Brennpunkt

Eine Zahnklinik für Nyanza

Zwölf Zahnärzte für mehr als elf Millionen Menschen. So sieht die Versorgung in Ruanda bis März 2014 aus. Dann wird dort mithilfe deutscher Unternehmen und der LZK Rheinland-Pfalz eine Zahnklinik eröffnet.

MDH AG

Die Zahnstation ist Ergebnis eines Kooperationsprojekts von Mamisch Dental Health (MDH), Sirona und DHL und der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz. Das Familienunternehmen MDH handelt mit Qualitätszahnersatz aus dem Ausland. "Soziale Verantwortung" ist fest in der Firmenphilosophie verankert und wird durch eine Vielzahl an Projekten gelebt. Um insbesondere das eigene Wissen im zahnmedizinischen Bereich weiterzugeben, engagiert sich der Mittelständler in Ruanda. Angestrebt wird eine bessere zahngesundheitliche Versorgung, insbesondere in den ländlichen Regionen.

Straßenszene in Ruanda. In dem südostafrikanischen dichtbevölkerten Binnenland lebten im Jahr 2012 elf Millionen Menschen. Zwölf Zahnärzte stemmen die Versorgung im Land. | MDH AG

Die medizinische Versorgung in Ruanda ist insgesamt rückständig. Auch die Zahngesundheit ist unzureichend. Viele Menschen putzen sich die Zähne noch mit Wurzeln. Zahnerkrankungen sowohl bei Erwachsenen und Kindern sind weit verbreitet. Um die Situation wenigstens punktuell zu verbessern, eröffnet die MDH AG in Nyanza, etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali, eine Zahnklinik. Dort will sich das Unternehmen für die Aus- und Fortbildung von zahnmedizinischem Personal vor Ort einsetzen.

Eine erste Studie zur zahngesundheitlichen Lage bei Kindern in Ruanda führte die World Dental Federation ( FDI) 2003 durch. Sie zeigte auf, dass Zahnschmerzen, Zahnfleischerkrankungen sowie weitere Zahninfektionen die Hauptbeschwerden vor Ort sind.

Nach Meinungen ruandischer Behandler sind Zahnverfall, Karies, Parodontose und Zahnfleischerkrankungen weit verbreitet, außerdem müssen Weisheitszähne, Kandidose, Abszesse und Gaumenspalten behandelt werden. Die Hauptursache für die Erkrankungen sind die fehlende Zahnhygiene, Krankheiten wie Aids, Malaria, Mündhöhlenkrebs sowie eine ungesunde Ernährungsweise. 

Laut dem Kigali Health Institute (KHI), der einzigen ruandischen Ausbildungsstätte für den zahngesundheitlichen Bereich, versorgen aktuell 12 ruandische Zahnärzte eine Bevölkerung von mehr als 11 Millionen Menschen. Fünf weitere Zahnärzte arbeiten beim Militär. Unterstützt werden die Zahnärzte bei der Grundversorgung im gesamten Land von nur 200 Zahntherapeuten - sogenannten Dental Therapists, die von ihrer Ausbildung mit deutschen ZFAs zu vergleichen sind. Im Unterschied zu ZFAs dürfen sie jedoch Zähne ziehen oder Füllungen legen.

Zahnprothetische Versorgungen werden nicht durchgeführt, komplizierte Eingriffe und Zahnersatzleistungen können in Ruanda nicht vorgenommen werden. Eine zahnmedizinische Versorgung gibt es lediglich in den zwei Universitätskrankenhäusern in Kigali und Butare sowie in zwei Privatpraxen in der Hauptstadt Kigali.

Weite und teure Wege

Um notwendige Zahngesundheitsdienste aufzusuchen, müssen Patienten zeitaufwendige und teure Anfahrtswege auf sich nehmen, da die lokalen Distrikt-Krankenhäuser und Gesundheitszentren in Ruanda nicht hinreichend für eine zahngesundheitliche Versorgung ausgestattet sind. Es mangelt hier vor allem auch an qualifiziertem Personal, die Mund- und Zahnerkrankungen behandeln können.

In diesem Gebäude im ruandischen Nyanza soll die von deutschen Firmen finanzierte Zahnklinik eingerichtet werden. | MDH AG

Laut KHI ist die Ausbildung zum Dental Therapist (BA) nicht ausreichend, um den Bedarf an zahngesundheitlicher Versorgung im Land qualitativ wie quantitativ zu decken. Es fehlen im Land Studienmöglichkeiten zum Zahnarzt oder Zahntechniker, Fortbildungen für medizinisches Personal sowie betreute klinische Praxiserfahrungen. Darum plant das Kigali Health Institute diese Situation in den kommenden Jahren zu ändern und einen zahnchirurgischen und zahnärztlichen Masterstudiengang in Ruanda einzuführen sowie Fortbildungen für medizinisches Personal anzubieten.

