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Ein medizinisches Journal in 3-D

Mit dem Anatomischen Wachskabinett zeigt das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden wahrscheinlich die weltgrößte Moulagensammlung mit nahezu 51.000 Objekten. Früher konnte man anhand der Objekte sehen, wie man operiert.

DHMD

Die Influenza an dem Oberkörper eines Mannes dargestellt, Magen und rechter Lungenflügel sind geöffnet (Dresden, nach 1890). Hersteller: Werkstatt Rudolph Pohl (1852 bis 1926) DHMD, David Brandt
Die Operation des Nasenpolypen (um 1900), Modelleur unbekannt DHMD, David Brandt
Nervenkopf (Leipzig vor 1880), Hersteller: Werkstatt Emil Kotschi (vermutlich 1880 in Leipzig verstorben) DHMD, David Brandt
Wendung des Kindes (Dresden um 1900), Hersteller: vermutlich Werkstatt Rudolf Pohl (1852 bis 1926) DHMD, David Brandt
Ein Mädchen vom Blitz erschlagen, Wachsmodell (um 1900), Werkstatt unbekannt DHMD, David Brandt
Rumpf eines jungen Mannes mit der oberen Lage der Eingeweide, Wachsmodell (2. Hälfte des 19. Jahrhunderts), Werkstatt unbekannt DHMD, David Brandt
Oberschenkel eines Soldaten, dessen Hauptpulsader durch einen Bajonettstich verletzt wurde (Wachsmodell 1918), Werkstatt Rudolf Pohl, Dresden DHMD, David Brandt

Das „Anatomische Museum“ wurde früher auf Volksfesten und Jahrmärkten gezeigt. Besitzer des Wachskabinetts waren von 1895 bis 1987 die Schaustellerfamilie Hoppe, danach die Familie Barber, die es weiter an die finnischen Schausteller verkaufte. 2009 erwarb das Museum die Werke von den finnischen Schaustellern Wainö Hamari und Esa Kartumen.

Der Ursprung des Wachskabinetts soll auf das Jahr 1856 zurückgehen. Am Anfang stand der Aufklärungsaspekt im Vordergrund. Moralisierende Darstellungen zeigten auch Moulagen zum Thema Sexualität. Die Präsentation rief damals keine große Kritik hervor, anders als beispielsweise die Ausstellung „Körperwelten“ von Günther Hagen heute.

Ein Anblick zum Erschaudern

Zugleich befriedigten die Moulagen auch die Sensationslust in der Bevölkerung, die bei ihrem Anblick erschauderte und sich an den Darstellungen ergötzte. Im Fokus steht der Blick auf die Objekte und die Reaktion darauf, wie Distanz oder gar Tabuverletzung.

Im 19. Jahrhundert präsentierten die Wachskabinette Moulagen, die die verschiedenen medizinischen Bereiche, wie Operationen, Haut- oder Berufskrankheiten, Schwangerschaft und Geburtshilfe, oder verdeutlichten Arbeitsunfälle und Kriegsverletzungen.

Gruselfaktor zur Gesundheitsfürsorge

Operation eines Nasenpolypen

Die staunenden Besucher konnte sehen, wie ein Kind im Mutterleib zu drehen war, oder wie neueste Operationsmethoden funktionierten. In der Ausstellung ist das Wachsmodell „Operation eines Nasenpolypen“ zu sehen. Die Wachskabinette gaben auch die neusten Fortschritte in der Bakteriologie wieder.

Das Modell eines tuberkulösen Lungenflügels oder eines durch Cholera und Typhus veränderten Darmes sollte die Bevölkerung auf den anatomischen Schauen zur persönlichen Hygiene anhalten, um die gezeigten Krankheitsbilder zu vermeiden. Somit erfüllten die Wachskabinette zu Ende des 19. Jahrhunderts die Funktion präventiver Gesundheitsfürsorge.

"Wie man die Blutzufuhr nach der Abtrennung der Hand durch eine Kreissäge stoppt"

Eine andere Moulage verdeutlicht, wie man mit der richtigen Anwendung des „Esmarch’schen Hosenträgers“ (nach dem Kieler Chirurg Friedrich von Esmarch, 1823 bis 1908) die Blutzufuhr nach der Abtrennung der Hand eines Arbeiters durch eine Kreissäge stoppt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hielt die Rassenideologie auch in die Wachskabinette Einzug. So wurden laut Ausstellungsführer der Schaustellerfamilie Hoppe auch zwei Modelle zur Sterilisierung von Mann und Frau gezeigt.

Ein großer Teil der präsentierten Moulagen wurde zwischen 1880 und 1920 von dem Dresdener Wachsmodelleur Rudolf Pohl hergestellt. Weitere Moulagen konnten den Modelleuren Gustav Zeiller und Emil Kotschi zugewiesen werden. Viele Objekte zeigen den hohen künstlerischen Anspruch, mit dem die Wachskünstler an ihre Arbeit gingen. Ein besonders spannender Ansatz der Dresdener Ausstellungsmacher ist der Mix aus diesen Moulagen und Kunstwerken.

Die Ausstellung „Blicke, Körper, Sensationen“ wird ab dem 11. Oktober bis 19. April 2015 im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden gezeigt. Literatur zur Ausstellung: Blicke! Körper! Sensationen! Ein anatomisches Wachskabinett und die Kunst, Herausgegeben von Eva Meyer-Hermann, Göttingen 2014.
 

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