Arbeit

Die Pflege der Zukunft

Zweidrittel aller Pflegebedürftigen wollen in den eigenen vier Wänden gepflegt werden. Was bedeutet das für die ambulante Pflege der Zukunft?

TK

"Die Menschen wollen natürlich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben, solange wie möglich." Für Bernd Tews, Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, ist das Ergebnis der Pflege-Umfrage "keine große Überraschung".

Laut der von der privaten Versicherung R+V in Auftrag gegebenen Studie wünschen sich nämlich über 70 Prozent der Befragten, im Pflegefall möglichst in der eigenen Wohnung bleiben zu können. 55 Prozent gaben zudem an, sich im Fall einer körperlichen Beeinträchtigung lieber von externen Pflegern als von den eigenen Angehörigen pflegen zu lassen.

Wie möchten Sie gepflegt werden?

Als langjähriger Entscheider in der Pflegebranche kann Tews die Wünsche und Erwartungen pflegebedürftiger Menschen mittlerweile gut einschätzen. Er empfiehlt, sich die Frage der Unterbringung im Alter einfach einmal selbst zu stellen. Da wäre für die meisten Menschen die Antwort ganz schnell klar. Natürlich habe jeder seine ganz persönlichen Motive. Aber die Mehrheit, so Tews, will dort, "wo man mit dem Partner gewohnt, die Kinder groß gezogen und sein soziales Umfeld hat, auch alt werden".

Möglichst selbstbestimmt sollte das Leben auch sein, wenn man Pflege benötigt. Tews: "Ich will nicht sagen, dass das im Heim nicht auch möglich ist, aber für viele Menschen ist die zu Hause die Möglichkeit größer. Das hat mit Verwurzlung zu tun."

Angst und Scham

Die Tatsache, dass fast jeder zweite Pflegebedürftige Mensch nicht durch ein Familienmitglied gepflegt werden will, verwundert Tews nicht. "Das hat oft was mit Scham zu tun. Gerade in Fällen körperlicher Beeinträchtigungen, wo es ums Waschen im Intimbereich oder Inkontinenz geht, möchten die Menschen häufig nicht von ihren Angehörigen gepflegt werden." Auch bei Demenz komme das vor, weil sie Angst haben, vor ihren Kindern oder Partnern ihre Identität zu verlieren.

Das Bundesamt für Statistik erhebt regelmäßig Daten zur Situation der Pflege in Deutschland. Im Dezember 2011 waren demnach insgesamt 2,5 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig im  Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Mehr als zwei Drittel (70 Prozent oder 1,76 Millionen) wurden zu Hause versorgt. Davon erhielten 1.182.000 Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, das bedeutet, sie wurden in der Regel zu Hause allein durch Angehörige gepflegt.

Wie eine Teilkasko

Tews kennt das Problem: "Pflege ist wie eine Teilkaskoversicherung, das heißt gerade im ambulanten Bereich übernimmt die Familie viele Aufgaben, weil die Pflegeleistungen nicht finanziell abgedeckt sind." Daher sei nur ein Drittel der Pflegebedürftigen in der Lage, professionelle Pflege in Anspruch zu nehmen. 2011 waren es laut Bundespflegestatistik 30 Prozent (743.000 Frauen und Männer), die in Pflegeheimen vollstationär betreut wurden. Weitere 576.000 Pflegebedürftige lebten zwar in Privathaushalten. Bei ihnen erfolgte die Pflege jedoch zusammen mit ambulanten Pflege­diensten.

Die Bertelsmann Stiftung (Pflege 2030) rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem Anstieg der Pflegebedürftigkeit um fast 50 Prozent. Das würde bedeuten, dass wir dann eine Millionen mehr Pflegebedürftige hätten als heute. Auf der anderen Seite stehen aber immer weniger Einzahler. Es kommt also zu einer dramatischen Verschiebung der Verhältnisse. Die Arbeitsreserven in der Pflege gehen stark zurück. Die Pflegebranche ist ein sehr personalintensiver Bereich. Das Personal fehlt laut Tews aber schlichtweg.

Insgesamt arbeiteten in den ambulanten Pflegediensten laut der Bundespflegestatistik 291.000 Personen. Insgesamt 70 Prozent davon teilzeitbeschäftigt. Hier wird Tews deutlich: "Der Beruf muss unbedingt attraktiver gemacht werden." Es müssten Anreize in Form von Vergütung und Anerkennung geschafft werden. Krankheiten wie Demenz und Alzheimer bräuchten eine bessere Personalausstattung, denn die Einsichtsfähigkeit bei Patienten ist dann oft eingeschränkt, das führe gerade unter Zeitdruck zu Problemen.

Gleichzeitig entwickeln sich ganz neue Ansprüche an die Pflege von morgen. Der Dienstleistungsanspruch wächst. In Zukunft werde man mehr auf intelligente Pflege und autonomes Leben im Alter setzen müssen, sind sich Experten sicher. Beispielsweise auf Formen des betreuten Wohnens oder auf WGs. Doch dafür müssten eben auch die Ressourcen vorhanden sein.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) konzentriert sich neuerdings bei der Anwerbung ausländischer Gesundheits- und Pflegefachkräfte innerhalb der EU auf die vier Hauptzielländer Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Das schreibt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag.

 


11617541142196114219711421981161755 1161756 1142201
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare