Brennpunkt

Den Horizont erweitern

Junge Zahnärzte und Zahnärztinnen haben in der Standespolitik Seltenheitswert. Wir stellen Kollegen und Kolleginnen vor, die sich schon zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für die Zahnärzteschaft engagieren und fragen nach, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

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„Ich engagiere mich in der Berufspolitik, weil wir dort unsere Interessen als Zahnärzte in einer Gemeinschaft darstellen können“, sagt Jungpolitiker Dr. Jens Palluch, 36 Jahres privat

Jens Palluch taucht gerne ab – allerdings nur in seiner Freizeit, in der er mit Begeisterung Unterwasserwelten erkundet. In Sachen Berufspolitik ist abtauchen nicht sein Ding. Dort redet er lieber mit.

Es gibt einige Charaktereigenschaften, die in der Standespolitik sehr nützlich sind, sagt Jens Palluch: „Zum einen sollte man eine gewisse Streitkultur mitbringen. Viel wichtiger ist es aber, dass man ein umgänglicher, dialogbereiter und vor allen Dingen neugieriger Mensch ist.“ Diskussionsfreudig und interessiert sei er auf jeden Fall und „in einem gewissen Maße auch sozial und umgänglich“, fügt er lachend hinzu.

Kein Dasein als Eigenbrötler

Für den in Rostock-Bentwisch niedergelassenen Zahnarzt war schon lange Zeit klar, dass er in der Berufspolitik aktiv sein will. Er habe keine Lust darauf gehabt, als Eigenbrötler in der Praxis zu sitzen und nicht über den eigenen Tellerrand hinauszugucken. „Ich wollte meinen Horizont erweitern und Zusammenhänge erkennen. Die gestalterischen Möglichkeiten der Standespolitik haben mich da sehr gereizt“, erklärt er.

Als ihn ein Kollege fragte, ob er sich als Delegierter zur Wahl stellen wolle, war deshalb nicht viel Überzeugungsarbeit nötig. Palluch ging gleich in die Vollen und kandidierte 2011 für beide Vertreterversammlungen in seinem Bundesland – mit Erfolg. Er bekam einen Sitz bei der KZV und in der Kammer. Als Überbelastung empfindet er das nicht. „Im Gegenteil. Das ist eine tolle Möglichkeit herauszufinden, was jeweils in welchem Gremium los ist und welche gestalterischen Möglichkeiten man wo hat. An der ein oder anderen Stelle sind die Abläufe bei KZV und Zahnärztekammer ja doch grundverschieden“, so der Mecklenburger.

Mit der Wahl zum Delegierten erreichte der 36-Jährige sein Ziel, die Standes- und Gesundheitspolitik nicht nur aus der Ferne zu betrachten, sondern ganz aus der Nähe Hintergründe zu erkennen und – wo möglich – Entwicklungen mitzugestalten. Als besonders spannende Momente in der aktuellen Legislaturperiode sind dem Zahnarzt die heftigen Diskussionen rund um das Versorgungsstrukturgesetz in Erinnerung geblieben. „Ein weiteres Thema, über das häufig gesprochen wird, ist, wie man eine Qualitätsverbesserung in der zahnärztlichen Versorgung erreichen kann, ohne in die Therapiefreiheit einzugreifen“, führt Palluch aus.

Engagement mit Mehrwert

Durch die Berufspolitik hat der Zahnarzt viele Bekanntschaften geschlossen – für ihn ein echter Mehrwert. Daran gefällt ihm besonders, dass er in Gesprächen mit anderen Standespolitikern neue Sichtweisen kennenlernt. Nicht immer sei dabei die Politik Thema. Manchmal drehten sich die Unterhaltungen auch um Schwierigkeiten und mögliche Lösungsansätze.

