Gründung

"Heute würde ich nicht nach Mallorca gehen"

Nur wenige Meter von Frank Schmieders Praxis entfernt mündet der feine Sandstrand in das türkis glitzernde Mittelmeer. Seit sechs Jahren ist der deutsche Zahnarzt auf Mallorca niedergelassen.

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zm-online: Herr Schmieder, stellen Sie sich doch bitte einmal vor.

Frank Schmieder: Wir sind eine qualitätsorientierte, moderne, digitalisierte Praxis in Cala Millor im Nordosten der Insel und arbeiten mit zwei deutschen Zahntechnikermeistern in Palma zusammen. Derzeit sind ich als behandelnder Zahnarzt, eine zertifizierte Praxismanagerin - meine Frau - und eine Zahnmedizinische Fachangestellte mit Schwerpunkt Prophylaxe in der Praxis tätig.

Wir verwenden ausschließlich hochwertiges Material - zum Beispiel Camlog- und Straumann-Implantate - und keine China-Importe wie einige Kollegen in Deutschland, die diese aus wirtschaftlichen Gründen anbieten müssen. Aufgrund der niedrigen Labor- und Nebenkosten können wir hochwertige Qualität preiswerter anbieten als Kollegen in Deutschland. Ich darf sagen, wir sind die einzigen hier im Nordosten, die diese Preisstruktur und ein so umfangreiches Behandlungsspektrum anbieten.

Wie ist das spanische Gesundheitssystem - in groben Zügen - aufgebaut?

Das spanische Gesundheitssystem ist ähnlich dem deutschen System aufgebaut. Der große Unterschied ist, dass Mann oder Frau zu einem bestimmten Arzt beziehungsweise Zahnarzt - vergleichbar mit einem Betriebsarzt - gehen muss, um seine Kassenleistung zu bekommen. Diese Ärzte sind beim Gesundheitsamt angestellt. Möchte man die freie Arztwahl nutzen, so sind es reine Privatleistungen und diese müssen dann dementsprechend bezahlt werden.

Welche zahnmedizinischen Behandlungen werden von der Krankenkasse übernommen?

Zahnextraktion und Kontrolluntersuchungen. Bei einer billigen privaten Zusatzversicherung werden ähnlich wie in Deutschland diverse andere Behandlungen übernommen, aber nur durch den Vertragszahnarzt der jeweiligen Krankenkasse. Zahnersatz oder größere chirurgische Eingriffe werden nicht bezahlt. Da muss man schon eine teure - circa 400 bis 500 Euro monatlich - Zusatzversicherung in Anspruch nehmen.

Nun sind ja viele Deutsche nach Mallorca ausgewandert - beobachten Sie eine Altersarmut?

Nein.

Wie gestaltet sich der Praxisalltag für Sie in der Hauptsaison?

Bei uns ist das ganze Jahr Hauptsaison. Die Patienten sind nur anders gruppiert, sprich im Sommer sind es vermehrt Urlauber und im Winter sind es die Residenten von der Insel beziehungsweise "Zahntouristen“ aus Deutschland, der Schweiz und England. Da wir eine Bestellpraxis sind, haben wir ganz normal reservierte Termine und "Schmerzzeiten“.

Wie kamen Sie denn auf die Idee nach Mallorca zu gehen?

Ich bin jetzt seit sechs Jahren hier auf der Insel tätig. Der Hauptgrund waren der extreme Verwaltungsaufwand und das Übermaß an Bürokratie in Deutschland. Ich bin Zahnarzt und kein Verwaltungsangestellter. Mir macht der Beruf Freude und das möchte ich meinen Patienten auch vermitteln.

In Deutschland haben wir sehr viel Behandlungen in Vollnarkose beziehungsweise Sedierungen durchgeführt und die damit verbundene Bürokratie seitens der Krankenkassen oder der Gutachter wurde immer extremer und zeitaufwendiger. Sehr oft waren die Argumente der Krankenkassen und/oder der Gutachter nicht nachvollziehbar. Der Leidtragende war immer der Patient.