Die MDH AG sowie Mamisch Hilft e.V. engagieren sich bereits seit mehreren Jahren in Ruanda. Bisher wurde ein Kindergarten sowie ein sozioökologisches Projekt namens „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützt. Mehr als 4.000 Zahnärzte haben sich bereits an dem Projekt beteiligt. Insgesamt konnten bisher 90.000 m² Land für sozioökologische Entwicklungshilfe bestellt werden, was 286 Familien eine Lebensgrundlage bietet.

Bei dem Projekt werden umweltschonende Anbautechniken von Soja, Gemüse und Obstbäumen eingesetzt mit dem Ziel, eine Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sicherzustellen und den Beschäftigten ein geregeltes Einkommen zu liefern. Dazu werden erzielte Überschüsse sowie zusätzlich angebaute Duftgeranien und roter Pfeffer verkauft.

MDH startete seine Planungen zur Hilfe in dem heute noch von Bürgerkrieg 1994 gezeichneten Land im Februar 2012. Nach einer Vielzahl von Gesprächen wurden die Ideen konkret, und am 11. Mai 2013 fand eine erste Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding mit der Botschafterin von Ruanda und dem Bürgermeister der Stadt Nyanza statt . Im Juli 2013 wurde die Vereinbarung vor Ort in Ruanda von Vertretern der ruandischen Regierung unterzeichnet.

Neue Stühle

Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit der Rheinland-Pfalz - Ruanda sowie der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz. Unter der Schirmherrschaft der Zahnärzte Dr. Franz-Josef Ratter und Dr. Jürgen Raven engagiert sich die Kammer zusammen mit dem Landesgesundheitsministerium sowie dem Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz - Ruanda auch für eines bessere zahnmedizinische Versorgung in Ruanda. Sie spendeten zwei neue Behandlungsstühle für die Universitätskliniken in Butare und Kigali.

Am Standort Bensheim fertigt Sirona alle denkbaren dentalen Ausstattungsgüter. Hier werden auch vier C8+ Behandlungsstühle für die Zahnkliniken in Ruanda gebaut. | Sirona

Um die zahnmedizinische Hilfe für Ruanda optimal zu koordinieren, arbeiten alle Partner eng zusammen. Die Eröffnung der Zahnklinik ist nun für März 2014 geplant. Dafür wurden zwei Behandlungsstühle von der MDH AG sowie zwei weitere von der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz und dem Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz - Ruanda bei Sirona eingekauft.

Der Dentalgerätehersteller unterstützt das Projekt mit Preisnachlässen auf die Stühle und der Installation, Wartung und dem Service der Einheiten. Zudem werden die ruandischen Techniker am Standort in Bensheim ausgebildet. Der Transport der Behandlungsstühle nach Ruanda erfolgt kostenfrei durch den Logistikpartner DHL. Die ruandische Regierung und der Partnerschaftsverein unterstützen vor Ort die geplanten weiteren Maßnahmen.

Die Cargo-Flotte von DHL: Damit werden die Hilfsgüter nach Ruanda geflogen. | DHL

MDH und Mamisch Hilft e.V. planen jetzt drei weitere Programme zur Verbesserung der Zahngesundheit in Ruanda:

  • Kurzeinsätze von deutschen Zahnärzten in Ruanda. Die Zahnärzte sollen für zwei bis vier Wochen nach Ruanda reisen und dort ihr Wissen und Know-how an ruandische Fachkräfte und Studenten weitergeben. Dabei sollen die Zahnärzte Behandlungen vornehmen sowie Präventionsmaßnahmen und praktische Schulungen durchführen. 
  • Ausbildung im zahnmedizinischem Bereich. Im Zentrum steht die Vergabe von zahnmedizinischen Stipendien an bedürftige Studenten, um die Ausbildung zum Dental Therapist zu fordern. Zudem sollen die Stipendiaten jeweils einen deutschen Zahnarztmentor erhalten, bei dem sie bestenfalls auch ein Praktikum in Deutschland machen sollen.
  • Entwicklung von Zahntechnik in Ruanda. Bisher gibt es in Ruanda keine Zahntechnik und damit auch keinen Zahnersatz. Für die Entwicklung soll ein funktionsfähiges Labor in der Universitätsklinik in der Hauptstadt Kigali ausgestattet werden und ruandische Dental Therapists-Studenten im Rahmen eines zahntechnischen Stipendiums nach China ins Labor der MDH AG zur fortgebildet werden.

Das erste soziale Engagement in Ruanda ist durch persönliche Kontakte der Familie Mamisch entstanden. Es begann mit der Unterstützung eines Kindergartens vor Ort. Daran schloss sich das sozioökologische Projekt "Hilfe zur Selbsthilfe" an. Bei dieser Arbeit vor Ort fiel die stark verbesserungswürdige Zahngesundheit in Ruanda auf.

Alexandra Vollmer ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Mamisch Dental Health.

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