Brennpunkt

Eine iranische Zahnärztin in Bad Segeberg

Nastaran Mehdizadeh ist Iranerin. In Kiel hat sie Zahnmedizin studiert, um dann lange im Iran zu praktizieren. Jetzt ist sie nach Deutschland zurückgekehrt. zm-online schildert sie ihre Gründe.

N. Mehdizadeh

"Mein Name ist Nastaran Mehdizadeh. Ich komme aus dem Iran. Seit dem 2. Mai 2013 arbeite ich als Zahnärztin in Bad Segeberg im öffentlichen Gesundheitsdienst. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder im Alter von neun und 16 Jahren. 1987 bin ich mit meinem Ehemann nach Deutschland gekommen. Er hat in Kiel Agrarwissenschaften studiert, ich - nachdem ich Deutsch gelernt hatte - an der Christian‐Albrecht‐Universität zu Kiel Zahnmedizin.

Der Boykott trifft das Volk

1997 habe ich mein Studium abgeschlossen und bin kurz darauf in meine Heimat zurück gekehrt. Dort habe ich zunächst meine Assistenzzeit absolviert, meine Promotion gemacht und danach zwölf Jahre in eigener Praxis gearbeitet. Die Arbeit im Iran hat sich in den letzten zwölf Jahren sehr verschlechtert. Durch die Regierungspolitik, besonders durch das Atomkraftprogramm des Irans, ist es zum wirtschaftlichen Boykott des Landes gekommen. Dies trifft natürlich in erster Linie die Bevölkerung.

Seit dem Boykott ist es kaum noch möglich, qualitativ hochwertige Materialien für den Praxis‐ und Laborbedarf zu erhalten. Früher habe ich mit den vertrauten Materialien, die ich auch aus Studienzeiten kenne, gearbeitet. Mittlerweile ist das Land China die einzige Bezugsquelle.

Gute Zahnmedizin ist für das Gros nicht mehr bezahlbar

Die Patientenversorgung kann nur noch auf minderwertigen Niveau stattfinden, prothetische Versorgungen sind für den Großteil der Bevölkerung gar nicht mehr finanzierbar, da die Materialpreise an den Patienten weitergegeben werden müssen. Hinzu kommt die gigantische Inflation in unserem Land.

Während meiner Zeit nach dem Studium habe ich den Kontakt nach Deutschland gehalten. Meine besten Freundinnen leben hier, überwiegend in Kiel. Einige sind Studienkolleginnen, Deutsche und Iraner aus meiner Kieler Studienzeit. Anfang des Jahres erfuhr ich von einer ehemaligen Kommilitonin von einer freien Stelle im öffentlichen Dienst in Bad Segeberg. Die Stelle war schon seit einiger Zeit vakant und konnte nicht adäquat besetzt werden. Meine ehemalige Kommilitonin hatte mir schon viel von ihrer eigenen Tätigkeit im öffentlichen Dienst erzählt und so hatte ich ein ziemlich genaues Bild von Ihrer Arbeit.

Nach längerem Überlegen und Rücksprache mit meiner Familie, entschloss ich mich, mich auf die Stelle zu bewerben und bin nach dem Auswahlverfahren angenommen worden. Mein Arbeitsbeginn hat sich aufgrund langer bürokratischer Wege der deutschen Botschaft in Teheran etwas verschoben, aber netterweise ist mein zukünftiger Arbeitgeber entgegenkommend gewesen.

Allein in Deutschland

Ich bin alleine nach Deutschland gekommen. Mein Ehemann bleibt im Iran, wo er in einem Ministerium arbeitet. Mein größtes Anliegen ist es momentan, dass meine Kinder zu mir kommen können. Natürlich kann ich als Mutter nicht auf Dauer ohne meine Kinder sein. Es ist ein harter, langer bürokratischer Weg mit ungewissem Ausgang. Darin werde ich aber zum Glück unterstützt.

Überhaupt habe ich in diesem Land sehr viel Hilfsbereitschaft erfahren. Mir ist die Mentalität der Deutschen durch meine elf Jahre, die ich hier gelebt habe, sehr vertraut und ich wertschätze sie. Durch meine Arbeit im öffentlichen Dienst in ländlicher Gegend hoffe ich, etwas an dieses Land zurückgeben zu können.

Demokratie statt Extremismus

Meine Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen bereitet mir große Freude, und momentan genieße ich die Zeit, wo ich sozusagen eine Behandlungspause habe, wo politischer und religiöser Extremismus nicht zum Alltag gehören. Die Demokratie, die in Deutschland Alltag ist, wünsche ich mir auch für mein Heimatland.

Auch wenn ich nur vorübergehend Gast in Deutschland bin, so würde ich mich freuen, wenn meine beiden Kinder Deutschland kennen lernen würden (meine Tochter ist in Deutschland geboren) und sich als weltoffene Menschen verstehen.

Im Iran würde ich mir für die Bevölkerung wünschen, dass sie frei im Denken und Handeln sein darf und speziell für meinen medizinischen Bereich, dass jeder Mensch eine qualitativ gute medizinische Behandlung erfahren kann. Nach der aktuellen Wahl im Iran habe ich große Hoffnungen, dass der erste Schritt in diese Richtung geht.

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