Brennpunkt

Die Lage in Syrien aus Sicht eines Zahnarztes

Dr. Mohammad Alkilzy ist Oberarzt in der Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde an der Universität Greifswald. Der gebürtige Syrer berichtet über die schwierige Lage in Syrien.

Zahnmedizin wird in Syrien an vier großen staatlichen und drei privaten Universitäten unterrichtet, mit einer Absolventenzahl von etwa 300 Zahnärzten pro Jahr. Die zahnärztliche Versorgung vor der Krise ist aber mit der Situation nach der Krise nicht zu vergleichen.

Ich selbst habe in Aleppo und danach in Damaskus studiert und war später Mitarbeiter in der Universität von Aleppo im Bereich Kinderzahnheilkunde. Das Niveau der Zahnmedizinausbildung in den syrischen Universitäten war sehr gut, die Studenten konnten während ihres Studiums aufgrund des hohen Behandlungsbedarfs in der Gesellschaft mehr Patienten behandeln - im Vergleich zu Deutschland. Es gibt allerdings einen Mangel beim Thema Prävention im Public-Health-Programm.

Dürftiger Leistungskatalog der Krankenversicherung

Trotz der ausreichenden Zahnarztdichte in der Gesellschaft besteht immer das Problem einer nicht abdeckenden Krankenversicherung. Die zahnärztliche Versorgung ist für die Mehrheit der Bevölkerung eine Privatleistung. Daraus resultiert die hohe Zahl von nicht behandelter Karies mit allen Konsequenzen.

In Syrien gab es unmittelbar vor der Krise etwa 25.000 Zahnärzte (einen Zahnarzt für 1.000 Einwohner), davon vier Prozent Fachzahnärzte und Spezialisten in acht Bereichen: Kieferchirurgie, KFO, Parodontologie, Kinderzahnheilkunde, Prothetik, Zahnerhaltung, Endodontologie und Zahnmedizinische Pathologie.

 

40 Prozent der Zahnärzte haben das Land verlassen

Heutzutage ist die Lage katastrophal: Mehr als 60 Prozent der Ärzte und Zahnärzte sind wegen der Bedrohungen durch das Assad-Regime und die bewaffneten Gruppierungen aus dem Land geflohen. In den vergangenen drei Jahren (damals brach die syrische Krise aus) haben laut der syrischen Zahnärztekammer 10.000 von 25.000 syrischen Zahnärzten das Syrien verlassen. Von ihnen leben 90 Prozent in den Nachbarländern ohne Arbeit.

Die Kosten für zahnärztliche Materialien sind in der Krise wegen der Inflation und unsicherer Transportwege aufs Zehnfache gestiegen. Dies hat sich für die Patienten in einer dramatischen Erhöhung der Zahnbehandlungskosten ausgewirkt, so dass sich viele Patienten den Zahnarztbesuch nicht mehr leisten können.

Ärzte und Zahnärzte sind durch alle Beteiligten im Bürgerkrieg in Syrien bedroht. Menschenrechtsorganisationen berichten von mehreren Ärzten, die getötet, gefoltert oder entführt wurden.
Es gibt Tausende Flüchtlinge, die sich im Grenzgebiet aufhalten, in selbst gebauten Zelten ohne Betreuung von irgendwelchen internationalen oder nationalen Organisationen. Sehr viele Dörfer und kleine Städte, die von der Welt isoliert sind, sind ohne Wasser, Strom, Arzt oder Zahnarzt.

Extremitäten müssen aus der Not heraus amputiert werden

Die Organisation “Save the Children” berichtete bereits im März 2014, dass 60 Prozent der Krankenhäuser und Kliniken in Syrien zerstört sind. Dem Bericht zufolge mussten Ärzte wegen des Mangels an medizinischen Materialien und Geräten Extremitäten amputieren. Seit zwei Jahren können viele Kinder keine Impfungen bekommen, so dass alte Krankheiten wie Kinderlähmung wieder aufgetaucht sind. Mehrere Frühgeborene sind im Inkubator aufgrund von Stromausfällen erfroren, berichtet die Organisation.

Im Unicef-Bericht vom 12. Juni 2014 stehen erschreckende Zahlen über betroffene Menschen und Kinder in der Syrienkrise. Demnach leben 242.000 Menschen in belagerten Gebieten. UNICEF leistet große Hilfe im Land und in den Nachbarländern in mehreren Bereichen, doch die zahnmedizinische Versorgung und die Mundhygiene bleiben auf der Strecke.

Dr. Mohammad Alkilzy hat das Projekt "Zahnmobil für Syrien" ins Leben gerufen. Ziel ist, den betroffenen Menschen und Kindern im Grenzgebiet Syriens eine zahnmedizinische Versorgung sowie Prävention anzubieten. Derzeit wird ein Rettungswagen erworben, der dann zum Zahnmobil umgebaut werden soll. Benötigt werden finanzielle Unterstützung und Sachspenden von zahnärztlichen Materialien, Instrumenten und Geräten.

 

Überall im Land helfen Zahnärzte den ankommenden Flüchtlingen, vielfach ehrenamtlich. Doch wie kommuniziert man mit den Patienten, wie wird abgerechnet? Hier finden Sie Tipps für die Praxis.

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