Brennpunkt

Bauchfellkrebs: eine neue Therapie

Die Prognose beim Bauchfellkrebs ist in der Regel schlecht. Mit einer neuen Form der Chemotherapie, bei der die Zytostatika als feines Aerosol unter Druck direkt in die Bauchhöhle eingebracht werden, sollen nun bessere Therapieergebnisse erzielt werden.

SyB - Fotolia.com

In Deutschland wird jährlich rund 20.000 Mal die Diagnose einer Peritonealkarzinose gestellt. Der Bauchfellkrebs geht meist auf die Metastasierung eines Primärtumors zurück, die Lebenserwartung der Erkrankten liegt nur bei etwa sechs bis zwölf Monaten.

Dies ändern wollen Mediziner am Marienhospital Herne, einem Klinikum der Ruhr-Universität Bochum. Dort hat die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Marc André Reymond eine neue Form der Chemotherapie entwickelt, mit der es offenbar möglich ist, sowohl die Lebenserwartung wie auch die Lebensqualität der Patienten zu bessern.

Höhere Wirkstoffkonzentrationen

"Von einer Chemotherapie, die über die Vene verabreicht wird, kommt nur ein kleiner Teil der Dosis in den Tumoren an“, erläutert Reymond. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat er deshalb ein Gerät konstruiert, mit dem das Chemotherapeutikum unter Druck in die Bauchhöhle vernebelt wird. Über zwei kleine Schnitte in der Bauchdecke wird das Aerosol eine halbe Stunde lang appliziert.

Durch die Vernebelung und den Druck erreichen die Mediziner, dass das Medikament bis in jeden Winkel der Bauchhöhle gelangt. Es dringt zudem tiefer in das Tumorgewebe ein, das im Vergleich zu gesundem Gewebe einen etwas höheren inneren Druck aufweist. "Die bislang üblichen Spülungen mit Chemotherapeutika perlen dadurch an den Tumoren ab wie Wasser vom Gefieder eines Vogels“, so der Mediziner.

Das neue, als PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy) bezeichnete Verfahren wurde zunächst im Rahmen von Heilversuchen bei Patienten im Finalstadium der Erkrankung erprobt. Es wurden zwei bis vier Behandlungen im sechswöchigen Intervall durchgeführt. Dabei wurden jeweils Gewebeproben entnommen, um zu prüfen, in welcher Konzentration das Zytostatikum im Tumor ankommt.

Ermutigende erste Ergebnisse

Es zeigte sich, dass das Chemotherapeutikum nach einer Expositionszeit von einer halben Stunde bis in zirka 500 Mikrometer Tiefe des Tumorgewebes nachweisbar war und damit deutlich tiefer als bei jeder anderen Behandlungsform wirksam war. Im weiteren Verlauf war außerdem eine objektive Rückbildung des Bauchfelltumors zu beobachten."Diese Ergebnisse sind für uns und die Patienten ermutigend“, sagte Professor Reymond und warnte zugleich vor übertriebenen Hoffnungen.

Die ersten Erfahrungen können aus seiner Sicht bestenfalls zu einem vorsichtigen Optimismus Anlass geben. Es müssen nun kontrollierte Studien folgen, die den therapeutischen Stellenwert der neuen Chemotherapie-Form validieren. Eine entsprechende Phase-II-Studie mit 50 Patientinnen, bei denen der Bauchfellkrebs auf ein Ovarialkarzinom zurückgeht, wurde bereits Anfang 2013 gestartet. Die Mediziner in Herne hoffen, in der Studie eine verlängerte Lebenserwartung und auch eine bessere Lebensqualität der Patienten dokumentieren zu können.

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