Brennpunkt

Ein Coach für alle Fälle

Über die Onlineplattform HausMed bietet der Deutsche Hausärzteverband Gesundheitscoachings an, mit deren Hilfe Patienten ihren Lebensstil verändern können.

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Wie kann man die hausärztliche Versorgung innovativ weiterentwickeln und insbesondere das Internet für Hausärzte und ihre Patienten nutzbar machen? Diese Frage stand am Anfang der Konzeption von HausMed, erklärt HausMed-Geschäftsführer Dr. Florian Frensch. Internetcoachings zu präventiven Zwecken waren für den Verband die naheliegende Antwort.

An der Plattform gefiel der Ärztevertretung besonders die Möglichkeit, Patienten außerhalb der Praxis bei der Veränderung ungesunder Verhaltensweisen unterstützen zu können. "Mit diesem Thema stößt man bei allen Hausärzten auf offene Ohren. Sie begleiten Patienten über viele Jahre und erleben oft, wie durch einen falschen Lebensstil chronische Krankheiten entstehen“, so Psychologe und Wirtschaftsingenieur Frensch.

Sieben Trainer im Programm

Auf der HausMed-Seite stehen Nutzern zahlreiche Patienteninformationen über Krankheiten und Medikamente zur Verfügung. Außerdem gibt es Tipps für ein gesünderes Leben - abrufbar auch für unregistrierte User. Auf Werbung für Pharmaprodukte wird verzichtet. 

Im Mittelpunkt stehen die HausMed Coaches zu sieben verschiedenen Themengebieten: abnehmen, Raucherentwöhnung, stressfrei leben, gesunder Rücken, Diabetes, Depression und Bluthochdruck. In zwölfwöchigen Kursen bekommen die Patienten regelmäßig Informationen zu ihrem Thema und Aufgaben, die sie erfüllen müssen, um ihre Lebensweise umzustellen.

Ulrich Girbinger aus Krefeld ist mit dem HausMed Coach seinen überflüssigen Pfunden zu Leibe gerückt. "Ich habe bei meinem Hausarzt den Flyer für das Programm gesehen und mich dann von ihm genauer informieren lassen“, erzählt der 48-Jährige. Im November 2012 startete er mit dem Programm "Leichter leben“, zum Abschluss hatte er sechs Kilo abgenommen.

Jede Woche etwas Neues

Mit dem Ablauf des Trainingsprogramms kam Girbinger nach eigener Aussage gut zurecht. "Man wird ganz langsam an die Materie herangeführt, indem man jede Woche etwas Neues lernt. In der ersten Woche ging es beispielsweise darum aufzuschreiben, was man isst. In der zweiten standen die Trinkgewohnheiten im Mittelpunkt. Später kamen die Themen Sport und Bewegung hinzu“, fasst er zusammen.

Im Paket inklusive sind außerdem ein auf Gewicht und Alter abgestimmter Wochen-Essplan sowie Listen zur Visualisierung, wie viel Sport man gemacht und wie viel Fett, Kohlehydrate und Flüssigkeit man zu sich genommen hat. Das alles schriftlich genau nachzuhalten, sei ihm von allen Aufgaben am schwersten gefallen, berichtet der Kraftfahrzeugmeister. Ansonsten hatte er keine Probleme.

Bisher hält Girbinger sein neues Gewicht. "Es ist aber nicht so, dass ich nach zwölf Wochen mein Lebensmuster völlig umgestellt habe“, sagt er. "Die Informationen, die mir über das Coaching vermittelt wurden, habe ich zwar im Hinterkopf, aber so konsequent schreibe ich nicht mehr alles auf.“

Der Arzt erhöht die Compliance

Der HausMed Coach wird in zwei Varianten angeboten: mit und ohne hausärztliche Betreuung - letztere ist im Schnitt 30 Euro teurer. Insgesamt rangieren die Preise für das dreimonatige Programm zwischen 50 und 130 Euro. Einige Kassen erstatten die Kosten, einzelne haben das Angebot auch in den regulären Hausärztevertrag aufgenommen.

