Geld

Bänkchen wechsel dich

Spannungen mit der Bank sollten den Zahnarzt nicht zu unüberlegten Handlungen verleiten. Ein Wechsel des Kreditinstitutes bietet sich bei einem Konflikt daher nur als „Ultima-Ratio“-Lösung an.

Der Anruf erfolgte für Theodor M., einem Zahnarzt aus Süddeutschland, zum richtigen Zeitpunkt: Nach seinen gescheiterten Kreditverhandlungen mit der langjährigen Hausbank, bei der keine Einigung über Zinssatz und Kreditsicherheiten erzielt werden konnte, freute er sich über das „große Interesse“, wie der Berater einer privaten deutschen Bank bekundete, an einer Geschäftsverbindung. M. arbeitet zwar seit vielen Jahren mit der örtlichen Sparkasse zusammen, eine Verlagerung eines Großteils seiner Aktivitäten schließt er wegen der Verschlechterung der Geschäftsbeziehung aber nun nicht mehr aus.

Zwar besteht nach der Aussage des Kundenberaters der Sparkasse an seiner Kreditwürdigkeit nach wie vor kein Zweifel. Dennoch gibt es Probleme mit den vertraglichen Details, die aus Sicht von M. zu pauschal mit angeblichen „Anforderungen an die bankinternen Kreditvergaberichtlinien“ begründet werden.

Während des Telefongesprächs betonet der Mitarbeiter der neuen Bank, dass ihm die Zahnarztpraxis von M. „als vorbildlich geführt“ empfohlen wurde. Von wem er diese Information erhalten hatte, verriet er allerdings nicht. Auch seine weiteren Äußerungen blieben zunächst eher im allgemeinen. So stellte er seine Bank als als „kompetenten Gesprächspartner in sämtlichen Bankgeschäften“ vor und als „Problemlöser in Finanzangelegenheiten der Medizinbranche“. Weiterführende Einzelheiten würde er gern persönlich mit M. bereden.

Der Quelle auf den Grund gehen

M. ist nach diesem Gespräch skeptisch. Daran ändert auch der derzeitige Ärger mit seiner Hausbank nichts, so dass er nach sorgfältigen Überlegungen folgende Punkte zusammengestellt hat, auf die er während des Gesprächs, das auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin im Bankgebäude stattfinden wird, eingehen will:

  • Zunächst einmal interessiert ihn die Quelle, die seine Praxis empfohlen hat. Wichtig ist für M., hier zu erfahren, ob es sich um eine persönliche Empfehlung handelt oder die Bank eine aus öffentlichen Quellen zusammengestellten Liste von örtlichen Zahnarztpraxen "abtelefoniert", die für die Bank als interessant gelten.
  • Darüber hinaus ist M. neugierig auf die konkreten Angebote dieser Bank und die Entscheidungswege des Hauses. Von seiner Hausbank ist er hier bei konkreten Ansprechpartnern grundsätzlich kurze Zeiträume gewohnt.
  • Ein sehr wichtiges Kriterium ist für M. die Transparenz vor allem bei Kreditentscheidungen. Das gilt sowohl für Details seines Ratings oder Scorings, also seiner Kreditbeurteilung, als auch für das Nachvollziehen von Veränderungen bestimmter Faktoren wie Zinssätze oder Gebühren.
  • Wichtig ist das auch für die Bereitstellung von Kreditsicherheiten, deren bankinterne Bewertung M. bekannt sein sollte.
  • Auf der anderen Seite wäre M., das entspricht ebenso den Gepflogenheiten mit seiner Hausbank, seinerseits ebenfalls zu Transparenz bei Zahlen zu seiner wirtschaftlichen Lage bereit.

Alles in allem sieht sich M. vor diesem Hintergrund für das Gespräch gut vorbereitet. Sollte sein Gesprächspartner nach Einzelheiten zu seiner wirtschaftlichen Lage fragen, wird sich M. zunächst weitgehend zurückhalten. Sollte es später tatsächlich zu einer Kontoverbindung kommen, wird sich ohnehin zeigen, ob die gegenseitigen Ansprüche von Bank und Kunde gerechtfertigt sind, ob Zugeständnisse erforderlich sein werden oder ob sie, auch das ist natürlich möglich, wider Erwarten doch nicht zueinander passen.

M. denkt in einem solchen Fall daher auch keineswegs an einen vollständigen Bankwechsel. Er würde seine geschäftlichen Aktivitäten zunächst schrittweise verlagern, damit beide Geschäftspartner sich erst einmal kennenlernen können.

Die Erfahrung zeigt, dass vor einem beabsichtigten Bankwechsel nochmals ein zielführendes Gespräch mit der bisherigen Bank geführt werden sollte. Gegebenenfalls sollte daran neben dem jeweiligen Ansprechpartner des Zahnarztes auch der zuständige Abteilungsleiter teilnehmen. Vielfach lassen sich in einer solchen Gruppe Missverständnisse doch noch rechtzeitig ausräumen. Zur Vorbereitung sollten die Kritikpunkte vom Zahnarzt, falls erforderlich, mithilfe seines Steuerberaters, sorgfältig analysiert und aufbereitet werden. Somit können verbale Allgemeinplätze auf beiden Seiten vermieden werden.

Wenn die Entscheidung, ein weiteres Kreditinstitut als Geschäftspartner zu gewinnen, gefallen ist, sollte rechtzeitig recherchiert werden, welche Bankengruppe sich für die konkreten Belange der Praxis am Besten eignet. Wird zum Beispiel auf eine Präsenz vor Ort Wert gelegt, kann sich eine Volksbank oder Sparkasse dazu eher eignen als eine Großbank. Auf der anderen Seite bieten Großbanken wegen ihrer oft nahezu weltweiten Präsenz mögliche Vorteile bei Auslandsaktivitäten, die innerhalb der zunehmenden Globalisierung an Bedeutung gewinnen könnten.

Hat man sich zu einem Bankwechsel entschieden, kann man mit einer Vollmacht zugunsten der übernehmenden Bank seinen damit verbundenen Bearbeitungsaufwand relativ gering halten. Durch die Vollmacht wird das Kreditinstitut ermächtigt, die Übertragung der Konten zu veranlassen. Gleichzeitig erhält die abgebende Bank gegebenenfalls noch vorhandene Bank- und Kreditkarten und fertigt eine Schlussabrechnung an.

Die Ablösung bestehender Kreditlinien und Darlehen erfolgt darüber hinaus Zug um Zug. Die bisherige Bank überträgt sämtliche ihr seinerzeit zur Verfügung gestellten Kreditsicherheiten an das übernehmende Kreditinstitut und erhält im Gegenzug den Betrag zum Ausgleich der Kreditkonten einschließlich des Barkredits auf dem bisherigen Praxiskonto des Zahnarztes. Es ist daher wichtig, vor einem beabsichtigten Bankwechsel rechtsverbindlich zu klären, dass der neue Kreditgeber auch tatsächlich alle Kredite übernimmt. Lediglich Absichtserklärungen reichen hier nicht aus.

Michael Vetter
Fachjournalist für Wirtschaft
Vetter-finanz@t-online.de

 

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