Praxisgründer

Nicht ohne meine Förderung!

Praxisgründer haben verschiedene Möglichkeiten, Fördermittel zu beantragen. Ein Kompass für Finanzhilfen, die Sie kennen sollten.

Zuschüsse und Darlehen helfen beim Sprung in die Selbstständigkeit. Fotolia

Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte stehen irgendwann im Laufe ihres Arbeitslebens vor der Entscheidung, eine eigene Zahnarztpraxis zu gründen, eine bestehende zu übernehmen oder sich an einer Praxis zu beteiligen. Hauptbedenken bei diesem wichtigen Karriereschritt ist häufig die finanzielle Unsicherheit, besonders in der Startzeit. Doch hier stehen den Medizinern zahlreiche Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Fördermittel werden grundsätzlich in Zuschüsse (nicht rückzahlbar) und zinsvergünstigte Darlehen unterteilt. Fördermittelgeber sind dabei in der Regel die EU, der Bund oder die jeweiligen Länder. Durch die Förderungen soll immer ein Anreiz gegeben werden, etwas zu tun - logische Konsequenz daraus ist, dass ein Fördermittelantrag immer vor dem Start des geförderten Projekts erfolgen muss.

Gut beraten - Vorgründungsberatung

Die erste Förderung, die für jeden Mediziner in Frage kommt, kann schon vor der Praxisgründung beantragt werden. Es handelt sich um Förderungen für unterstützende Beratungsleistungen. Diese Beratungskostenzuschüsse sind für qualifizierte, betriebswirtschaftlich orientierte Niederlassungsberatungen möglich. Im Mittelpunkt steht in der Regel das Niederlassungskonzept mit allen relevanten Bereichen wie Standort, Personal, Organisation, Finanzierung, Rentabilitätsberechnungen, Ermittlung des Kapitalbedarfs, Positionierung und das flankierende Praxismarketing.
Jedes Bundesland regelt individuell diese „Vorgründungsberatung“. Die Zuschusshöhe variiert je nach Bundesland und Art der Niederlassung zwischen 50% - 90% der Kosten. Auch die mögliche Beratungsdauer ist unterschiedlich geregelt und variiert von 2 - 20 Tagen. Dadurch sind Zuschüsse von 800 EUR bis hin zu 10.000 EUR zu erreichen. Wenn es dann nach solider Planung an die konkrete Umsetzung geht, sind zahlreiche weitere Förderungen denkbar.

Solides Startkapital - Förderkredite und Investitionszuschüsse

Für die Finanzierung des Vorhabens kommen unterschiedliche Förderkredite in Frage. Die bekanntesten Förderkredite für Praxisgründer sind die KFW-Gründerkredite, deren Inanspruchnahme bis zu 3 Jahre nach Praxisgründung machbar ist. Sie werden von der KFW-Bank vergeben und stehen bundesweit zur Verfügung. Wesentlicher Vorteil dieser Kredite ist, dass sie liquiditätsschonend mit einer tilgungsfreien Anlaufzeit gewährt werden: Der Kreditnehmer muss also zu Beginn der Laufzeit über einen festgelegten Zeitraum nur geringe monatliche Zinszahlungen leisten und die eigentliche Tilgung des Kredits setzt erst später ein. Dies ist insbesondere für Praxisneugründungen ohne bereits bestehenden Patientenstamm und mit anfänglich niedrigem Umsatz ein großer Vorteil. Es gibt die KFW-Gründerkredite in 2 Versionen:
Das „StartGeld“ gilt für Vorhaben mit einem Kapitalbedarf von bis zu 100.000 EUR. Der Kredit wird zu sehr günstigen Konditionen - unabhängig von Sicherheiten und der eigenen Bonität - angeboten. Die KFW-Bank gewährt der Hausbank zudem eine Haftungsfreistellung in Höhe von 80%, so dass ein leichter Kreditzugang möglich ist.
Da in der Regel der Kapitalbedarf deutlich höher ist, ist der ERP-Gründerkredit in der Variante „Universell“ im täglichen Geschäft das häufiger genutzte Mittel. Hier werden Kredite bis zu einem Kapitalbedarf von 10 Millionen EUR zu besonders günstigen Konditionen vergeben, dies allerdings - in Abhängigkeit von Sicherheiten und der eigenen Bonität - in unterschiedlichen Preisklassen.

Geldmittel der Bundesländer

Auch die Bundesländer stellen Gründerkredite über die jeweiligen Landesbanken zur Verfügung. Dabei werden die bereits vom Bund subventionierten Kredite der KFW-Bank erneut durch Landesmittel subventioniert, was in der Folge zu noch günstigeren Konditionen führt. Es lohnt sich, die Möglichkeiten der zinsgünstigen Darlehen zu prüfen, da bei der Gründung einer Zahnarztpraxis relativ hohe Darlehenssummen auflaufen und selbst geringe Zinsunterschiede deutliche finanzielle Auswirkungen haben.
In einigen der neuen Bundesländer gibt es neben zinsgünstigen Darlehen auch noch Investitionszuschüsse in Form einer Anteilsfinanzierung. Hier sind Zuschüsse zu bevorstehenden Investitionen in Sachanlagen zwischen 20 und 35 % möglich. Auch hier lohnt es sich, sehr genau zu forschen.