Brennpunkt

Geh mir weg mit Forschung

Klinische und wissenschaftliche Arbeit schlecht vereinbar

Hauptgrund hierfür ist nach Angaben der Befragten die unzureichende Vereinbarkeit von klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit, die nur 19 Prozent als gut bis sehr gut bezeichnen. Diese Situation scheint sich in den letzten fünf Jahren aus Sicht der Fakultäten sogar weiter verschlechtert statt verbessert zu haben, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Als unzureichend werteten 68 Prozent  der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ferner die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch die mitunter auftretenden Schwierigkeiten, Forschungstätigkeiten auf die Facharztweiterbildung anrechnen zu lassen, verstärken den Konflikt zwischen Forschung und klinischer Tätigkeit.

Hinzu kommt, so das IGES-Institut: „Wo ein Wechsel aus der Krankenversorgung in die Forschung mit deutlichen Gehaltseinbußen verbunden ist, wird dies die Bereitschaft zur Forschung maßgeblich einschränken.“ Denn für den beruflichen Aufstieg, zum Beispiel auf eine Oberarztstelle, sowie die damit verbundene bessere Vergütung seien vor allem Tätigkeiten in der Patientenversorgung relevant.

Schon Studierende präferieren die Patientenversorgung

Der Konflikt zwischen klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit tritt allerdings nicht erst bei den fertigen Absolventen der Human- und Zahnmedizin auf. Schon bei den Studierenden erfährt die (zukünftige) Patientenversorgung eine deutlich höhere Wertschätzung als Forschungstätigkeiten. So streben 84 Prozent der angehenden Zahnärzte und 72,1 Prozent der Humanmedizinerinnen und Humanmediziner eine überwiegend klinische Tätigkeit in der Patientenversorgung an.

Eine ausschließliche Tätigkeit in der Forschung strebt dagegen kein einziger Zahnmediziner bzw. Zahnmedizinerin sowie nur zwei Prozent der humanmedizinischen Studentinnen und Studenten an.

Der Bericht zeigt zugleich auf, dass die Medizinischen Fakultäten in den vergangenen Jahren Maßnahmen zur Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses ergriffen haben, wie die Schaffung von Rotationsstellen, Promotionsprogramme oder -preise sowie eine überwiegend auf dem Tarifvertrag-Ärzte beruhende Vergütung für forschende Ärzte. Diese Maßnahmen sind allerdings noch ausbaufähig, so das Fazit der IGES-Studie.
 

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