zeigen: Die Niederlassung in eigener Praxis ist und bleibt wirtschaftlich attraktiv. Vorausgesetzt, die Selbstständigkeit wird optimal vorbereitet: angefangen bei einer genauen Analyse der Investitionen und fortlaufenden Kosten über das Finanzierungskonzept bis hin zur Praxisstruktur. So werden potenzielle Risiken von Beginn an eingegrenzt und die Praxis kann ihr volles wirtschaftliches Potenzial entfalten.

Chancen der Selbstständigkeit

90 Prozent der selbstständigen Heilberufler würden sich wieder für die Selbstständigkeit entscheiden. Als ein großes Plus für die Selbstständigkeit empfinden 90 Prozent der niedergelassenen Heilberufler die Gestaltungsmöglichkeiten in der Praxis, 83 Prozent die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und 72 Prozent die eigene Arbeitszeitgestaltung. Auch die Einkommenssituation (66 Prozent), das Aufgabenspektrum (65 Prozent) und die Aussicht auf ein enges Verhältnis zum Patienten (64 Prozent) beeinflussten die Entscheidung zugunsten der Selbstständigkeit.

Auch angestellte Heilberufler sehen Vorteile in der Selbstständigkeit und untermauern die Einschätzung der Selbstständigen: Sie schreiben der Selbstständigkeit mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheitsgrade (79 Prozent) zu. Auch die Einkommenssituation (66 Prozent) sowie die Arbeitszeitgestaltung (45 Prozent) sprechen in ihren Augen für die Selbstständigkeit.