Brennpunkt

Anpacken statt abwarten

Junge Zahnärzte und Zahnärztinnen haben in der Standespolitik Seltenheitswert. Wir stellen Kollegen und Kolleginnen vor, die sich schon zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für die Zahnärzteschaft engagieren und fragen nach, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

Vario Images

„Ich engagiere mich in der Berufspolitik, weil ich lieber aktiv gestalten möchte, anstatt nur hinzunehmen“, sagt Juliane Gnoth, 31 Jahre. privat

Nur zusehen, ist nicht ihr Ding. Juliane Gnoth will mit anpacken. Das war schon während des Studiums so. Der Einstieg in den Beruf hat an ihrem vielfältigen Engagement nichts geändert.

Ignoranz ist Juliane Gnoths ganz persönlicher Aufreger. "Wenn Leute Fakten ignorieren und Dinge einfach nur so hinnehmen, wie sie ihnen vorgesetzt werden, ohne sich dagegen aufzulehnen oder ohne sich zumindest zu beschweren, macht mich das sauer“, sagt die junge Zahnärztin aus Berlin.

Die 31-Jährige hat 2007 ihr Examen in Leipzig gemacht. Schon an der Uni habe sie sich dafür verantwortlich gefühlt, wenn ihre Kommilitonen Probleme hatten. Logisch also, dass sie deren Interessen viele Jahre als Studentensprecherin vertrat. Gleichzeitig war sie Präsidentin der Studentenorganisation „International Association of Dental Students“ (IADS).

Zurzeit engagiert sich Gnoth als Head of Communication für „Young Dentists Worldwide“ (YDW). Doch damit nicht genug: Sie ist außerdem Beisitzerin im Dentista Club, aktives Mitglied des FVDZ und engagiert sich für den Bundesverband Freier Berufe.

Im Jahr 2011 stieg Gnoth zusätzlich in die Berufspolitik ein. Sie wurde in den Vorstand der Zahnärztekammer Berlin gewählt und ist dort für die zahnärztliche Fort- und Weiterbildung verantwortlich. Zu den Aufgaben ihres Referats gehört es, den Oralchirurgen, Kieferorthopäden und Fachzahnärzten für das öffentliche Gesundheitswesen eine Weiterbildungsberechtigung auszusprechen und die Fachzahnarztprüfungen zu organisieren. "Ich überprüfe, ob alle Formalien erfüllt werden und halte die Augen auf, wo gerade fachliche Trends sind und zu welchen Themen Fortbildungen spannend wären“, beschreibt die aus dem Vogtland stammende Zahnärztin ihren Zuständigkeitsbereich.

Als Vorstandsmitglied nimmt sie zudem an den alle zwei Wochen stattfindenden Vorstandssitzungen teil. "Dort besprechen wir, was gerade aktuell ist. Neben den Angelegenheiten der verschiedenen Ressorts sind das auch Themen, die in der Bundeszahnärztekammer diskutiert werden“, erklärt sie.

Um das Vorstandsamt hat sich Gnoth nicht beworben, sie wurde gefragt. "Mein Verband, der FVDZ, hat junge Zahnärzte gesucht, die mitmachen wollen. Und da ich mich schon in so vielen Gremien engagiert habe, war es für mich einfach naheliegend, mich auch in die Standespolitik einzubringen“, berichtet sie.

Im Vorstand ist sie mit Abstand die Jüngste. Vor der letzten Kammerwahl habe noch ein Kollege mitgemacht, der Mitte 30 war, jetzt sei keiner unter 40. Der Altersunterschied - und damit auch die geringe berufspolitische Erfahrung - hat Juliane Gnoth bei der Zusammenarbeit mit den Kollegen bisher keine Probleme bereitet. "Das hat mich positiv überrascht, ich hatte mir den Einstieg nämlich schwieriger vorgestellt“, sagt sie. Es sei aber so, dass sie sich mit Fragen und Problemen jederzeit an die anderen Vorstandsmitglieder wenden könne, ohne mit komischen Reaktionen rechnen zu müssen.

"Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, wissen, dass ich meine Meinung sagen und Entscheidungen treffen kann. Und wenn man seinen Job gut macht, wenn man liefert und zeigt, dass man mitdenkt und etwas bewegen will, wird man auch respektiert“, erklärt Gnoth.

Dass junge Leute in der Standespolitik vertreten sind, ist der angestellten Zahnärztin mit den Schwerpunkten CMD und Seniorenheimbetreuung wichtig. Junge Kollegen bringen ihrer Meinung nach neue Einblicke in den Beruf mit und erleben am eigenen Leib, wie sich das Berufsbild wandelt.

