Arbeit

Außergewöhnliche Kieferklemme

Acht Monate nach einem Überfall litt ein 40-Jähriger an einer schmerzhaften Kieferklemme. Die abklärungsbedürftige Verschattung im Orthopantomogramm lieferte das zentrale Indiz für die Ursachensuche.

Schnabel et al.

Abbildung 2: Klinisches Bild der Schwellung infraorbital rechts
Abbildung 3: Metalldichter Fremdkörper im Sagittalanschnitt der Mittelgesichts-computertomographie durch das rechte Jochbein bis an den Unterkiefer reichend
Abbildung 4: Metalldichter Fremdkörper im Horizontalschnitt der Mittelgesichts-computertomographie durch das rechte Jochbein bis an den Unterkiefer reichend
Abbildung 5: Intraoperativer Situs mit Sichtbarwerden der Messerklinge infraorbital rechts
Abbildung 5: Intraoperativer Situs mit Sichtbarwerden der Messerklinge infraorbital rechts
Abbildung 7: Geborgene Messerklinge mit einer Länge von circa sechs Zentimetern

Ein 40-jähriger Patient wurde im August 2013 mit einem Überweisungsauftrag von seinem Hauszahnarzt zur Weiterbehandlung in unserer Ambulanz vorstellig. Anamnestisch berichtete er über einen sich vor acht Monaten ereigneten Überfall vor seiner Haustür, bei dem er mit einem Messer attackiert und an der rechten Wange, am rechten Auge, am Schädeldach sowie am Brustbein verletzt wurde. Er wurde daraufhin unfallchirurgisch und opththalmologisch untersucht und behandelt. Hierbei wurde eine Weichteilverletzung des Unterlids durch Naht versorgt.

Aufgrund der auch nach acht Monaten anhaltenden und schmerzhaften Kieferklemme sowie einer abklärungsbedürftigen metalldichten Verschattung im Orthopantomogramm (Abb1.) überwies der Hauszahnarzt den Patienten in unsere Abteilung zur weiteren Abklärung.

Klinische Diagnosestellung

Die klinische Untersuchung zeigte eine schmerzhafte Einschränkung der Mundöffnung mit einer Schneidekantendistanz von zwölf Millimetern sowie eine ödematöse, gerötete Schwellung der Infraorbitalregion rechts. Das vom Patienten mitgebrachte Orthopantomogramm zeigte in Projektion auf die rechte Kieferhöhle eine annähernd dreieckförmige metalldichte Verschattung, die von infraorbital bis zum aufsteigenden Ast des rechten Unterkiefers reichte.

CT des Gesichtsschädels zeigt längliche metalldichte Verschattung

Aufgrund dieses Befundes, der bekannten Anamnese und der klinischen Untersuchung wurde zur weiteren Abklärung eine Computertomografie (CT) des Mittelgesichts veranlasst. Das CT des Gesichtsschädels zeigte eine längliche metalldichte Verschattung, die charakteristisch für einen Fremdkörper war. Sie reichte ausgehend von der rechten Orbita entlang der rechten fazialen Kieferhöhlenwand bis zum aufsteigenden Ast des rechten Unterkiefers.

Hinsichtlich der Anamnese äußerten wir den Verdacht auf eine verbliebene Messerklinge nach der sich vor acht Monaten ereigneten Messerstichattacke. Dem Patient wurde initial eine orale Antibiose rezeptiert und die Entfernung der vermeidlichen Messerklinge im Bereich der rechten Gesichtshälfte in Vollnarkose unter stationären Bedingungen angeraten.

Eine verbliebene Messerklinge

Ende August 2013 wurde die Messerklinge in oraler Intubationsnarkose entfernt. Nach Wiedereröffnung der Narbe im Unterlid rechts erfolgte die Darstellung des Infraorbitalrandes und des Orbitabodens. Am Orbitaboden wurde die Spitze der Messerklinge sichtbar, wobei der metallische Fremdkörper den Infraorbitalrand ohne Zeichen einer weiteren Fraktur glatt durchdrungen hatte.

Nach sparsamer Osteotomie des knöchernen Infraorbitalrandes konnte die Klinge mobilisiert und mit einer Klemme in toto entfernt werden. Aus dem Osteotomiespalt entleerte sich etwas Pus. Des Weiteren erfolgte im Anschluss der Fremdkörperentfernung eine manuelle Aufdehnung des Unterkiefers bis auf vier Zentimeter Schneidekantendifferenz (SKD). Die geborgene Messerklinge weist eine Länge von circa sechs Zentimetern auf.

Direkt postoperativ waren die Beschwerden einschließlich der Kieferklemme unter einer begleitenden hoch dosierten antibiotischen Therapie bereits deutlich rückläufig. Der Patient konnte nach fünf Tagen unter Fortführung der Antibiose in oraler Form aus der stationären Behandlung in die ambulante Nachsorge entlassen werden. Bei einer Kontrolluntersuchung nach wenigen Tagen zeigte sich eine vollständige Regredienz der Entzündung-Symptomatik im Bereich des Unterlids. Unter fortlaufender funktioneller Übungsbehandlung kam es innerhalb weniger Wochen zu einer Normalisierung der Mundöffnung.

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