Brennpunkt

Ältere Väter, psychisch kranke Kinder

Kinder älterer Väter haben demnach ein erheblich höheres Risiko für psychische Störungen, ADHS, Autismus und Süchte, kämpfen aber auch überdurchschnittlich oft mit Problemen in Schule, Ausbildung und Beruf.

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Der Trend geht zu immer älteren Eltern: In den vergangenen 40 Jahren ist das Durchschnittsalter von Müttern und Vätern zunehmend gestiegen, in den USA beispielsweise von 21 auf 25 Jahre. Vor allem Akademiker entscheiden sich oft dafür, zuerst ihre berufliche Laufbahn zu verfolgen und dann Kinder zu bekommen. Dass das Alter der Mutter das Risiko für gesundheitliche Probleme beim Nachwuchs erhöht, ist schon länger bekannt. So steigt beispielsweise die Gefahr für die Trisomie 21.

Welche Rolle aber das Alter des Vaters spielt, beginnen Forscher erst allmählich zu ergründen. Es gab bereits erste Hinweise darauf, dass Kinder älterer Väter häufiger psychische Probleme bekommen, die Ergebnisse waren aber widersprüchlich.

Brian D'Onofrio von der Indiana University in Bloomington und seine Kollegen haben nun die bisher größte Studie zu diesem Thema durchgeführt. Sie werteten dazu die Daten einer Kohortenstudie aus, die alle Kinder umfasste, die in Schweden in den Jahren 1973 bis 2001 geboren wurden. Dabei überprüften die Forscher, ob Krankheiten und psychische Störungen wie Autismus, die Aufmerksamkeitsstörung ADHS, Schizophrenie, bipolare Störung und Süchte bei Kindern älterer Väter häufiger vorkommen als bei denen jüngerer. Auch den akademischen und beruflichen Werdegang der Kinder bezogen sie mit ein.

Geschockte Forscher

Für die Kinder kann dies jedoch schwerwiegende Folgen haben, wie die bisher größte Studie dazu nun zeigt: "Wir waren geschockt über die Ergebnisse", zitiert Bild der Wissenschaften D'Onofrio. Die Auswertung ergab einen sehr viel stärkeren Zusammenhang als zuvor angenommen. Demnach hat ein Kind eines 45-Jährigen ein 13-fach höheres Risiko für ADHS, ein 25-fach höheres Risiko für eine bipolare Störung und ein 3,4-fach höheres Risiko für Autismus als der Nachwuchs eines 25-Jährigen. Auch Süchte und Probleme in Ausbildung und Beruf häuften sich bei Kindern älterer Väter. Wie die Forscher berichten, nahm die Häufigkeit dieser Störungen und Erkrankungen proportional zum Alter des Vaters zu. Es gibt demnach kein Grenzalter, ab dem solche Folgen plötzlich gehäuft auftreten.

Der Zusammenhang zwischen älteren Vätern und psychischen Problemen der Kinder blieb auch erhalten, als die Forscher Unterschiede in Lebensweise, Einkommen und Bildung der Eltern berücksichtigten. Weil vor allem besser verdienende Akademiker spät Kinder bekommen, ging man bisher davon aus, dass der positive Effekt wirtschaftlich gesicherter Verhältnisse und reiferer Eltern mögliche negative Folgen ausgleicht. Doch wie sich nun zeigt, scheint dies nicht der Fall zu sein. Das höhere Risiko bei älteren Vätern blieb sogar dann erhalten, wenn die Wissenschaftler mit größerem Abstand geborene Geschwister oder Cousins und Cousinen verglichen.

D'Onofrio und seine Kollegen vermuten die Ursache hinter diesem negativen Effekt in der anhaltenden Spermienproduktion der Männer: Während Frauen alle Eizellen bereits in ihrer Jugend anlegen und sie dann nur noch heranreifen, entstehen die Spermien des Mannes das gesamte Leben lang neu aus der Teilung von Vorläuferzellen. Jede Teilung aber beinhaltet das Risiko von Fehlkopien und Mutationen - und dieses Risiko steigt mit dem Alter und mit schädlichen Umwelteinflüssen. Molekulargenetische Studien haben bereits gezeigt, dass die Spermien älterer Männer tatsächlich mehr Mutationen enthalten.

"Unsere Ergebnisse bedeuten zwar nicht, dass jedes Kind eines älteren Vaters solche Probleme bekommen wird", betont D'Onofrio. "Aber sie bestätigen frühere Hinweise darauf, dass ein höheres Alter der Väter das Risiko für ernsthafte Probleme der Kinder erhöht."

Halte der Trend zu immer späterer Familiengründung an, dann könnte das bedeutende soziale und gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen, so der Forscher. Es sei daher umso wichtiger, Männern und Frauen die Möglichkeiten zu geben, schon früh Kinder zu bekommen, ohne dass sie dafür berufliche oder soziale Einbußen in Kauf nehmen müssen.

 Brian D'Onofrio (Indiana University, Bloomington) et al., JAMA Psychiatry


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