Brennpunkt

Eine Haltung zum Leben

Das Projekt "30 junge Menschen" hat Sterbende mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengebracht, um über den Tod zu sprechen. Projektleiter Christian Schulz vom Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin an der Uni Düsseldorf spricht im Interview mit zm-online über die Hintergründe und Ergebnisse dieser Begegnung.

30jungemenschen.de

zm-online: Dr. Schulz, wie gehen wir mit dem Tod um?

Christian Schulz (im Bild rechts, zusammen mit dem Projektleiter Prof. Dr. Martin W. Schnell, Direktor des Instituts für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen der Uni Witten/Herdecke): In Deutschland wird durchaus über die Themen Sterben und Tod gesprochen. Wir nehmen sie allerdings hauptsächlich im Kontext der Einrichtungen des Gesundheitswesens wahr. Das heißt, sie werden mehr und mehr ein Thema professionalisierter Berufsgruppen und entfernen sich aus dem Kontext der Familie.

Wie war das denn früher?

Vor 50 Jahren sind Verstorbene in der Regel an ihrem Heimatort aufgebahrt worden und waren einige Tage zu sehen. In Gesprächen mit älteren Menschen hört man immer wieder, dass das ganz normal war. Heute haben die meisten jungen Leute noch nie einen sterbenden Menschen gesehen beziehungsweise ihn begleitet.

Was ist passiert?

Unter anderem aufgrund der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes lösen sich traditionelle Wohnstrukturen von Familien immer mehr auf. Aufgaben wie etwa die Pflege eines sterbenden Angehörigen, die früher die Familie übernommen hat, werden zunehmend in einen professionalisierten Bereich verlagert. Sterben wird dadurch anonymer. Das ist zunächst einmal keine Bewertung, nur eine Beobachtung.

Wie ist die Idee zu "30 junge Menschen" entstanden?

"30 junge Menschen" ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Institut für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen der Universität Witten/Herdecke. Mit meinem dortigen Kollegen Martin Schnell arbeite ich schon seit vielen Jahren im Bereich der medizinischen Lehre zusammen. Wir haben früh damit begonnen, die Kommunikation mit Patienten, die an ihrem Lebensende stehen, in die Ausbildung miteinzubinden, indem wir Patienten in den Unterricht einladen.

In diesen Seminaren kommt es immer zu sehr intensiven Begegnungen, die die Haltung der Studierenden zum Tod stark verändert. Darüber kamen wir auf die Idee, auch anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, eine solche Begegnung zu wagen und sich mit ihrer Sterblichkeit auseinanderzusetzen.

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