Arbeit

Der allwissende Patient

Kranke googeln ihre Symptome und diskutieren über ihre Diagnose in Foren. Wie wirkt sich das auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus?

Alex Miller - Fotolia.com

Das Berufsbild des Arztes hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt, und das Internet hat einen großen Anteil daran: Patienten kommen heute gespickt mit Internetwissen in die Praxis.

Wenn der Patient alles - besser  - weiß

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, kann sich dies problematisch auswirken, etwa wenn Patienten die Therapie des Arztes bekritteln und alles besser wissen. Auf der anderen Seite kann sich dieses Know-how auch vorteilhaft auswirken - etwa bei der Aufklärungskommunikation anbelangt.

"Der Arztalltag hat sich extrem geändert“, zitiert das Blatt Markus Büchler, Direktor der Klinik für Chirurgie an der Uniklinik Heidelberg. Alles müsse sofort und mit den neuesten Studien erklärt werden, "und wenn man etwas anderes sagt als im Internet steht, fragen die Patienten ungeduldig nach“, sagte Büchler.

Drei Viertel aller Deutschen informierten sich im vergangenen Jahr über Gesundheitsthemen im Internet, schreibt die SZ. Laut der repräsentativen "Gesundheitsstudie 2012“ der Kommunikationsagentur MSL mit Befragung von 1.001 Erwachsenen suchten mehr als die Hälfte über Wikipedia oder auf Seiten von Krankenkassen nach Gesundheitsthemen.

Die Motive sind unterschiedlich: Ein gutes Drittel der Befragten googelt, um mit Arzt oder Apotheker "auf Augenhöhe“ reden zu können. Ganze 17 Prozent suchten Informationen aus dem Internet, um erst gar nicht zum Arzt gehen zu müssen - vor allem bei leichten Krankheiten wie Erkältung, Durchfall, Warzen oder trockener Haut. 

Wikipedia - einfacher als Ärztelatein

Der Grund, wieso Patienten die Ärzte und deren Praxen scheuen, sei vielfach die schlechte Kommunikation mit den Medizinern, sprich: das Ärztelatein. Laut MSL-Studie gab jeder Dritte an, dass die Informationen im Internet verständlicher sind als das Gespräch mit dem Arzt. Nichtsdestotrotz genießen die Mediziner immer noch ein hohes Ansehen: Mehr als jeder Zweite vertraut Arztseiten im Internet mehr als denen von Krankenkassen, Patientenorganisationen, Pharmafirmen oder anderen Anbietern.

Genau dies wird  von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung als Indiz für das spezielle Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und ihren Ärzten betrachtet. "Dieses Grundverständnis hat sich während der vergangenen Jahrzehnte nicht geändert“, sagt deren Sprecher Roland Stahl gegenüber der SZ. Zwar habe sich das Arzt-Patienten-Verhältnis gewandelt, aber "gut gemachte Informationen ergänzen und erleichtern das Gespräch zwischen Arzt und Patient“, erläutert Stahl.

Lernen, wie man mit dem Patienten spricht

Eine Haltung, die von Klinikdirektor Büchler geteilt wird. Seine Patienten wüssten heute viel besser Bescheid über ihre Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten. "So kann ich meine Therapiestrategie schneller erklären - das spart Zeit“, so Büchler.Allerdings:  Angehende Mediziner sollten besser auf das geänderte Arzt-Patienten-Verhältnis vorbereitet werden, fordert der Chirurg Büchler im Blatt. "Man muss lernen, wie man informierte Patienten auf Augenhöhe beraten kann.“

Auch Franz Eberli, Chef-Kardiologe in einem Krankenhaus in Zürich, erkennt zwar Vorzüge des Internetwissens, das sich Patienten angelesen haben. Allerdings könne das Internet die wichtige menschliche Zuwendung nicht ersetzen: "Wenn ein Patient einen schweren Herzinfarkt hatte, braucht er individuelle und einfühlsame Beratung, wie er mit der Krankheit klarkommt und was speziell für ihn wichtig ist - das kann keine noch so gute Information im Internet vermitteln“, betont Eberli.

758029748801748802748803758030 758031 757615
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare