Arbeit

Die Prophylaxe wirkt

Die LAGZ Rheinland-Pfalz wurde jetzt 30 Jahre alt. Im Interview erzählt ihr Vorsitzender Sanitätsrat Dr. Helmut Stein, warum Rheinland-Pfalz bei der Kariesprävention so gut aufgestellt ist und was er sich mit Blick auf eine zielführende Gruppenprophylaxe wünscht.

LAGZ Rheinland-Pfalz / Stefan Sämmer

Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Alexander Schweitzer, der Mainzer Sozialdezernent Kurt Merkator und Sanitätsrat Dr. Helmut Stein (v.l.) feierten mit dem LAGZ-Maskottchen Max Schrubbel das Jubiläum. | LAGZ-RP_S.Saemmer

zm-online: Herr Sanitätsrat, Sie kommen gerade vom Festakt "30 Jahre LAGZ Rheinland-Pfalz". Was hat Sie dabei am meisten bewegt?

Wir hatten vormittags 800 Kinder aus städtischen Kindertagesstätten aus Mainz zu Gast. Karl-Heinz Paul, besser bekannt als Mausini, hat sie mit seinem Mitmach-Theater fit für die Mundgesundheit gemacht. Mit wie viel Begeisterung die Kinder bei der Sache waren und die zahngesunden Botschaften aufgenommen haben, wie sie gelacht und gesungen haben - das hat mich sehr berührt.

Selbst der Regen konnte ihre Freude nicht trüben. Es sind die Momente mit den Kindern, sei es in der Kita, in der Schule oder auf Jugendzahnpflegetagen oder bei Jubiläumsveranstaltungen wie der heutigen, die mich jedes Mal aufs Neue bewegen. Und es sind genau die Momente, die mich immer wieder in unserem Tun bestätigen.

Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Rheinland-Pfalz, Sanitätsrat Dr. Helmut Stein, zeichnete Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit der Ehrenmedaille der LAGZ aus. | LAGZ-RP_S.Saemmer

Sie haben der Ministerpräsidentin Ihres Landes, Malu Dreyer, die LAGZ-Ehrenmedaille verliehen. Was ist ihr größter Verdienst?

Für die LAGZ Rheinland-Pfalz war und ist Malu Dreyer eine wichtige Botschafterin der Zahngesundheit, die sich - seit ihrer Zeit als Landesgesundheitsministern - tief und ehrlich verbunden fühlt mit der Jugendzahnpflege. In der Öffentlichkeit, sei es als Gast bei unseren Jugendzahnpflegen oder auf der politischen Bühne, hat sie stets betont, wie wichtig und zugleich erfolgreich es ist, Kinder frühzeitig an ein selbstverantwortliches zahnbewusstes Verhalten heranzuführen.

Aus dieser Überzeugung heraus hat sie auch nie die freiwillige finanzielle Unterstützung der LAGZ durch das Land Rheinland-Pfalz infrage gestellt. Wir brauchen Fürsprecher, die unser Anliegen unterstützen und die Jugendzahnpflege als festen Bestandteil der Gesundheitserziehung sehen. Und mit Malu Dreyer können wir sicher sein, eine besonders starke Fürsprecherin zu haben.

Die Karieslast in Rheinland-Pfalz

Wie sieht derzeit die Datenlage zur Karieslast in Rheinland-Pfalz aus?

Ganz aktuell haben wir die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2012/2013 ausgewertet - mit einem sehr erfreulichen Ergebnis: Mittlerweile haben 62 Prozent der Erstklässler ein naturgesundes Gebiss. Das ist zur letzten DAJ-Begleituntersuchung 2009 noch einmal ein Sprung um etwa sieben Prozent nach oben.

Bei den 12-Jährigen sind 70 Prozent kariesfrei. Oder anders gesagt: Heute haben 12-Jährige im Schnitt weniger als einen gefüllten, fehlenden oder zerstörten Zahn. In den 70er Jahren waren dies noch sieben Zähne. In beiden Altersgruppen liegen wir über dem Bundesschnitt; das macht uns sehr stolz und bestätigt unsere Arbeit.

Mein Dank gilt daher allen Beteiligten, die unter dem Dach der LAGZ Rheinland-Pfalz wirken - die Zahnärzteschaft, die gesetzlichen Krankenkassen, der Öffentliche Gesundheitsdienst, das Land Rheinland-Pfalz und natürlich die Erzieherinnen und Erzieher sowie die Lehrerinnen und Lehrer, die das zahnbewusste Verhalten in den Lern- und Erziehungsprozess der Kinder und Jugendlichen integrieren.

Wir sehen aber auch bei uns im Land den Handlungsbedarf bei der frühkindlichen Karies. 2010 haben wir deshalb das Programm „Gesunde Zähne von Anfang an“ gestartet. Es richtet sich speziell an Eltern mit Kindern bis drei Jahren. In Krabbelgruppen und Miniclubs klären wir sie über eine zahngesunde Entwicklung ihrer Sprösslinge auf. Seit Programmstart haben wir in rund 1.400 Veranstaltungen 12.000 Mütter und Väter erreicht.

Spielerisch und altersgerecht vermittelte Clown Mausini den jungen Gästen seine zahngesunden Botschaften. | LAGZ-RP_S.Saemmer

Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie die Kinder der Kariesrisikogruppen in in Ihrer Region gezielt zu erreichen?

