Brennpunkt

Alles zur Pest

Hierzulande gilt die Pest als Seuche des Mittelalters und damit für ausgerottet. Doch bis heute fordert sie Jahr für Jahr neue Todesopfer. Sie zählt zu den gefährlichsten Biowaffen-Kandidaten.

Erica_Guilane-Nachez-Fotolia

Auf Madagaskar starben dieses Jahr über 50 Menschen an der Pest. An einer Krankheit, die sich in Europa wie keine andere in das kollektive Gedächtnis eingegraben hat, so groß war das verursachte Grauen als die Pest wütete: Mitte des 14. Jahrhunderts raffte der Schwarze Tod ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahin - rund 25 Millionen Menschen. 

Dauerhaft unbesiegbar

Heute kennen Mediziner den Erreger der Pest - das Bakterium Yersinia pestis - und wissen, wie sie ihn bekämpfen müssen. „Dennoch sollte die Pest nicht unterschätzt werden“, sagt Elisabeth Carniel, Leiterin der Yersinia Forschungsabteilung des Institut Pasteur in Paris. Denn dauerhaft lässt sich die Pest nicht besiegen. 

Zwischen 2.000 bis 3.000 Menschen erkranken laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich, vor allem in Afrika und Asien. Seit 1990 taucht die Krankheit in Ländern wieder auf, die jahrzehntelang keinen einzigen Fall registriert hatten. 1994 bricht sie nach 30-jähriger Pause in Indien wieder aus und auch in Sambia, Jordanien und Algerien werden nach Jahrzehnten der vermeintlichen Ruhe wieder Pestfälle gemeldet. 

Die Erreger überdauern in Ratten

Wissenschaftler wissen, warum die Pest immer wieder ausbricht: „Die Erreger überdauern in Ratten und anderen Nagern. Und da es unmöglich ist, Ratten auszurotten, überlebt auch das Pestbakterium“, sagt Carniel. Die eigentlichen Überträger der Pest auf den Menschen sind allerdings Flöhe, die auf den Ratten leben und deren Blut saugen.

„Voraussetzung für das Wiederauftreten der Pest ist ein enges Zusammenleben von Ratten und Menschen“, sagt Hansjakob Furrer von der Universitätsklinik für Infektionsbiologie in Bern. Dann nämlich „verirren“ sich Rattenflöhe auch auf Menschen und übertragen mit ihrem Biss die Pestbakterien. „In Afrika und Asien ist das - bei gleichzeitig weniger gut ausgebautem Gesundheitssystem - öfter gegeben, was die Ausbreitung der Krankheit ermöglicht“, so Furrer. 

Madagaskar ist eins der ärmsten Länder der Welt und damit eins jener Länder, wo Menschen und Ratten sich zwangsläufig näher kommen: Die unzureichende Müllabfuhr sorgt dafür, dass sich die Nager prächtig vermehren. Zudem fliehen diese jedes Jahr zur Regenzeit aus den überfluteten Kanalisationen an die Oberfläche und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit einer Pestepidemie. Erschwerend kommt hinzu, dass die Flöhe immer resistenter werden gegen Insektengifte, die auf  Madagaskar viel genutzt werden.  

Vorsicht vor Präriehunden und Murmeltieren

Vereinzelte Pestfälle treten aber auch immer wieder in reichen Ländern wie den USA auf. Pestträger sind hier Präriehunde und Murmeltiere, deren Flöhe über den Kontakt mit Hunden und Katzen auch Menschen befallen können. 

Einmal gebissen, stellen sich nach wenigen Tagen hohes Fieber und Schüttelfrost ein. Hinzu kommen schmerzhaft geschwollene Lymphknoten, die wie Beulen unter der Haut hervortreten. Die sogenannte Beulenpest überlebt rund die Hälfte der Infizierten auch ohne Behandlung. Befallen die Erreger die Lunge, spricht man von Lungenpest. Der Kranke hustet Blut, wodurch die Erreger durch ausgehustete Flüssigkeitströpfchen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Lungenpest endet unbehandelt innerhalb weniger Tage meist tödlich.

11450661142196114219711421981145067 1145068 1142201
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare