Praxisgründer

Für einen starken Zahnarztrücken

Wirbelsäulenbeschwerden, Kopfschmerzen, steifer Nacken, taube Beine ... Das kommt Ihnen als Zahnarzt bekannt vor? Sie müssen nur ein paar Kleinigkeiten am Arbeitsplatz verändern und sich ein bisschen bewegen - dann bleiben Sie fit.

Bewegung? Ja! Aber welche Möglichkeiten sind für den Zahnarztberuf geeignet und machen vielleicht auch noch Spaß? madpixblue - Fotolia

Aufgrund des langen Sitzens und der meist starren Körperhaltung sind Rückenschmerzen bei Zahnärzten und ihren Assistenten quasi programmiert. 64 Prozent der Zahnärzte geben Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule an, 42 Prozent haltungsbedingte Kopfschmerzen, so das Ergebnis einer Studie. Neben einem Arbeitsumfeld, in dem alles auf kurze Wege und physiologische Haltung abgestimmt ist, sowie der richtigen Praxisausstattung ist vor allem die richtige Haltung beim Behandeln eine Voraussetzung für einen gesunden Körper.

Mit dem richtigen Sitzen fängt es an

Bloß keine Zwangshaltung einnehmen, lautet der weise Rat. Doch wie sieht eine ergonomische Haltung aus? Und wie lässt sie sich gerade bei langen und schwierigen Behandlungen praktisch umsetzen? Der internationale Verband der Zahnärzte (FDI) hat einige Grundsätze zur richtigen Arbeitshaltung während der Behandlung formuliert:

  • Oberarme dicht am Körper halten, angewinkelte Unterarme am besten abgestützt.
  • Der Kopf wird nur leicht gebeugt, wobei der Zahnarzt die Schultern nicht anhebt.
  • Die Füße stehen flach auf dem Boden. Besonders wichtig ist Beinfreiheit: Der Behandler sollte mit den Füßen komplett unter den Patientenstuhl reichen.

Wichtig für eine entspannte Haltung ist auch die Behandlungsposition. Oft empfohlen wird die sogenannte „12-Uhr-Position“ nach dem ergonomischen Konzept von Dr. Daryl Beach: Der Zahnarzt sitzt hinter dem waagerecht liegenden Patienten und kann dessen Kopf so positionieren, dass an allen Mundstrukturen in optimaler Haltung gearbeitet werden kann - und es stören keine Vermeidungshaltung oder -bewegungen den harmonischen Arbeitsablauf. Die Beine verschwinden dabei vollständig unter dem Patientenstuhl. Ein weiterer Vorteil: Diese Position ist auch für die Alleinbehandlung ohne Assistenz geeignet.

Spezielle Schwebestuhlkonzepte ohne Unterbau kommen diesem Ansatz entgegen. Einen Überblick über ergonomische Praxisausstattung vom Stuhl bis zur richtigen Beleuchtung gibt das unabhängige Gütesiegel „Geprüft & empfohlen“ der „Aktion Gesunder Rücken e.V.“ (AGR).

Die Patientenlagerung – auch für den Zahnarzt wichtig

Gerader Kopf und Beine, die Hüfte leicht geöffnet – so sieht die Standard-Position der Patientenlagerung aus. Was für den Patienten entspanntes Liegen bedeutet, provoziert beim Zahnarzt jedoch häufig Haltungsfehler wie einen abgewinkelten Oberarm, seitlich geneigten Kopf und einen abgespreizten Oberschenkel. Einfaches Hilfsmittel: Ein Kissen im Knie-, Schulter- und Nackenbereich, wodurch der Kopf des Patienten in eine leichte, aber dennoch angenehme Streckung fällt und der Arzt die oben empfohlene ergonomisch richtige Sitzhaltung einnehmen kann.

No pain, no gain

No pain, no gain! Wer sich dauerhaft einen stabilen, gesunden Rücken erhalten oder bereits vorhandene, berufsbedingte Rückenprobleme lindern möchte, der kommt um richtigen Sport nicht herum. Wichtig ist, dass die Bauch- und Rückenmuskeln gleichmäßig gekräftigt und immer wieder gelockert werden. Statt sportlicher Höchstleistungen kommt es darauf an, dass die Bewegung regelmäßig und ausdauernd erfolgt. Ausdauersportarten und gezielte Kräftigungsmethoden können Haltungsschäden vorbeugen und bereits bestehende Schmerzen lindern. Wichtig: Wer bereits unter Rückenschmerzen leidet, der sollte vor Trainingsbeginn unbedingt einen Facharzt oder Physiotherapeuten um Rat fragen!

Bewegung ja, aber welche?

Untrainierten und Rückengeschädigten raten Experten von Sportarten ab, die mit schnellen, wiederholten Überstreckungen der Wirbelsäule und Drehbewegungen des Rumpfes einhergehen. Dazu gehören Tennis, Golf, oder Ballsportarten wie Basket-, Fuß- und Handball. Verzichten sollte man möglichst auf Muskeltraining und Bodybuilding.