"Die Zeiten, in denen sich Zahnärzte nach ihrer Assistenzzeit ausnahmslos in einer Einzelpraxis niedergelassen oder ihren Fachzahnarzt gemacht haben, sind vorbei“, stellt die Berlinerin fest. "Die Art und Weise, wie wir unseren Beruf ausüben, verändert sich. Ich versuche, den Kollegen, die schon länger dabei sind, zu erklären, dass es inzwischen viele andere Lebenskonzepte gibt, auf die wir als Standespolitiker eingehen müssen.“

Dazu gehört laut Gnoth, dass viele junge Kollegen lieber gemeinsam eine Praxis gründen wollen, die unterschiedliche Fachbereiche abdeckt. Wieder andere zögen ein Angestelltenverhältnis vor. "Außerdem nimmt die Zahl der Zahnärztinnen und Zahnärzte zu, die sich mehr Zeit für ihre Familie wünschen“, fügt sie hinzu.

Im Fortbildungsressort setzt sie sich deshalb dafür ein, dass Weiterbildungen standardmäßig in Teilzeit möglich werden. Momentan sei das nur in Ausnahmefällen erlaubt. "Hier muss man den neuen Lebenskonzepten offen gegenüberstehen. In einer Vollzeitweiterbildung ist das Einkommen manchmal nicht hoch genug, um davon eine Familie zu ernähren. Da muss man sich unter Umständen entscheiden, ob man den Fachzahnarzt oder eine Familie will“, erklärt die Zahnärztin. Talente gingen einem so durch die Lappen.

Viele Kollegen nehmen aus Gnoths Sicht zu wenig Notiz von der Standespolitik. Das zeige schon die geringe Beteiligung von unter 40 Prozent bei den letzten Wahlen zur Kammerversammlung. Sie und die anderen Vorstandsmitglieder habe das deprimiert.

"Ich habe zunehmend den Eindruck, dass es vielen egal ist, was politisch um sie herum passiert. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass wir als Standespolitiker bei bestimmten Dingen nur bedingt etwas bewirken können. Aber wenn ich etwas kreativ mitgestalte, habe ich immerhin nicht das Gefühl, Entwicklungen nur hinzunehmen“, erklärt die Standespolitikerin.

Gnoth hat kein Patentrezept dafür, wie man vor allen Dingen Berufseinsteiger besser aktivieren kann. "Das Grundinteresse kann man nicht erzeugen, das müssen die Leute von sich aus finden“, sagt sie. Der Kammervertreterin ist klar, dass man jungen Zahnärzten erst einmal Zeit geben müsse, sich zu orientieren und Erfahrungen im Praxisalltag zu sammeln. Denn ohne die könnten sie ihre Kollegen gar nicht sinnvoll vertreten.

Allen, die sich zurechtgefunden haben, empfiehlt Gnoth als ersten Schritt, einfach mal die Sitzungen eines zahnärztlichen Verbands, mit dessen Zielen sie sich identifizieren können, zu besuchen: "Man muss ja nicht gleich Mitglied werden, aber man sollte keine Scheu haben, hinzugehen und zu schauen, wie die Leute so drauf sind. Wenn man sich wohlfühlt, kann das der Einstieg sein, die eine oder andere Sache mitzubewegen.“

Hilfreich wäre es aus Gnoths Sicht auch, wenn die zahnärztlichen Verbände damit anfangen würden, sich bewusst zu machen, dass ihre derzeitigen Mitglieder aus Altersgründen mittelfristig nicht mehr aktiv sein werden. "Sie müssen sich klar darüber werden, dass es wichtig ist, Leute aus jeder Generation in die Arbeit einzubinden. Dazu gehört es, den Jüngeren eine Chance zu geben, sich zu beweisen“, plädiert sie.

Frauen müssen sich stärker einbringen

Gnoth würde gerne mehr Frauen in der Standespolitik sehen. "Gerade weil wir immer mehr Zahnärztinnen werden, wäre es wichtig, dass sich die Frauen in jeder Kammer und KZV verstärkt einbringen. Der Beruf wird immer weiblicher und es ist nicht in Ordnung, wenn Männer etwas verwalten, was gleichwohl Frauen angeht“, stellt die junge Zahnärztin fest.

Gnoth, die im Vorstand der Berliner Kammer die einzige Frau ist, erklärt das Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Standespolitikern damit, dass Frauen oft zurückhaltender seien. Männer gehen ihrer Erfahrung nach anders an die Standespolitik heran. "Sie kommen eher von sich aus auf die Idee, ein Amt zu übernehmen. Frauen - so war es ja auch bei mir - wollen lieber gefragt werden“, sagt sie.

Die junge Berufspolitikerin hat es sich deshalb zur Gewohnheit gemacht, nicht lange zu fackeln, wenn sie jemandem mit Potenzial trifft: „Wenn ich Frauen kennenlerne, die in die Standespolitik passen könnten, frage ich sie ganz einfach, ob sie mitmachen wollen. So hat man die besten Chancen, gute Leute zu gewinnen.“
 
Gremium: In der Zahnärztekammer Berlin ist Gnoth seit 2011 aktiv. Sie bekleidet den Posten des Vorstandsmitglieds für Fort- und Weiterbildung sowie Hochschulwesen.

11307441122025112202611220271130745 1130746 1122030
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen