Arbeit

"Das derzeitige PAR-Konzept ist veraltet"

Parodontitis ist bei Erwachsenen der Zahnkiller Nummer Eins. Die KZBV arbeitet bereits an einem umfassenden Versorgungskonzept zur PAR-Behandlung. Wir fragten Dr. Ute Maier, Chefin der KZV Baden-Württemberg und Leiterin der Arbeitsgruppe bei der KZBV, zum Stand der Dinge.

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Frau Dr. Maier, was sind die Hintergründe und Zielsetzungen zum KZBV-Konzept?

Dr. Ute Maier: Die letzte Mundgesundheitsstudie hat gezeigt, dass wir zwar einerseits eine deutliche Verbesserung der Zahngesundheit feststellen können und insbesondere 70 Prozent der Zwölfjährigen ein naturgesundes Gebiss aufweisen. Allerdings leiden mehr als 80 Prozent der Senioren unter einer Parodontitis. 20 Prozent der Erwachsenen und knapp 40 Prozent der Senioren weisen eine schwere Form der Parodontitis auf.

Vergleicht man die Anzahl der PAR-Behandlungen mit dem Erkrankungsgrad der Bevölkerung, muss man derzeit leider von einer Unterversorgung für diesen Bereich sprechen. Gründe hierfür sind unter anderem, dass die Erkrankung vom Patienten aufgrund der über einen längeren Zeitraum  kaum wahrnehmbaren Symptome häufig unbemerkt bleibt oder erst zu einem späten Zeitpunkt erkannt wird. Darüber hinaus schreckt die langwierige Behandlung einerseits die Patienten ab, andererseits ist das derzeitige PAR-Konzept im Bereich der GKV veraltet.

Zwar lag bereits bei der Umrelationierung des Bema 2004 ein damals dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechendes Konzept vor, dies konnte jedoch aufgrund der durch den Gesetzgeber vorgegebenen Kostenneutralität nicht umgesetzt werden. Stattdessen wurde die alte Systematik bei gleichzeitiger Abwertung der einzelnen Leistungen - im gesamten PAR-Bereich etwa 32 Prozent - nahezu unverändert übernommen.

Die KZBV hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, zusammen mit der Wissenschaft das bisher im Bema abgebildete PAR-Konzept zu hinterfragen und insbesondere die mögliche Einbindung dringend erforderlicher Präventionskonzepte inklusive der unterstützenden Parodontitistherapie in den GKV-Leistungskatalog zu prüfen.

Das Konzept ist derzeit noch in Arbeit und wird mit der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie abgestimmt. Können Sie uns dennoch schon einige wichtige Botschaften oder Stoßrichtungen nennen?      

Wie Sie richtig anmerken, ist das Konzept derzeit noch in Arbeit. Es wird nicht überraschen, dass bei der zu Beginn durchgeführten Bestandsanalyse insbesondere die derzeit fehlende lebensbegleitende Nachsorge und die Prävention schnell in den Fokus rückten. Da der Behandlungserfolg ganz wesentlich von der aktiven Mitarbeit des Patienten abhängt, müssen zudem Wege gefunden werden, die Eigenverantwortung des Patienten zu stärken und gleichzeitig auch eine lebenslange unterstützende Betreuung durch den Zahnarzt zu gewährleisten. Für pflegebedürftige und behinderte Menschen müssen zudem Sonderegelungen gefunden werden.

Allerdings sind nicht nur die Zahnärzte gefordert. Die Rahmenbedingungen für ein dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechendes Konzept sind durch die Politik umfassend zu erweitern. Nur wenn insgesamt deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, wird ein fundiertes Konzept überhaupt realisierbar sein. Des Weiteren muss die Aufklärung der Bevölkerung über Krankheitsursachen, Krankheitssymptome, Therapiemöglichkeiten, Prävention und lebenslange Nachsorge intensiviert werden. 

Wie sollte sich der Zahnarzt mit Blick auf den wachsenden Bedarf an Parodontaltherapien in der Praxis aufstellen?

Wichtig sind aus meiner Sicht insbesondere die Ausrichtung der Praxis auf Prävention und Zahnerhaltung, die kontinuierliche Fortbildung des Zahnarztes und seiner Mitarbeiterinnen sowie die Aufklärung und intensive Information der Patienten über Ursachen, Risikofaktoren, Symptome und Auswirkungen von Parodontalerkrankungen.

Die Fragen stellte Gabriele Prchala.

Dr. Ute Maier ist die Leiterin der AG PAR-Strategie bei der KZBV und Vorsitzende der KZV Baden-Württemberg. | kzvbw


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