In 2004 haben wir das „Aktivprogramm Zahnvorsorge“ aufgelegt. Es richtet sich an Schulen, deren Schüler ein erhöhtes Kariesrisiko haben. Das Intensivprogramm sieht pro Schuljahr und Klasse jeweils drei Doppelstunden für Prophylaxeunterricht, Zahnputzübungen und Untersuchungen vor. Hinzu kommt die zweimalige Fluoridierung der Zähne. Bei Risikogruppen zeigt sich der große Vorteil der Gruppenprophylaxe: Wir haben die Möglichkeit in Schulen Kinder und Jugendliche zu erreichen, in deren Elternhaus Zahnpflege und Mundgesundheit, aus welchen Gründen auch immer, vernachlässigt werden.

Partner für erfolgreiche Gruppenprophylaxe

Sie setzen in Ihrem Versorgungsbezirk ganz gezielt auf Netzwerkarbeit. Welche Partner sind für eine erfolgreiche Gruppenprophylaxe aus Ihrer Sicht unverzichtbar?

Für eine erfolgreiche Gruppenprophylaxe sind all diejenigen Partner unverzichtbar, die sich der gesundheitlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen verpflichtet fühlen und die in deren Lebenswelten wirken. In Rheinland-Pfalz haben wir bereits Anfang der 80er Jahre die Weichen dafür gestellt und sind mit der Zahnärzteschaft, der gesetzlichen Krankenversicherung sowie dem Öffentlichem Gesundheitsdienst und dem Land eine beispielhafte Kooperation eingegangen.

In den Lebenswelten unverzichtbar sind neben den Eltern natürlich die Erzieher und Lehrer; auch deshalb, weil der Lern- und Erziehungsprozess heute viel stärker abseits des Elternhauses stattfindet als noch vor 30 Jahren. Wichtig ist es, dass die Arbeitsgemeinschaften Jugendzahnpflege flexibel auf die sich weiter verändernden Lebenswelten reagieren und ihr Netzwerk stetig erweitern. In Rheinland-Pfalz haben wir in diesem Jahr die Hebammen als neuen Partner für die Elternaufklärung gewonnen. Angehende Hebammen werden nun, ebenso wie angehende Erzieherinnen, schon in der Ausbildung für das Thema Mundgesundheit fit gemacht.

„Die Gruppenprophylaxe ist wesentlich für die Chancengleichheit“, sagte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, anlässlich des Festakts zum 30-jährigen LAGZ-Jubiläum. | LAGZ-RP_S.Saemmer

Seit August 2013 haben einjährige Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Tageseinrichtung. In einigen Regionen in Deutschland bleibt hier keine Zeit mehr für das Zähneputzen, weil das Personal überfordert ist. Wie stellt sich die Lage in Ihrem Versorgungsbezirk dar?

Leider haben auch wir vereinzelt Rückmeldungen erhalten, dass das Zähneputzen zugunsten anderer Betreuungsaufgaben zurückgestellt wurde. Wir sehen natürlich die vielfältigen Herausforderungen, mit denen die Erzieherinnen und Erzieher durch die immer jünger werdenden Kita-Kinder konfrontiert werden, aber wir dürfen in unserem Kampf gegen Karies nicht nachlassen.

Gerade in den Kitas werden die so wichtigen Grundlagen für eine eigenverantwortliche zahngesunde Entwicklung gelegt. Deshalb wollen wir eine Vereinbarung aus 1990 mit den rheinland-pfälzischen Trägerverbänden über Maßnahmen der Gruppenprophylaxe in Kitas neu auflegen. Das zuständige Ministerium hat uns dafür bereits seine Unterstützung garantiert.

Mit sehr gutem Beispiel geht übrigens die Stadt Mainz voran. Alle städtischen Kitas haben seit Beginn des neuen Kita-Jahres das tägliche Zähneputzen als wichtigen Bestandteil in ihrem pädagogischen Konzept verankert. 

Herr Stein, was wünschen Sie sich mit Blick auf eine zielführende Gruppenprophylaxe für die Zukunft?

Da der Öffentliche Gesundheitsdienst in Rheinland-Pfalz nur über zwei Jugendzahnärzte verfügt, wird die Gruppenprophylaxe von den niedergelassenen Zahnärzten getragen. Ich wünsche mir, dass die jüngere Zahnärzte-Generation das Werk der 1.300 Paten- und Schulzahnärzte fortsetzen wird.

Hinzu kommt mein Wunsch, dass die Standesführung im Bund und in den Ländern den Wert der Prävention stets hoch hält. Dies gilt sowohl für das Ansehen, das wir durch die Gruppenprophylaxe in der Politik und in der Gesellschaft erreicht haben, als auch für die Bewahrung der Kompetenz auf diesem Gebiet. Ich habe immer betont, dass wir ohne unser Engagement in der Gruppenprophylaxe nie die Individualprophylaxe in die Praxen bekommen hätten.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (LAGZ) Rheinland-Pfalz ging 1984 an den Start und ist die Dachorganisation von 23 regionalen Arbeitsgemeinschaften (AGZ). Mitglieder sind die zahnärztlichen Organisationen, die Landesverbände und -vertretungen der gesetzlichen Krankenkassen sowie der Landkreistag in enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz.

Die Fragen stellte Sara Friedrich.

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