Und wie schwer war es, sich auf Mallorca eine eigene Praxis aufzubauen?

Man muss sich genauso wie in Deutschland Gedanken machen über das Wo, Wie, Wann. Es braucht eine gewisse Zeit, damit sich eine neue Praxis etabliert - wie überall auf der Welt. Wichtig ist, dass man ein Konzept hat, daran glaubt und es dann auch umsetzt. Auch wenn es mal längere Durststrecken geben sollte.

Etwa vier Jahre habe ich gebraucht, um mich zu 100 Prozent zu etablieren. Sprachkenntnisse sind extrem hilfreich. Die Auflagen für Zahnärzte aus dem Ausland sind bei einer Neugründung deutlich höher als die in Deutschland. Spezielle Richtlinien seitens zum Beispiel Baugenehmigung, Umbauarbeiten, Klimaanlage, Elektrizität, Lasergeräte, Hygienemaßnahmen, Laborbereich, Ausbildungsnachweise et cetera werden hier extremer kontrolliert und überprüft.

Welche bürokratischen Hürden gilt es denn in Spanien zu meistern?

Alle benötigten Unterlagen müssen übersetzt und beglaubigt werden. Das sind nicht wenige. Aber nicht alle Unterlagen werden problemlos von der Zahnärztekammer anerkannt. Meine Röntgenausbildung etwa musste ich durch eine spanische Prüfung nochmals bestätigen.

Behandeln Sie hauptsächlich deutsche Touristen oder kommen auch viele Einheimische zu Ihnen?

Wie schon gesagt, wir haben das ganze Jahr Hauptsaison. Im Sommer mehr Touristen und im Winter sind es die Residenten von der ganzen Insel und Zahntouristen. Unser Klienten (Touristen und Residenten) gliedern sich in 80 Prozent Deutsche, 15 Prozent Engländer und Schweizer und fünf Prozent Spanier.

Gibt es  typische "Touristen-Zahnleiden"?

Ja, die gibt es. Diese sind sehr oft dadurch bedingt, dass man versucht, mit Schmerztabletten über die Runden zu kommen, und sich dann in Deutschland behandeln lassen will. Nur zur Info: Hier auf der Insel gibt es keinen zahnärztlichen Notdienst wie in Deutschland. Ich biete den Notdienst freiwillig an und als Service unserer Praxis. Zu den Zahnleiden gehören die Nervenentzündung, Füllungsverlust, Zahnfrakturen, Verletzungen nach einem Sturz und die Reparatur von Zahnersatz.

Hatten Sie als deutscher Zahnarzt vor Ort mit Vorurteilen zu kämpfen?

Nein. Es ist manchmal nur erschreckend, wenn man die Aussagen einiger Touristen hört: "Sie sind aber sehr modern und fortschrittlich eingerichtet. Besser als mein Zahnarzt in Deutschland!“ Dann fragt man sich: Wieso soll es hier auf Mallorca keine qualifizierten Zahnärzte geben? Mallorca ist doch nicht Dritte Welt.

Inwiefern spüren Sie auf der Insel die Auswirkungen der Bankenkrise?

Gar nicht. Im Gegenteil, der Anteil an Zahntourismus aus England und der Schweiz ist deutlich gestiegen, weil wir sehr großen Wert auf Qualität legen und preiswerter sind. Wir können hier ganz anders wirtschaftlich kalkulieren und damit sind wir bei gleicher Qualität preiswerter als zum Beispiel in der Schweiz.

Vermissen Sie eigentlich etwas?

Ab und an die alten Freunde.

Würden Sie sich heute noch einmal auf Mallorca niederlassen?

Falls ich heute nochmals vor der Entscheidung stünde, Praxisneugründung: ja oder nein? Ich würde mit Nein antworten, da das Angebot an Zahnärzten hier auf Insel derzeit gesättigt ist. Auch die Auflagen für eine Neugründung haben sich verschärft.

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