Geld

Das lässt sich meistern

Ein Studium mit Kind erfordert Organisationstalent. Unter anderem müssen die Eltern dafür sorgen, dass die Familienkasse stimmt - eine Herausforderung, die sich meistern lässt, wie Zahnmedizistudentin Katja Werner aus eigener Erfahrung weiß.

kohufrdhjl - Fotolia.com

„Ich habe angefangen zu studieren, als meine Tochter ein Jahr alt war“, erzählt die angehende Zahnärztin. „Davor war ich als medizinisch-technische Assistentin in der Radiologie in einem Berliner Krankenhaus angestellt.“ Mittlerweile ist Katja Werners Tochter Sophia zwei Jahre alt und die 29-Jährige im dritten Semester an der RWTH Aachen. „Vor dem Start ins Studium habe ich mir schon Sorgen gemacht, ob mein Freund und ich das zeitlich und finanziell schaffen. Aber es läuft alles besser als gedacht. Man muss nur gut organisiert sein“, fügt die junge Mutter hinzu.

Katja Werner ist eine von 101.000 Studierenden in Deutschland, die ein oder mehrere Kinder haben. Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent der Studentenschaft, wie aus der vergangenen Sommer veröffentlichten 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervorgeht.

Die Umfrage beschäftigt sich ausführlich mit der wirtschaftlichen Lage junger Eltern, die an einer Hochschule immatrikuliert sind. Sie stellt fest: „Studierende mit Kind sind keine homogene Gruppe, sondern weisen ein breites Spektrum an individuellen Lebenslagen auf. Das trifft insbesondere auch auf ihre finanzielle Situation zu, die sich sehr unterschiedlich darstellt.“

Laut der Sozialerhebung verfügen unverheiratete Studierende mit Kind monatlich über ein durchschnittliches Einkommen von 1.111 Euro, verheiratete haben 1.416 Euro. Das familiäre Einkommen setzt sich aus unterschiedlichen Quellen zusammen. Im Fall von Katja Werner macht den größten Teil das Gehalt ihres Freundes aus, der wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen ist. Die Studentin bezieht außerdem den BAföG-Höchstsatz von 670 Euro.

BAföG-Berechtigte müssen eine Sache beachten: Wenn sie ihr Studium wegen Schwangerschaft und Geburt länger als drei Monate unterbrechen, sind sie verpflichtet, das beim BAföG-Amt zu melden. Wer das nicht tut und später auffliegt, muss die erhaltene Förderung zurückzahlen. Gut zu wissen: Studierende mit Kind können beim BAföG verschiedene Sonderregelungen wie eine Verlängerung der Förderungshöchstdauer für sich geltend machen.

Ab der 13. Schwangerschaftswoche und auch nach der Geburt des Kindes können Studierende Leistungen bei ihrer lokalen Agentur für Arbeit beantragen. Wenn sie ein Urlaubssemester für die Betreuung des Kindes einlegen, erhalten sie unter Umständen Arbeitslosengeld II. Zu beachten: BAföG wird in diesem Zeitraum nicht gezahlt.

Klären sollten die jungen Eltern auch, ob ihnen so genannter Mehrbedarf zusteht, der neben einmaligen Leistungen für die Anschaffung von Umstandskleidung sowie die Erstausstattung des Babys auch spezielle Zuschüsse für Alleinerziehende beinhalten kann. Die einmaligen Beihilfen können auch Eltern beantragen, die beim ALG II außen vor geblieben sind.

Schwangere, die neben dem Studium jobben, fallen unter die Regelungen des gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutzes. Er beginnt vier Wochen vor dem Geburtstermin und endet acht Wochen nach der Geburt. In dieser Zeit dürfen sie nicht arbeiten. Ob Studentinnen während der Mutterschutzfrist Anspruch auf Mutterschaftsgeld haben, sollten sie mit ihrer Krankenkasse klären.

Eine Anlaufstelle während der Schwangerschaft und später, wenn es um die Betreuung des Kindes geht, ist die Bundesstiftung „Mutter und Kind“. Sie unterstützt jährlich circa 150.000 schwangere Frauen in Notlagen. Eine Notlage liegt laut der Stiftung vor, wenn Frauen „den finanziellen Bedarf für Schwangerschaft, Geburt sowie Pflege und Erziehung des Kleinkindes nicht aus eigenen Einkünften decken können und andere staatliche Leistungen nicht rechtzeitig oder ausreichend zur Verfügung stehen“.

Werdende Mütter haben keinen Rechtsanspruch auf die Förderung. Den Antrag können sie bei Schwangerschaftsberatungsstellen einreichen. Wichtig: Das muss vor der Geburt geschehen.