In Sachen Compliance zeigen sich laut Frensch deutliche Unterschiede zwischen den zwei Varianten: "Bei den selbstständigen Coachings liegt sie bei 50 Prozent, mit ärztlicher Betreuung bei 70 Prozent.“ Die Einbindung der Praxis sorgt laut dem HausMed-Geschäftsführer vor allen Dingen dafür, dass die Motivation dauerhaft stimmt. Wenn sie sinkt und der Teilnehmer sich beispielsweise länger nicht eingeloggt hat, können die Praxen das online im "Patienten-Cockpit“ sehen.

Die Folge: Ein Praxismitarbeiter kontaktiert den Patienten per Telefonanruf oder SMS und spornt ihn erneut an. Unangenehm sei den Patienten dieses Maß an Beobachtung nicht, sagt Frensch: "Sie geben vorher ihr Einverständnis, dass der Hausarzt ihr Teilnahmeverhalten nachverfolgen kann. Dass die Praxis das sieht, ist quasi das Verkaufsargument und wird von den Patienten positiv aufgenommen.“

Zurzeit machen 1.800 Hausärzte bei HausMed mit, pro Monat kommen laut Frensch 30 bis 100 dazu. Mitmachen kann theoretisch jede Praxis in Deutschland. Allgemeinarzt Dr. Heiko Weerda aus Pfaffenhofen ist seit eineinhalb Jahren dabei. Er sei gleich von dem Konzept überzeugt gewesen, erinnert sich der 44-Jährige.

Manchmal braucht es einen Motivationsschub

"HausMed nutzt die Vorteile des Mediums Internet ideal: Die Patienten können zeitlich und örtlich unabhängig und vor allen Dingen selbstständig für ihre Gesundheit aktiv werden und sich trotzdem von ihrem Arzt, der sie gut kennt, an die Hand nehmen lassen“, begründet er. Für die ärztliche Versorgung bedeute das seiner Meinung nach eine Verbesserung.

Im Durchschnitt betreuen Weerda und sein Team pro Monat zwei bis drei Patienten, die ein HausMed Coaching durchlaufen. Der Aufwand sei überschaubar. "Meine Hauptaufgabe ist es, den Patienten in das Programm hineinzubringen und mit Einstiegsinformationen zu versorgen. Hat er sich eingeschrieben, bekommen wir eine Mitteilung darüber“, erklärt Weerda. "Dann muss man eigentlich nur noch täglich Mails checken, um nachzuschauen, ob ein Patient kontaktiert werden muss oder einen Motivationsschub braucht.“

Im Schnitt fielen zwei bis drei Anrufe pro Monat, maximal zwei bis drei pro Woche, an. Für seine Helferinnen bedeutet das nach Weerdas Angaben einen täglichen Zeitaufwand von fünf Minuten.
Für jeden Patienten sind die HausMed Coachings nach Ansicht des Mediziners nicht geeignet. Eine gewisse Affinität zum Internet sollte bestehen. „Dass das nur auf junge Menschen zutrifft, ist jedoch eine Fehlannahme. Wir haben bei uns in der Praxis sogar festgestellt, dass mehr Senioren das Angebot nutzen“, so der Mediziner.

Coaching für gesunde Zähne

"Immer wenn ein Arzt seinen Patienten Tipps für gesundes Verhalten im Alltag gibt, ist das ein potenzielles Thema für ein Coaching“, stellt Florian Frensch fest. Das gelte auch für den zahnärztlichen Bereich: "Es gibt ganz bestimmte Dinge, die man machen muss, um seine Zahngesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Der Zahnarzt erklärt sie seinen Patienten und kann - wie die Hausärzte - nur hoffen, dass sie sie befolgen.“ Über ein Internetcoaching habe man die Chance, die Verhaltensweisen nachhaltiger zu verankern.

Den Aufbau eines Programms für Zahngesundheit stellt Frensch sich wie folgt vor: "Nach einem Intro über die Bedeutung von Zahngesundheit könnte man in den modularen Aufbau starten. In der ersten Woche lernt der Teilnehmer, regelmäßig und richtig seine Zähne zu putzen.

Das kann man mit einem SMS-Reminder unterstützen oder mit einem Gaming-Ansatz, indem man ihn Punkte für jedes Putzen sammeln lässt.“ Als aufbauende Module würden sich die Themen richtig essen und säurehaltige Getränke anbieten. Auch ein Modul für Zähneknirschen sei denkbar, indem man zum Beispiel einen Stresscoach einbaut.

Mehr unter
www.hausmed.de







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