In den Gesprächsrunden, sowohl bei der KZV als auch in der Kammer, stellt der Zahnarzt immer wieder fest, dass er mit Abstand der jüngste Delegierte ist. Der Altersdurchschnitt, so schätzt er, liegt bei über 50 Jahren. Dass er deutlich jünger ist, hat er zu keinem Zeitpunkt als Problem empfunden. Eher habe das dafür gesorgt, dass viele Kollegen gezielt den Kontakt zu ihm gesucht hätten: „Über junge Gesichter freut man sich. Das sehen viele als positives Signal, ist mein Eindruck.“

Den richtigen Moment abpassen

Während des Studiums hielt sich Jens Palluchs Interesse für die Standespolitik nach eigener Aussage noch sehr in Grenzen: „Die Berufskundevorlesung vermittelte zwar einen Einblick, allerdings zu einem Zeitpunkt, wo man sich als Student geistig schon sehr stark mit dem Staatsexamen auseinandersetzt. Da hören viele nur mit einem Ohr hin – mich nehme ich da nicht aus.“

Palluch bezweifelt aber, dass durch mehr Berufskunde ein größeres Interesse für die Berufspolitik geweckt werden kann. „Das Bewusstsein für diese Dinge kommt doch erst, wenn man in der eigenen Niederlassung ist“, so der Standespolitiker. Und auch dann müsste man den meisten noch etwas Zeit geben. „Ich wollte nach meiner Praxiseröffnung im Jahr 2006 auch erst einmal ganz in Ruhe schauen, wie der Hase läuft. In dieser Situation ist man nicht bereit, noch etwas Zusätzliches auf sich zu nehmen, was Neuland bedeutet“, erzählt der vierfache Vater.

Desinteresse ist ein gesellschaftliches Problem

Dass sich viele Kollegen und Kolleginnen nach erfolgreicher Etablierung trotzdem nicht für die Berufspolitik interessieren, enttäuscht den jungen Delegierten. Er sieht das aber nicht als ein Phänomen, das nur die Zahnärzteschaft betrifft.

„Die Müdigkeit, sich zu engagieren, ist meiner Meinung nach ein gesamtgesellschaftliches Problem. In unserer demokratischen Ordnung hat man unglaublich viele Möglichkeiten, Dinge zu gestalten. Aber wenn man sich alleine die Wahlbeteiligung anschaut, muss man feststellen, dass gar kein reges Interesse besteht. Das Bewusstsein, dass das ein ganz hohes Gut ist, fehlt“, bedauert Palluch.

Frauen sind unterrepräsentiert

Beim Blick in die Vertreterversammlungen wird laut dem Zahnarzt schnell klar, dass Frauen dort in der Unterzahl sind – vor allen Dingen Berufseinsteigerinnen. Das wundert ihn, denn schon jetzt sei die Zahnmedizin, was die prozentuale Verteilung angeht, ein weiblicher Beruf, der in Zukunft noch weiblicher werden wird. 

„Dass mehr Frauen in den Gremien vertreten sind, wäre deshalb sehr wünschenswert. Sie sollten die Möglichkeit nutzen, ihre Sichtweisen miteinzubringen und somit den Berufsstand in seiner Gesamtheit voranzubringen“, findet Palluch. „Ich persönlich glaube allerdings nicht daran, dass sich das Zahlenverhältnis bald ändern wird. Es wäre ja auch recht außergewöhnlich, wenn es in den berufsständischen Vertretungen anders wäre als in anderen Parlamenten oder Vereinen, wo auch der überwiegende Teil männlich ist.“
 
Wie sich mehr Kollegen und Kolleginnen für die Berufspolitik begeistern lassen könnten, weiß Jens Palluch nicht. Die größte Aussicht auf Erfolg verspricht er sich vom guten alten Netzwerken: „Am effektivsten ist es wahrscheinlich, Andere mit ins Boot zu holen, indem man ihnen vermittelt, was für eine tolle Sache Berufspolitik ist.“

Gremium: Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Mecklenburg-Vorpommern, Kammerversammlung der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem ist Palluch stellvertretender Vorsitzender der Kreisstelle der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern in Bad Doberan.

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