Nach der Geburt ihrer Tochter Sophia bekam Katja Werner ein Jahr lang Elterngeld. „Damals war ich allerdings noch nicht immatrikuliert“, erklärt sie. Aber auch wenn sie schon studiert hätte, wäre ihr diese Sozialleistung nicht entgangen. Grundsätzlich steht allen Studierenden Elterngeld in Höhe von 300 Euro zu - unabhängig davon, ob sie das Studium unterbrechen oder nicht.

Je nachdem, ob nur ein oder beide Elternteile Elternzeit nehmen, wird das Geld zwölf oder 14 Monate lang gezahlt. Wer monatlich nur die Hälfte der 300 Euro in Anspruch nimmt, kann die Bezugsdauer auf 24 Monate ausweiten. Das ist unter Umständen von Vorteil für Eltern, die ALG II beziehen, denn das Elterngeld wird darauf angerechnet. Anträge nehmen nach der Geburt des Kindes die lokalen Elterngeldstellen an.

Familien bekommen vom Staat ein monatliches Kindergeld. Für das erste und zweite Kind erhalten Eltern zurzeit 184 Euro, für das dritte 190 Euro und das vierte Kind 215 Euro. Zuständig ist die Familienkasse der lokalen Arbeitsagentur.

Dort können Studierende auch den Kinderzuschlag beantragen. Ob er gezahlt wird und wie hoch er ausfällt, hängt vom Einkommen und Vermögen der Eltern und der Kinder ab. Maximal beträgt er 140 Euro pro Monat und Kind.

Tipp für Alleinerziehende: Sie können beim Jugendamt einen Unterhaltsvorschuss von bis zu 180 Euro im Monat beantragen.

Das weiß auch Katja Werner sehr gut: Einen großen Posten der monatlichen Ausgaben macht die Kinderbetreuung aus. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks kostet sie Studierende im Monat durchschnittlich 153 Euro.

Die Kosten für Kita oder Tagesmutter orientieren sich am Gehalt der Eltern. „Wir bezahlen im Monat 250 Euro für 45 Stunden Kindergarten inklusive einer Tagesmutter, die Sophia im Anschluss an die Kita betreut. Die schließt hier nämlich schon um 16:30 Uhr. Außerdem fallen 50 Euro für’s Essen an“, fasst die Studentin zusammen.

Gute Nachrichten für studierende Eltern, die BAföG beziehen: Sie bekommen vom BAföG-Amt einen monatlichen Kinderbetreuungszuschlag. Beantragt wird er über ein gesondertes Formblatt. Über den Zuschuss darf sich auch Katja Werner freuen. Wie alle Studierenden mit einem Kind, bekommt sie monatlich 113 Euro. Für jedes weitere Kind würden noch einmal 85 Euro fließen. Der Zuschuss muss später nicht im Rahmen des BAföG-Darlehens zurückgezahlt werden. Zu beachten: Der Zuschlag wird pro Kind nur einmal gezahlt. Wenn beide Elternteile BAföG beziehen, müssen sie sich darauf einigen, auf wessen Konto er landet.

Um die Familienkasse aufzubessern, können Studierende natürlich einen Nebenjob annehmen. Laut der Sozialerhebung der Studentenwerke liegt die Erwerbstätigenquote Studierender, die ein Erststudium mit Kind absolvieren, bei 59 Prozent.

Katja Werner hat in Erwägung gezogen, ihre Erfahrung als MTA zu nutzen und einmal pro Woche einen Nachtdienst im Krankenhaus zu machen. „Ich habe mich bisher aber dagegen entschieden, weil mir neben Familie, Seminaren und lernen ohnehin wenig Zeit bleibt. Aber wenn irgendwann kein Weg daran vorbeiführt, würde ich es natürlich machen“, stellt sie fest.

Für Katja Werner und ihren Freund hat es sich bewährt, ihre Finanzen regelmäßig durchzugehen. „Ich schaue mir jeden Monat an, welche Einnahmen und Ausgaben wir haben. Wenn am Ende des Monats noch Geld übrig ist, legen wir das zurück“, erklärt sie.

Mit den Reserven bestreitet das Paar Sonderausgaben wie Urlaube oder den TPK-Koffer, den die Studentin kürzlich für über 1000 Euro anschaffen musste. „In manchen Städten wird der Koffer Studierenden mit Kind von der Hochschule bezahlt, aber in Aachen habe ich nichts erreicht“, berichtet sie. Dennoch: Nachfragen sollte man auf jeden Fall.

Lesetipp: Die Universität Osnabrück hat auf Ihrer Website Informationen über die Möglichkeiten finanzieller Förderung für Studierende mit Kind zusammengestellt.

11622361162142116214311621441162237 1162238 1162145
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare