Arbeit

Eine Gweipoh aus Bayern

Witten-Herdecke, London, und nun Hongkong - das sind die die beruflichen Stationen der Zahnärztin Dr. Sandra Hulac. Im Interview mit zm-online erzählt die gebürtige Münchnerin über das Leben und Arbeiten in einer der geschäftigsten Metropolen der Welt.

Susanne Theisen

"Hongkong ist eine vertikale Stadt", erklärt Dr. Sandra Hulac. "Es ist ganz normal, dass man beispielsweise in den 22. Stock fahren muss, um zu seinem Friseur zu kommen oder ins Restaurant zu gehen. Daran musste ich mich erst gewöhnen." Susanne Theisen
Mitten in Central, Hongkongs Finanz- und Geschäftsbezirk, liegt das World Wide House. Hier betreibt Sandra Hulac seit 2007 eine Zahnarztpraxis im 15. Stock. Susanne Theisen
Das World Wide House und seine Nachbarn. In Central stehen die Hochhäuser dicht an dicht. Susanne Theisen
"Die Patienten sollen einen guten ersten Eindruck von unserer Praxis haben. Das Wartezimmer muss deshalb perfekt aussehen. Da bin ich pingelig", erzählt Sandra Hulac und lacht. Susanne Theisen
Wolkenkratzer und Straßenschluchten - das Wartezimmer im 15. Stock bietet interessante Ausblicke. Susanne Theisen
Der kieferorthopädische Behandlungsbereich bei Tam, Hulac und Partners Susanne Theisen
Der Sterilisationsbereich liegt im Zentrum der Praxis, damit er von den umliegenden Behandlungszimmern schnell zu erreichen ist. Susanne Theisen

Dr. Hulac, wie sind Sie in Hongkong gelandet?
Dr. Sandra Hulac
: Ich habe in Witten-Herdecke studiert und bin kurz nach dem Studium nach London umgezogen, weil mein Mann dort gelebt hat. Ich fing 1993 an, in London zu arbeiten, zunächst als angestellte Zahnärztin. Im Jahr 2000 wurde meinem Mann dann eine Stelle als Investmentbanker in Hongkong angeboten.

Ich war darüber nicht besonders begeistert. Ich war sehr glücklich in London, hatte gerade mein erstes Kind bekommen und eine kleine Praxis im Herzen der City aufgemacht. Ich wollte eigentlich nicht weg. Im November 2000 haben wir uns Hongkong dann aber einfach mal angeschaut. Ich fand die Stadt beeindruckend und dachte, okay, ich komme mit. Im Jahr darauf sind wir umgezogen.

Wie haben Sie die erste Zeit in Hongkong in Erinnerung?

Ich war erst einmal ununterbrochen krank, weil ich nicht an die Klimaanlagen gewöhnt war, die hier überall auf vollen Touren laufen. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit machte mir zu schaffen. Ich erinnere mich, dass wir im ersten Jahr einen unheimlich nebligen und feuchten Frühling hatten und ich mich fragte: Was machen wir hier eigentlich? Ich war ziemlich deprimiert, auch weil die Stadt damals ausschließlich auf Banking und Arbeit ausgerichtet war. Heute sehen die Leute hier, dass man sich auch ein bisschen amüsieren muss. Hongkong ist dadurch kosmopolitischer geworden. 

Wie sahen Ihre beruflichen Pläne nach dem Umzug aus?
Ich wollte an der Universität in Hongkong meinen Master of Science machen und mich in Endodontologie fortbilden. Warum ist mir heute rätselhaft. Endo liegt mir nicht. Mit meiner Bewerbung hatte ich aber kein Glück. Es wurden jährlich nur zwei Plätze vergeben und ich war Nummer drei. Ich beschloss, stattdessen das Vergleichbarkeitsexamen zu machen, um mich niederlassen zu können. 

Was gehörte alles zu der Prüfung?
Das Examen, das vom General Dental Council in Hongkong bestätigt wird, besteht aus drei Teilen. Im Oktober geht es mit einem umfassenden Multiple-Choice-Teil los. Wenn man den schafft, muss man im zweiten Teil eine Prothese designen und zwar genau so, wie das in Hongkong üblich ist. Man muss unter anderem Zähne am Phantomkopf scalen, Füllungen machen und eine Krone am Phantomkopf präparieren. Wenn man das bestanden hat, kommt der dritte, mündliche Teil mit Patientenuntersuchungen. 

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