Arbeit

"Essen ist ja so was von gefährlich"

Dr. Wibke Bein-Wierzbinski ist PäPKI®-Therapeutin und arbeitet auch mit Problemkindern zusammen. Hier erzählt sie, welchen Einfluss die Ernährung nach PäPKi® auf die Entwicklung und die (Mund-) Gesundheit hat.

privat

Frau Bein-Wierzbinski, wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen - was machen Sie genau?

Bein-Wierzbinski: Als PäPKI®-Therapeutin arbeite ich in meiner pädagogischen Praxis für Kindesentwicklung in Hamburg mit Kindern und deren Eltern. Die Patientenbandbreite ist vielfältig: Der Hauptanteil sind Vor- und Grundschulkinder mit typischen Verhaltens-, Lern- und Entwicklungsdefiziten, wie ADHS, Enuresis, Enkopresis, Koordinierungsschwäche, Störungen in der Blickmotorik, Konzentrationsstörungen, Heuschnupfen, Neurodermitis, Migräne, myofunktionelle Störungen und CMD.

Dabei achte ich bei den betroffenen Kindern auf die neuromotorische Entwicklung. Es lassen sich zum Teil Rückschlüsse ziehen zwischen Lernauffälligkeiten und - frühkindlichen - neuromotorischen Entwicklungsdefiziten. Oft sind es aber auch Ernährungsungleichgewichte, die ein Störungsbild besonders zur Ausprägung bringen, wie beispielsweise bei myofunktionellen Störungen. Eine Kombination von neuromotorischer Förderung mit bedarfsorientierter Ernährungsumstellung hilft dann am schnellsten und nachhaltigsten beim Korrigieren der Fehlentwicklungen. 

In der letzten Zeit sind zudem gehäuft Jugendliche in der Beratung, die Schmerzen beim Kauen beziehungsweise eine CMD-Symptomatik benennen. Auch hier lässt sich viel über eine gezielte Ernährung und über die Neuromotorik ändern und verbessern. 

Aber auch Mütter mit Säuglingen finden den Weg schon recht früh zu mir. Meist lassen sich letztere schlecht beruhigen, verweigern die Bauchlage, kommen nicht ins Drehen, zeigen Stillprobleme oder haben Schwierigkeiten beim Einführen der Beikost und reagieren mit Neurodermitis und Unruhezuständen.

Für mich ist es besonders wichtig, die Eltern mit einzubeziehen, weshalb diese die Beratungstermine begleiten müssen. Schließlich handelt es sich bei der PäPKI®-Fördermethode um einen ganzheitlichen Ansatz, und da kommt den Eltern eine Schlüsselrolle zu. Ziel meiner Beratungstätigkeit der Eltern ist, dass diese Entwicklungsauffälligkeiten ihrer Kinder besser verstehen, die Ursache und die Zusammenhänge begreifen. Im Alltag hilft ihnen dann das Wissen beim Umgang mit dem Kind. Auch zukünftigen Missverständnissen kann so vorgebeugt werden.

Und wenn ich nicht mit Kindern und deren Eltern arbeite, beschäftige ich mich mit der Ausbildung von PäPKi®-Therapeuten, unterrichte die Lehre der Bedarfsorientierten Ernährung nach Tönnies, arbeite an einem neuen Buch oder halte Vorträge zum Thema Kindesentwicklung und den begleitenden Umständen - so wie jetzt auf der Kieler-Kinder-Konferenz (siehe zm 6, Seite 44).

Welche Auffälligkeiten stellen Sie bei Kindern gehäuft fest, die in Verbindung mit der Ernährung stehen?

In Verbindung mit der Ernährung stehen beim Schulkind zunächst Erkrankungen, die mit dem atopischen Formenkreis einhergehen: Heuschnupfen, Neurodermitis, Allergiebereitschaft, Asthma. Fast Food und Kantinenessen, Zucker sowie zu viel Chrom aus Äpfeln, südländischen Früchten wie Kiwi, Mango, Papaya aber auch Paprika sind hierfür häufig mitverantwortlich.

Reduziert man konsequent die Chrom- und Zuckerzufuhr durch Verringerung des Obst- und Saftkonsums ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung getan, da Chrom der Motor für Allergien ist. Natürlich ist auch darauf zu achten, dass bei den betroffenen Kindern die Verdauung normalisiert wird und ausreichend essenzielle Fettsäuren konsumiert werden.