Einige Sportarten, die sich als Ausgleich eignen, haben wir für Sie zusammengestellt:


Die Suche nach der richtigen Sportart

Wenn es um die Vorbeugung und Behandlung von Rückenschmerzen geht, ist diese sanfte Art des Ausdauersports ideal. Mit dem richtigen Stockeinsatz und dem korrekten Fußabrollen werden Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder in den Armen, Beinen und dem Rumpf gleichmäßig und sanft beansprucht. Besonders positiv wirkt sich der ausgeführte Bewegungsablauf auf Wirbelsäule und speziell die Lendenwirbelsäule aus. Am einfachsten lässt sich die richtige Technik bei einem erfahrenen Nordic-Walking-Coach erlernen.

Wer regelmäßig joggt, löst Verspannungen, kräftigt die Rumpfmuskulatur, entlastet die Bandscheiben – und baut nebenher Stress ab und Kondition auf. Zentral beim Joggen ist die richtige Haltung: Während des Laufens sollten die Arme stets locker am Körper anliegen und der Oberkörper leicht nach vorne geneigt sein. Weicher Untergrund sowie gute Laufschuhe verbessern außerdem den positiven Effekt für den Rücken, da sie starke Stauchungen der Wirbelsäule sowie Verletzungen verhindern. Bei akut aufgetretenen und schwerwiegenden Rückenschmerzen, etwa aufgrund eines Bandscheibenvorfalls, sollte man vor Trainingsbeginn unbedingt den Hausarzt um Rat fragen.

Schwimmen gilt als ideale Sportart für den Rücken, nicht zuletzt, weil der Auftrieb die Gelenke schont. Das gilt allerdings vor allem beim Kraulen oder Rückenschwimmen. Beim Brustschwimmen hingegen wird die Halswirbelsäure leicht überstreckt, da der Kopf starr aus dem Wasser gehalten wird. Wer dennoch das Brustschwimmen vorzieht: Bei jedem Zug sollte der Kopf einmal die Wasseroberfläche durchbrechen. Die Blickrichtung geht dabei nach schräg vorne – das hält den Nacken gerade.

Die in den 1960er Jahren von Joseph Pilates gegründete Trainingsmethode stärkt vor allem Bauch, unteren Rücken und Beckenboden. Ziel ist der Aufbau einer starken Körpermitte – das sogenannte „Powerhouse“. Und genau das macht es auch zu einem idealen Training bei Rückenschmerzen, da es Dehnung und Kräftigung der Rückenmuskulatur vereint. Bei der Trainerauswahl sollten Sie aber kritisch sein, denn Pilates kann – wenn es falsch ausgeführt wird – auch Schäden am Rücken anrichten. Tipps und Informationen gibt der Deutsche Pilates-Verband e.V.

Das bei chronischen Schmerzen am häufigsten angewandte und am besten untersuchte Entspannungs-Verfahren ist die progressive Muskelentspannung des amerikanischen Arztes Edmund Jacobsen. Hier geht es darum, sich auf die Anspannung und Entspannung einzelner Muskelpartien und auf die Empfindungen, die mit diesen unterschiedlichen Zuständen einhergehen, zu konzentrieren. Ziel der progressiven Muskelentspannung ist es, die Wahrnehmung für die eigene Muskulatur zu schulen, um Körpersignale besser zu erspüren. Ein reflektorisches Hochziehen der Schultern oder eine anhaltende Nackenspannung werden registriert und durch die gelernte Entspannungsreaktion gelöst.

Ein relativ neuer Trend, der Elemente verschiedener Entspannungsübungen wie natürlich Yoga, aber auch Rückengymnastik, Feldenkrais und Qigong vereint. Ziel ist hier, die Lendenwirbelsäure wieder in ihre natürliche Stellung – die doppelte S-Form – zu bringen. Zudem sorgt konstante Rücken-Yoga-Praxis für geistige Ausgeglichenheit und bessere Stressresistenz. Wichtig: Alle Übungen sollten entspannt und ohne Schmerzen ausgeführt werden.

Wer lieber in den eigenen vier Wänden aktiv werden will, für den gibt es eine große Anzahl an qualitativ hochwertigen Videos, Handy-Apps oder Buchratgebern, welche die Trainingsstunde ins Wohnzimmer bringen. Ein guter Ansprechpartner ist auch hier die „Aktion Gesunder Rücken e.V.“ (AGR). Gemeinsam mit der Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR) hat sie einfache Übungen zusammengestellt, die sich problemlos ohne viel Aufwand in den Alltag integrieren lassen (www.agr-ev.de/de/geprueft-und-empfohlen/rueckenuebungen).


Barbara Domschky schreibt als freie Texterin und Autorin für verschiedene Zeitungen und Verlage zu den Themen Reisen, Lifestyle und Gesundheit. Sie lebt in Hamburg.