Geld

Beim Haus der Frau hört es auf

Mit einem Kredit hatte Siegfried A. seine Praxis erweitert. Der Bank übergab er hierfür die gewünschte Vermögensauskunft. Dann wollte die Bank Angaben über die Finanzsituation der gesamten Familie. Ohne Begründung.

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Was für Banken bei der Kreditvergabe bisher üblich war, muss  nicht in Stein gemeißelt sein: Neben den monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) seiner Praxis stellt Siegfried A. seiner kreditgebenden Hausbank ein Mal im Jahr neben einer Liquiditäts- und Rentabilitätsberechnung seine Einkommensteuererklärung und seinen Einkommensteuerbescheid zur Verfügung.

Sämtliche dieser Informationen erhält das Bankinstitut seit mehr als zehn Jahren, ohne dass A. dazu ausdrücklich aufgefordert werden muss. Dieser Informationsablauf ist mithilfe seines Steuerberaters mittlerweile nahezu automatisiert, so dass Rückfragen seitens der Bank zeitnah beantwortet werden können. Die dazu erforderlichen Vollmachten hat A. ebenfalls bereits vor Jahren seinem Steuerberater erteilt. So weit, so gut? Weit gefehlt.

Bank meldet "zusätzlichen Informationsbedarf" an

Vor einigen Wochen, kurz nach Abgabe des letzten Einkommensteuerbescheids, erhielt A. ein Schreiben seiner Hausbank. Dem beigelegt war ein Formular „Vermögensübersicht“, was er bitte „sorgfältig vervollständigen“ sollte. A. konnte sich nur nach längerem Nachdenken daran erinnern, ein solches Formular bereits einmal erhalten zu haben. Das war kurz nach seiner Praxiserweiterung vor drei Jahren, als die gleiche Bank, für ihn durchaus nachvollziehbar, vor allem sein Immobilienvermögen und die Praxisausstattung neu bewerten wollte. Danach war von einer Vermögensübersicht keine Rede mehr.

Hinzu kommt, dass sich die Bank bei der aktuell angeforderten Vermögensaufstellung nicht mehr nur für das Vermögen von A. selbst, sondern auch für die Vermögenssituation seiner Frau und seiner beiden Kinder interessiert.

Einen Grund für diesen zusätzlichen Informationsbedarf gab das Schreiben des Kreditinstituts ebenso wenig her wie eine grundsätzlichen Information zu dem veränderten Auskunftsverhalten. Es enthielt dazu lediglich einen eher lapidaren Hinweis auf die „Offenlegungspflicht von Kreditnehmern auf der Grundlage des §18 des Kreditwesengesetzes“, nach der sich „Kreditinstitute regelmäßig über die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Kreditnehmer informieren müssen“.

A. ist sich natürlich darüber im Klaren, dass er seine Bank nicht nur vor einer Kreditvergabe, sondern auch während der Kreditlaufzeit über die wirtschaftliche Entwicklung seiner Praxis auf dem Laufenden halten muss. Was ja auch geschieht.

Ein weiterer Punkt: Durch die Kreditsicherheiten - vor allem die zugunsten seiner Bank eingetragenen Grundpfandrechte - und die bei der gleichen Bank unterhaltenen Termingelder und kleineren Wertpapierdepots kennt sein Sachbearbeiter den aktuellen Vermögensstand von A. ziemlich genau. Daher scheint die Aufforderung für A eine unnötige Kontrolle zu sein.

Mehr Sicherheiten über das Vermögen der Familie

Nach Rücksprache mit seinem Steuerberater ist sich A. mit diesem zwischenzeitlich einig, dass sich wohl wegen der nach wie vor nicht überwundenen Finanzkrise ein geändertes Sicherheitsbedürfnis auch bei seiner langjährigen Hausbank herausbildet. Zur Vermeidung weiterer Kreditausfälle wird nun offensichtlich versucht, denkbare Informationslücken zu schließen.

Mit dem Vorgehen seiner Hausbank ist A. allerdings überhaupt nicht einverstanden. So zeigt sich für A., dass selbst langjährige, bewährte Geschäftsverbindungen keine Garantie für einen unbürokratischen und vor allem persönlichen Umgang bieten. Dies allein mit der Finanzkrise zu begründen, ist für A. mittlerweile schwer zu glauben.

Vielmehr scheint die Bank für A. vor allem deswegen ein Interesse an der Übersicht zu haben, weil sie dann ziemlich genau weiß, was sie später, falls A. als Kreditnehmer finanzielle Probleme bekommt, gegebenenfalls noch an Sicherheiten einfordern kann. Für Banken erweckt es Begehrlichkeiten, wenn in einer Vermögensübersicht steht, dass die Ehefrau noch ein unbelastetes Mietshäuschen besitzt.

Die Familie bleibt tabu

A. wird sich daher weigern, die Vermögensaufstellung um Angaben zu seiner Familie zu ergänzen. Weder seine Frau noch seine Kinder sind in irgendeiner Form an der Praxis oder an den damit verbundenen Krediten beteiligt. Die persönliche Haftung sowie die Grundpfandrechte beziehen sich ausschließlich auf A. selbst und auf die Praxis. Daher sieht er auch keinen Grund, seiner Bank Dinge zu offenbaren, an die sie nach seiner Überzeugung keinerlei Interesse haben dürfte.

Diese Einschätzung wird übrigens nicht nur von seinem Steuerberater, sondern auch vom Ansprechpartner seiner Standesvertretung geteilt, den er mittlerweile ebenfalls um einen Rat gebeten hat. Das bevorstehende Bankgespräch wird A. vor allem dazu nutzen, seine Offenlegungspflichten gegenüber seinem Kreditgeber zu präzisieren. Hierzu interessant sind vor allem die Einzelheiten des im Schreiben erwähnten Kreditwesengesetzes (KWG)

Das Kreditwesengesetz (KWG)

Das KWG gilt als sprichwörtliches „Grundgesetz“ des Bankgeschäfts. Neben aufsichtsrechtlichen Bestimmungen wird dort auch zur Offenlegungspflicht der wirtschaftlichen Verhältnisse von Kreditnehmern Stellung genommen. Obwohl eine grundsätzliche Offenlegungspflicht von Kreditnehmern legitimiert ist, bestehen durchaus Grenzen in deren Umfang. Dies gilt vor allem dann, wenn wie im dargestellten Fall an Krediten unbeteiligte Personen ebenso wie der eigentliche Kreditnehmer zu Informationen etwa über ihre Vermögensverhältnisse aufgefordert werden. Hier sollte zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Bankinstitut mit der Bitte um konkrete Darlegung der Gründe für diesen erweiterten Informationsbedarf stattfinden.

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