Betroffene Kinder weisen häufig auch myofunktionelle Störungen auf, die in Form von fehlendem Mundschluss, Mundatmung, verstärkte Polypenbildung, verstopfte Nase, Mittelohrentzündungen zu beobachten sind. Eine lang anhaltende Unterversorgung an essenziellen Aminosäuren, wie an Tryptophan durch häufigen Konsum frittierter Speisen kann bei diesen Kindern im Teenageralter dann auch zu einer CMD-Symptomatik führen.

Starke Erschöpfungs- und Verschleißsymptome gepaart mit Stress durch fehlende Regeneration, die durch Tryptophan- und Lysin-Mangel, durch Störungen im Magnesium- und Kalziumstoffwechsel sowie durch Vitamin A-, Vitamin D- und Vitamin B1 und B6-Mangel verursacht werden können, lassen sich sehr gut mit einer gezielten Ernährungsumstellung verbessern.

Bei den lernschwachen Schülern entstehen häufig Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite durch einen Mangel an Tyrosin und Eisen. Es ist zu beobachten, dass diese Kinder verstärkt ein süßes, kakao- und milchhaltiges Frühstück (Schokoflocken) zu sich nehmen. Da Milch und Kakao Eisen jedoch irreversibel binden und die Eisenaufnahme morgens am besten ist, führt diese lang andauernde Frühstückspraxis schließlich zur Nährstoffunterversorgung. Das fehlende Tyrosin, das sie aus proteinreicher Nahrung, wie Eier oder Hartkäse, aufnehmen müssten, führt letztendlich zu einer schwachen Nebennierenfunktion, mit der Folge, dass die kinder nur noch schwer in die Gänge kommen.

In diesem Zusammenhang sind auch häufig starke Schwankungen im Blutzuckerspiegel zu nennen, die zu Konzentrationseinbußen führen können, sowie ein Kalium-Überschuss aus zu hohem Fruchtsaftkonsum, eine Unterversorgung an tierischen Omega-3-Fettsäuren aus fetten Fischen und schließlich auch ein Methionin-Überschuss aus Quark und Frischkäse. Diese Zusammenhänge habe ich in meiner gerade erschienenen Veröffentlichung zur Bedarfsorientierten Ernährung „Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettelmann“ für den Laien gut verständlich beschrieben.

Achten Sie eigentlich auch auf Zahnzustand und Mundgesundheit Ihrer Patienten?

Grundsätzlich ist es nicht meine Aufgabe als Pädagogin, in Körperöffnungen zu arbeiten. Allerdings lassen sich bei den mir vorgestellten Kindern die Wahrnehmung bestimmter Auffälligkeiten nicht vermeiden.
Okklusionsstörungen wirken sich nicht nur auf den Biss aus, sondern können Auswirkungen auf die gesamte Körperhaltung haben. Bei Schmerzen durch Verspannungen im orofazialen Bereich ist immer eine Zusammenarbeit des PäPKi®-Therapeuten mit Zahnärzten und Kieferorthopäden sinnvoll.

Welche Botschaft ist Ihnen am wichtigsten?

"Essen ist ja so was von gefährlich", hat es eine Kursteilnehmerin mal lächelnd und treffend auf den Punkt gebracht. In unangemessener Ernährung lauern Gefahren - aber es gibt bei gezielter, bedarfsorientierter Ernährung auch enorme Chancen! Kinder und auch deren Eltern sollten sich nicht von Fertiggerichten, geschweige denn Fast Food, ernähren. Auf lange Sicht führt diese Ernährungsweise zu spürbaren, gesundheitlichen Störungen in der Verdauung, im Immunsystem, bei der Regeneration und bei Kindern auch zu Entwicklungsstörungen.

Meine Kurz-Botschaften sind:

  1. Kein süßes Frühstück, das macht krank!
  2. Morgens tierische Eiweiße, abends pflanzliche Kost, mittags frisch zubereitete Speisen essen
  3. Saft und Saftgetränke sollten nur als Ausnahme und zu besonderen Anlässen konsumiert werden.
  4. Früchte werden in den "Gesundheitsbibeln" völlig überbewertet. Dreimal pro Woche ist völlig ausreichend; lieber viel Gemüse und herzhafte Snacks wie Butterbrot mit Meersalz als Zwischenmahlzeiten zubereiten

Die Entwicklungs- und Lerntherapie nach PäPKi® steht für ein ganzheitliches Förderkonzept, bei dem die Tätigkeitsfelder von Pädagogen und Medizinern näher zusammenrücken, um eine bestmögliche Förderung des Kindes zu bewirken. Der Fokus ist dabei auf die körperliche Reifung und Entwicklung des Kindes gerichtet.

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