Arbeit

Ein Arzt in der Dönerbude

Seit 2012 ist die Berufszulassung nicht mehr abhängig von der Herkunft. Welche Hürden er in den 90er Jahren nehmen musste, um als Arzt arbeiten zu können, erzählt der türkische Psychiater Erdogan Hasesoglu.

M_Luedecke

Weil er keine Zulassung erhielt, hat er als Tankwart und in der Dönerbude gearbeitet. Der Psychiater und Psychotherapeut Hasesoglu Erdogan. picture_alliance

Anstatt im weißen Kittel Leben zu retten, hat Erdogan Hasesoglu jahrelang in der Imbissbude seines Schwiegervaters Döner verkauft. Im Prinzip kein schlechter Job, sagt der heute 45-jährige Arzt. Trotzdem hätte er 1996, als er nach dem Abschluss seines Medizinstudiums von der Türkei nach Deutschland kam, lieber im Krankenhaus gearbeitet.

Vorausgesetzt verheiratet

Was heute für die Berufszulassung keine Rolle mehr spielt, wurde für den jungen Mediziner zum Problem: Laut damaligem Bundesärztegesetz konnte er als türkischer Staatsangehöriger nur dann als Arzt arbeiten, wenn er mit einer Deutschen verheiratet war. 

Eine Approbation erhielten in Deutschland bis 2012 nur EU-Bürger. Mit dem Bundesanerkennungsgesetz spielt Herkunft seitdem keine Rolle mehr bei der Anerkennung einer Ausbildung, sondern ausschließlich deren Gleichwertigkeit mit dem deutschen Abschluss.Das Gesetz bezieht sich auf insgesamt 450 Berufe, die auf Bundesebene geregelt sind, darunter ist der Arztberuf. 

Hasesoglus Frau hatte schon einen Aufenthaltsstatus. "Wir beschlossen, dass sie sich einbürgern lassen würde", berichtet der Familienvater, der mittlerweile selbst einen deutschen Pass hat. Bis sich seine Frau Deutsche nennen konnte, dauerte es drei Jahre.

Ein Stockwerk tiefer

1999 erhielt Hasesoglu zwar nicht die Approbation, aber eine auf zwei Jahre begrenzte Berufserlaubnis, mit der er ausschließlich in Baden-Württemberg arbeiten konnte. Doch Hasesoglu fand keine Stelle: "Nicht mal als Hospitant wollte man mich einstellen." 

Also wandte sich der Arzt an die Agentur für Arbeit. "Dort gibt es zwei Beratungskategorien, eine für Akademiker und eine für Nicht-Akademiker", erzählt er. Er habe bei den Akademikern angefragt, aber dort sagte man ihm, er solle "ein Stockwerk tiefer gehen. Die Begründung war, dass ich in Deutschland noch nie als Arzt gearbeitet habe", berichtet Hasesoglu. "Das empfand ich als extrem beleidigend."

Trotzdem nahm der Arzt die Stellen an, die ihm die Agentur vermittelte. Er arbeite als Tankstellenwärter oder Getränkelieferant auf Stundenbasis. "Ich habe mich in dieser Zeit ziemlich alleingelassen gefühlt", sagt Hasesoglu. 

Praktikant ohne Verantwortung

Jahrelang bewarb sich der Arzt mit seiner befristeten Berufserlaubnis. Bis 2003 schließlich das Angebot einer Privatklinik im Schwarzwald kam. Hasesoglu arbeitete dort 18 Monate "als Praktikant ohne Verantwortung", wie er sagt, bevor er seine Approbation erhielt. "Ich hatte das Glück, bezahlt zu werden", berichtet Hasesoglu. Das sei nicht die Regel gewesen.

Mit seiner Approbation habe er sich sofort auf eine Facharztausbildung als Psychiater beworben und arbeitet nun an einer Psychiatrischen Klinik. Dass sein Deutsch zum damaligen Zeitpunkt nicht perfekt war, schreckte den Arzt nicht ab. "Ich habe auch sprachlich von der Facharztausbildung profitiert", sagt er. 

Seine Muttersprache ist Hasesoglu trotzdem von Nutzen: "Wenn ein türkischer Patient eintrifft, werde ich sofort gerufen." Neben der Sprache gebe es kulturelle Unterschiede, die man berücksichtigen müsse, erzählt der Arzt.

Viele seiner Landsleute hätten Schwierigkeiten sich zu integrieren, auch weil ihnen der Zugang zu ihrem eigentlichen Beruf verwehrt bleibe. Als Psychiater und ausgebildeter Psychotherapeut, aber auch außerhalb der Klinik bekomme er eine Menge mit, berichtet Hasesoglu. Erst neulich sei er durch Zufall einem ehemaligen Studienkollegen begegnet. "Der arbeitet immer noch als Lagerist in einer Holzfabrik."

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